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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Dienstag, 26. Juni 1928.

Nummer 149.

18. Jahrgang

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mal feine Aussage, Meyer habe ihn zur Be­schädigung von Turbinen angeleitet, aufrechtzu­erhalten, aber aus ihm spricht der Mut der Ver­zweiflung. Als nun vollends Meyer aufruft: Wie kommt Baschkin, der alles für mich tat heute dazu, mich völlig unbegreiflicher Verbre­chen zu zeihen, die mich jahrelang ins Gefängnis werfen müßten, wenn sie wahr wären!- da bricht Baschkin in haltloses Weinen aus. Was von Anfang an eine Vermutung war, ist jetzt Ge­wißheit geworden. Dies stellte .mch Meyer mit den Worten fest: Er muß dazu verleitet worden sein!- Der Donezprozetz ist moralisch tn sich zusammengebrochen! Rußland steht am glei­chen Punkt, wie vor einige: Zeit Frankreich im Autonomisten-Prozeß!

Denn er war ein Deutscher.

Becker feiert unseren größten Journalisten.

Koblenz, 25. Juni. Bei Entbüllung des Denk­mals für den größten Publizisten, Mevh GorreS, feierte Kultusminister Dr. Becker die- en als Bahnbrecher der modernen politisch-lrte- rarischen Publizistik. Der entscheidende Faktor dieses neuen Zweiges kritischer ober svntheti. Wt Geyiesarbeit, die im führenden Journa-

Varls-Moskau.

PoincarLS großer Wurf. Donezkomödie.

ttommen, daß er sich einer: solchen Kabinett grundsätzlich nicht widersetzen würde. ES dürste fich eine Zustimmung allerdings nur auf die Bildung eines

Uebergangskabinetts bis zum Herbst d. I. beziehen. Er hat jedoch keine Partei noch nicht befragt. Erst wenn Müllers Bestrebungen um die Weimarer Koalttion gescheitert fein wer­den wahrscheinlich Dienstag wird die Frage des Kabinetts der Persönlichkeiten akut werden, ebenso oder ein anderer mit der Bildung diese- Kabinetts beauftragt werden wird.

Meyr Fühlung im Zentrum!

Köln, 25. Juni. (Privattelegramm.) In einem Leitartikel heißt es u. a.: Man hat manch­mal das Empfinden, daß die wertvollen Kräfte im Zentrum nicht immer so zusammengehalten worden seien, wie es nötig war. Bei einer strafferen Führung wären die vielen Führerstreitigkeiten, die großen Schäden gestif­tet haben, zu vermeiden gewesen. Auseinander­setzungen dürfen nie persönlichen Charatter an­nehmen, wie wir es erlebt haben. Es mu Sache der obersten Parteileitung sein, für das Zusammenarbeiten der Fraktionen sowie für die nötige Tuchfühlung zwischen den Fraktionen und Parteiinstanzen zu sorgen.

eoffen, damit der gefertigte Frank die ihm gebühren .

besitzt. Während der nächsten vierzehn Tage bringen französische Schiffe nicht weniger als 42 Millionen Dollar oder rund 168 Millionen

»wtyettorttk: Einheimische SelchäftSaneeieen die mm-Zetle M) A. auSwärtiae GelSastSan^tgen die mm-Beile 10 J. Bimtlienaneeigen die mm-Seile 10 A. Kleine Anzeigen an8 Kastel das Wort 6 A. auswärtige kleine Anzeigen die mm- Seile 10 A. Reklame« die mm-8etle « t4. Otterünbübr 96 J (6et Zustellung 86 AV Rechnungsbeträge innerhalb 6 Tagen zahlbar ftftt die Richtigkeit aller durch Fernsprecher anlgeaebenen An«igen sowie für Aufnabmedate« und Plätze kann nicht gamntiert weÄen. Astr «metattt mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachtbofstr. 98/80. Geschäftsstelle: KSlnischestr. 6.

Run ist auch der monatelang« Kamps um die Srankstabilisierung abgeschlossen. Frankreicks ammer hegte den Wunsch, daß die Stabiliste- run dauernd mit dem Namen Poincare ver- knüpft bliebe. Der erstrebte Burgfriede wird demgemäß gewahrt werden. Was nachher kommt steht aus einem anderen Blatte. Denn die Linke spricht offen von einem StaatS-Bankerott, der hauptsächlich die Kleinrentner betroffen habe und selbst die Rationalistenpress« sieht mit trü­ben Ahnungen in die Zukunft. Allerdings wurde in den letzten Monaten reichlich Vorsorge ........U und wiedergene- rende Goldbasis

Paris sperrt fich noch immer.

