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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Washington rückt von Lonöon-pans ab

Auch Noms Freundschaft erkaltet / Voten WM Lttauen an sich ketten.

Nummer 213. CtanefeKW! Wochentags 10 Pfennig Sonnabend, 8. September 1928. Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig. 18. Jahrgang

Der ehrliche Makler.

Wir sollen uns die Finger verbrennen.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Das Wort vomehrlichen Makler" stammt von Bismarck, der aus dem Berliner Kongreß 1878 den gordischen Knoten nach dem russisch- türkischen Kriege zu lösen unternahm. Er konnte es, vermöge der ungeheuren politischen und per­sönlichen Autorität, die er besaß, und es gelang ihm auch, auf dem Kongreß einen Ausgleich zu­stande zu bringen. Allerdings, Rußland war nicht befriedigt, und von Stunde an wuchs in den maßgebenden russischen Kreisen die Ab­neigung geo-n Deutschland, mit der Begrün­dung: Deutschland hat uns verraten, Deutsch­land hat sich geweigert, uns den schuldigen Dank dafür zu beweisen, daß wir durch unsere Neu­tralität ihm erlaubt haben, Frankreich zu be­siegen! Der Berliner Kongreß war die eigent­liche Geburtsstelle jenes panslavistischen Dogmas, daß der Weg nach Konstantinopel durch das Brandenburger Tor in Berlin führe. Wenn schon dem Giganten Bismarck damals Gefahren drohten ... um wieviel schwerer und dornenvoller würde sich heute eine solche Aus­gabe sür Deutschland gestalten! Und doch hat es den Anschein, als ob sie ihm zugeschanzt werden soll, denn nach den aus Genf kommen­den Nachrichten hat Poincari bei der Pariser Unterhaltung mit Stresemann die Anregung ge­geben, Deutschland möge in der Frage der Kriegsschulden den Vermittler zwischen Frank­reich und Amerika machen.

Ist die Nachricht richtig und gelänge es Poincare, nach der glücklichen Frankstabilisie­rung auch noch einen durchgreifenden Nachlaß der von Frankreich an Amerika geschuldeten Summen zu erreichen, so würde dieser Triumph sein« Stellung ganz unvergleichlich festigen. Deutschland wünscht die Räumung des Rhein­landes. Gut! Dann soll Deutschland erst die Kastanien für Frankreich aus dem Feuer holen und Amerika zu einer Reduktion seiner Schuld­forderung bewegen. Wie Deutschland das macht, ist seine Sache. Sine Position in Washington hat sich ja infolge der Haltung, die es dem Kelloggpaki gegenüber eingenommen hat, so günstig gestaltet, daß es vielleicht wagen darf, sich an die Vermittlerrolle zu machen! Glückt sie, so ist der entscheidende Vorteil bei Frankreich. Glückt sie nicht, so kann Frankreich mit aufrichtigem Bedauern" feststellen, daß es ihm angesichts der Schwere und Unsicherheit sei­ner eigenen Verpflichtungen nicht möglich ist, dasPfand", das es in Gestalt des Rheinlan­des für die deutschen Zahlungen in Händen hält, preiszugeben. Natürlich könnte Deutsch­land diesem Schritt erst nach der amerikani­schen Präsidentenwahl tun und die Räumungs­frage vertagt sich damit automatisch auf das nächste Jahr! Wir würden es für einen Fehler halten, wenn die deutsche Politik auch nur grundsätzlich aus die Maklerrolle einginge. Ir­gendwelche Gegenleistungen kann Deutschland Amerika nicht anbieten, und Freundschaftsge­schenke, zumal von solchem Umsange, werden in der Politik nicht gemacht. Davon abgesehen hat Deutschland aber ein Recht auf Räumung, denn es hat feine Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage erfüllt. Nur eine ganz un­sinnige, gewaltsam herbeigezogene Auslegung kann behaupten, zur Erfüllung im Sinne des betreffenden Versailler Tikiatparagraphen ge­höre die vollständige Bezahlung der verlangten Tributsummen.

Die Franzosen haben durchaus ohne formelle und moralische Begründung d>« Räumungsfra