DaS Kriegsverbot nicht nach Mariannes Wunsch.

Paris, 25. Juni. Die infolge der Franken- stabilisterung verzögerten Preffebesprechungen der neuen Kelloggnote bestätigen den Eindruck, daß noch mehr oder minder starke Wider­stände des amtlichen Frankreichs zu überwin­den find, biS die Unterzeichnung des Kriegsäch- tungspaktes spruchreif ist. Ein Blatt stellt fest, daß Kellogg keine bedeutenden Anstrengungen gemacht habe um den französischen Einwendun­gen Rechnung zu tragen. Ein anderes urteilt: Kellogg erkenne wenigstens die gegenseitige Ab hängigkeit des Bökkerbundspur»es, der Locarno­verträge und der Balkanverträge an. Ein Links­blatt hält es für zweifelhaft, daß Teilzugeständ- niste gegeben werden, um Frankreich sofort und vorbehaltlos die Unterzeichnung zu ermöglichen.

Paris, 25. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Einige Blätter stellen zur Kellognote fest, daß auch Belgien, Polen und die Tschechoslowakei, also die Signatare der Locarnoverträge, in die Verhandlungen eingeschlossen sind und auch dem kein Hindernis bereiten wollen, daß S ü d s l a - Wien und Rumänien sich an dem Pakt be­teiligen Das gebe die Gewißheit, daß der Anti- kriegspakt weder den Verträgen von Locarno noch den Neutralitätsverträgen Abbruch tun wird. Kellog schweige sich jedoch über die Ver­pflichtungen des Volkerbundsstatuts aus, weS- halb die Verhandlungen fortznsetzen seien.

Die Kastele» Neuestea Nachrichte» erscheine» nMentitib sechsmal uachmtttaaS. Der AbonnemenisvretS beträgt für bea Monat 8.90 Jt bei freier Zustellung ins Haus, tn der «eschältSftelle abgebolt i. Jt. Durch bte Po» monatlich 2.90 Jt ausschließlich Zustellungsgebübr. Sernivrecher 961 und 052 Äür nnverlangt eingesandte «etträae kann die Redaktion eine BeraMwortnna oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Räckzablnng des vemaSaelde« oder Antnrüche wegen rtwaiaer nicht vrdnnnaSmätziaer Aefernng ist ansaeichloste«. voftscheckkonw nrankfnrt a. M. Nummer 6880. Ginzelnnnnaer 10 A Svnntaasnnnrmer 90 A

wer war -er Retter?

Die dewtsche Maschine paßt Italien nicht. - Trügerische Amundfen-Zeichen.

OSlo, 25. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Wäh- schwedische Expeditionsschiff meldet, daß dw Rettung Nobiles und eines seiner BL gleit« dem schwedischen JunkersflugzeugUpp- land" gelungen sei, spricht ein italienischer Be- 5>chk ste dem schwÄischen Fokkerfliege» Lund- bnrg zu. Das Junkersflugzeug sei zu einer Lan- bBBg aut der Eisfläche viel zu schwer gewesen, ^undburg habe mit feiner kleinen Maschine wohl zuerst RobUe gerettet und am Sonntag den an­deren Berwunderen von der Eisscholle äbgehott Die Meldung nach dem der russische Eisbre­cher Malygin FunFprüche von Amundsen ausge- faugen hat, hat fich nicht bestätigt.

Mehr sparen!

Reform der Wahlsahrtsarbett in Gemeinden.

Von

Geheimrat Dr. Max Seidel.

Die Wohlsahrtsansgabeu der Städte find heute nm das Fünffache von 1811 gestiegen. Dazu trägt sehr niet die Erwerdsloienffirsorge, das Wobmrngselend und andere Betaftungen bei, iodah die Gemeinden ihre« Säckel durch ein« grobzügige Reform der Woblsahrtsarbeite» anf- helre» «rüsten. Unser sachtnnülgcr Mitarbetter beruhtet darüber unter anderem das Solgeude: Bei der Gestaltung der Säuglingsfürsorge hat man erkannt, daß Vorbeugen besser ist als heilen. Man läßt deshalb die Fürsorge so früh als möglich beginnen. Die Aufklärung und Be­lehrung der Mütter steht an erster Stelle, die vielfach in Mütterberatungsstellen erfolgt. Auf­nahme und Behandlung der Mütter und der Kinder in Krankenhäusern und Säuglingshei­men, die Gewährung von Stillbeihilfen und an­dere Maßnahmen sind dabei zu erwähnen. Ein wirksames Mittel zur Verminderung des Auf­wandes wird in der Familienfürsorge gefunden die sämtliche Zweige der Wohlfahrtspflege zu- sammenfaßt. Dadurch wird alles Nebenelnan- derarbeiten verschiedener Fürsorgepersonen in ein und derselben Familie vermieden. Daß sich die gesamte Säuglingsfürsorge gut bezahll macht ergibt si aus der Statistik, nach der irr Deutschen Reicye von 100 Lcbendgeboreneu tßt ersten Jahre starben: 1914 16,4 Kinder, 1923 13,2 Kinder.

gen der Sowjetrichter, er habe die von Otto zu­rückgewiesene Aussage nach siebenstündi­gem Verhör gemacht und könne sie nichl aufrechterhatten. Ein anderer, Kasarinow, zeigte sich bei der Gegenüberstellung mit Otto etwas fester, wurde aber auch sichtlich nervös. Er scheint eben bessere Nerven und ein robusteres Gewissen zu haben.

Auch Meyer ga^ an, daß er in der Vorunter­suchung geradezu drangsaliert wurde, Protokolle, die er nicht selbst schrieb, zu unterzeichnen. Die dauernde Folter warf ihn schließlich auf das Krankenlager, auf dem er die Unterschrift gab. Wieder spielt Baschkin herein, da er auch gegen Meyer belastend ausgesagt hatte. Als die beiden gegenübergestellt Werder^ versucht Baschkin dies-

satzung. Er spreche zwar einfreimütigen Kriegsverzicht" aus, verpflichte ober feinen bet Unterzeichner zu irgend welcher Berhaltungs- weise. (Stehe auch Depeschen 2. Seite. Die Red.)

Teilstreik -er Bäcker.

Berlins Brotttersorgung nicht gefährdet.

Berlin, 25. Januar. Wie bereits augekündigt, ist heute in den Betrieben der Berliner Brot­fabrik ein Str«! wegen Lohndifferenzen ausge­brochen. Rach Mitteilung von beteiligter Seite Steilen bisher insgesamt siebenhundert Mann, die fich aus 25 Betriebe »erteilen. Die Gesamt­belegschaft sämtlicher Berliner Brotfabriken be­läuft fich auf 6500 Mann.

wenn Sttesemann )a sagt.

Ein UebergangSkabmett -iS zum Herbst.

Berlin, 25. Juni. (Eigener Informations­dienst.) Am Montag finden voraussichtlich noch keine offiziellen Berhandlungen für die Neubil­dung der Regierung statt, da erst die Antworten der Fraüionen auf Müllers Anfrage über die Weimarer Soalitton abgewartet werden. Die Aussichten für daS Zustandekommen einer Wei­marer Koalition werden zu: Zeit in parlamenta­rischen Kreisen äußerst ungünstig bezeichnet» da die bayerische Volkspartei den schärfsten Wider­spruch erhoben hat und auch bei der Wirtschafts­pattei keine Neigung besteht, fich an einer so ein- eilig feftgelegten Soalitnon zu beteiligen. Dage­gen scheint für ein sogenanntes Kabinett der Persönlichkeiten an maßgebenden Stellen Nei­gung zu bestehen. Von Sttesemann wird ange-

Mart in reinstem Golde ans den Vereinigten Staaten nach Frankreich. Just vor einer Woche, am letzten Montag konnten 23 Millionen Golddollckr in den Tresors der Bank von Frank­reich deponiert werden. Seit dem letzten De­zember führte Frankreich auS Nordamerika Gold im Werte von 257 Millionen Dollar oder 1028

Finanziell beginnt sich dis Erfüllung der intensiv betriebenen Säuglingsfürsorge eben­falls auszuwirken. In einem Lanvbezirk n Sachsen mußten 1924 für die Säuglingsfürsorge fast Mk. 60 000 aufgewendet werden, 1927 fur den gleichen Zweck Mk 42000, trotz erheblichen Ausbaues. Außerdem wird ja ein Teil des Nachwuchses davor bewahrt, in späteren Jah­ren sütsorgebedütftig zu werden, als Tuberku­löse, als Krüppel usw. Auch die private uno öf­fentliche JuHendfürforge leistet vorbeugende Ar­beit. Gute 'Unterbringung der Pflege Kinder in einer Familie ist besser und gleichzeitig billi­ger als in einer Anstalt Bei der Auswahl ge­eigneter Familien müssen Pertrauensleu- t e (Lehrer, Pfarrer. Bürgermeister) heljen. Bet drr Hauspflege wird geeigneten Ftai-n tie Führung im Hauswesen übertragen, wenn die Mutter für einige Zeit daran verhindert ist. Da­durch erübrigt sich oft die Unterbringnuug der Kinder in Anstalten oder Pflegestellen, teilten Teil per Kinder wird man stets an die See oder ins Gebirge senden müssen, aber die Hahl läßt sich vermindern, wenn Sandspielbecken, Spiel­plätze mit Geräten, Planschwiesen, Luftbäder, Solbäder usw. innerhalb oder außerhalb der Stadt zur Verfügung flohen. Das Jugend- amt muß seine Aufgaben mit dem geringsten Aufwand an Helfern, Mitteln und Einrichtun­gen zu erledigen suchen. In den letzten Jah­ren sind etwa soeben Millionen Schülkin- derschulärztlich neu erfaßt worden.

Infolge der Wohnungsnot ergibt sich außer- ordentlich günstiger Boden zur Verbreitung der Tuberkulose durch Ansteckung vom erkrank­ten Familienglied aus. Vielfach wird es mög. ltch fein, für die Kranken das Heim zur Heil­stätte werden zu lassen, wenn für die Grundriß- gestaltung der Wohnungen die erforderlichen Geitchtspunkte beachtet werden. Bei der Wan- wrerfürsorge rückt die Frage der Arbeitsbe- chaffung in den Vordergrund. Vielfach ist Die Fürsorge verbunden worden mit der Kulttvie- rnng von Oedland. Teilweise werden in der Wandererfürsorge durch Arbeit im Büro und in den Werkstätten die ereigneten Kräfte beschäf­tigt. Bei Anbau von Obst und Gemüse haben vielfach auch alte und gebrechliche Leute nützli- che Anwendung gefunden. Die Arbeitskraft »er Wanderer besitzt einen erheblichen Wert, der tch tn positiven wirtschaftlichen Nutzen umsetzt. Den Schlußstein der ht einem Heim absolvier- ten Auffrischungszett muß die Ueberführuna in eine Arbeitsstelle bilden, die besonderen Ar­beitsnachweisen ob liegt. Die reichsgesetzliche Regelung bet Wandererfürsorge scheint unve- dmgt empfehlenswert zu fein.

In verzweifelter tage.

Schteckensftunden auf dem krachenden EiS. Nobile durch Beinbruch schwer verletzt.

Und die auderen?

Stockholm, 25. Juni. Kurz vor seiner Ret­tung hatte Nobile gefunkt, daß das Eis anfange, nach Norden zu treiben. Gleichzeitig beginne es in schraubende u. malende Bewegung zu kom­men, die im Laufe des Tages beständig zngc- nommen habe. Die italienischen u. schwedischen Flieger wollen versuchen, Nobiles Gefährten, die sich noch auf dem EiS befinden, auch zu ret­ten. Man wird auch die unterwegs befindli­chen Hundegespanne zu größter Eile an- spornen. Nobile und seine Leute kämpften die ganze Nacht hindurch einen Verzweif- lungSkampf gegen das Eis, das in heftiger Bewegung war. Schollen von hunderten Ton­nen Gewicht wurden wie Spielbälle hin und her geschoben. Nobile wurde von einer

Scholle ein Lein gebrochen

kc^balber als erster geholt. Die Landung des schwedischen FlugzeugsUppland- auf dem in Bewegung befindlichen Eis war ein Mei-

Sliegerkunst und mit den größten Gefahren verbunden, da der Startplatz sich ständig zu verändern drohte. Nobiles Zu­stand ist krittsch.

Mit Nobile abgeflogen!

Durch schwedische Flieger gerettet. Die zweite Landung mißglückt. Die Begleiter noch in der EiSwüste.

Korn, 25. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die Cttta bi Milano" meldete durch Funkspruch, daß in der Nacht ein mit Skis versehenes schwe­disches Flugzeug unter schwierigen Umständen bei der Gruppe Nobiles landete und mit dem General Nobile zurückflog. Es brachte ihn nach der Hinlopenstratze, von wo ihn ein schwc- dftcheS Wasserflugzeug nach der Virga-Bay auf dieGitta bi Milano" brachte. Das Flugzeug begab fich darauf von neuem zu der Gruppe der Schiffbrüchingen, um das Rettungswerk fortzu- setzen. Aber bei der schwierigen Landung schlug das Flugzeug um. Der tapfere Pilot blieb glücklicherweise unverletzt. Warum Nobile als Erster fortgeschafft wurde, ist noch nicht bekannt.

Millionen Mark ein. Wenn man bedenkt, daß zur Stabilisierung unserer Reichsmark eine An­leihe in der Höhe von 800 Millionen Goldmart genügte und daß die Bank von Frankreich schon vor dem letzte» Dezember über Goldbestänoe verfügte, die ein Mehrfaches von dem darstellen, was "totr überhaupt besitzen, dann mich man schon zugestehen, daß die Goldbafis des Franken sicher gesund ist. Freilich wird jetzt Frankreichs Hochfinanz umso mitleidloser daraus dringen, die Reparationsschuld von Deutschland in vol­ler Höhe einzustreichen, um dem eigenenGeldbeu- tel aufzuhelfen, wenn auch die Börsen New- Yorks dafür sorgen dürften, daß der bluttleere Michel nicht völlig zusammenbricht. Immerhin wird die Wohltat einer festen Währung, das Vertrauen zu dem Goldfranken, früher oder später der französischen Volkswirtschaft und da­mit auch der Weltwirtschaft zugute kommen Poincares großer Sieg wird dann vollkommen sein. Ob es auch fein letzter Sieg war? Die Vorgänge in der französischen Kammer bei der Wahl des Präsidenten und des Kammerbütos, die Vorgänge in Elsaß-Lothringen und andere innerpolitische Ereignisse zeigen, daß der Burg­friede unter den bürgerlichen Parteien vorerst nur zu dem Zwecke der Stabilisierung des Franken geschlossen wurde. WaS nachher kommt, bleibt abzuwarten.

Zur gleichen Zeit hat die grotefle Komodie, die zur Zeit auf der Moskauer Bühne gespielt wird, ihren Höhepunkt erreicht. Man hat tn der letzten Zeit noch auf verschiedenen Seiten ge­glaubt, von einerverhängnisvollen- Wendung des Donez-Prozesses sprechen zu müssen. Nicht als ob man das ganze Verfahren für richttg ge­halten hätte, aber verschiedene Aussagen gaben doch der Anklage einen Schein von Berechtigung. Die komödienhaften Elemente und die theatra­lische Aufmachung schob ma eben auf die Psyche des neuen Rußland. Nun hat der Prozeß aber wirklich eineverhängnisvolle- Wendung ge­nommen, allerdings nicht ,ür die Angeklagten, sondern für die Kläger und Richter. Die Aus­sagen und dieGeständnisse-, auf die sich die Anklage stützt, kommen in recht sonderbares Licht. Liest man den Prozeßbericht, so wird man un­willkürlich an mittelalterliche Methoden erinnert, Geständnisse zu erpressen, wenn nicht gerade - mit Hilfe derEisernen Jungfrau-. Man stellt ] unheimlich lange und schikanöse Vorunter- \ suchungen an, die schließlich zum gleichen Zweck ; führen wie die allen Follermechoden. Dieses i Zeugnis gao einmal Baschkin, als der deutsche i Ingenieur Otto seine belastenden Aussagen zu­rückwies. In einer Verfassung, die kein gutes Gewissen verriet, zitternd erklärte er zur allge­meinen Ueberraschung und zum höchsten Unbeha-

Frankreich hält den Weltfrieden auf

Vielleicht ein Llebergangskablnett / Nobiles Nettungsflug.

Nur eine Illusion?

England begrüßt und krttifiert bte Antikriegs­pakt-Note.

London, 25. Juni. Reben der allgemein be­grüßten Stabilisterung des Frank äußert sich die Presse zum neuen Antikriegs-Rote befriedigt und glaubt, daß die Note die Bedenken Frankreichs beseitigen : .üffe. Auch ein konservatives Blatt betont, daß Kellogg die von Chamberlain ange­regte Kompromitzmethode angenommen habe und Morning Post sagt ironisch, der Kelloggpakt be­deute sogar noch weniger als die BölkerbundS-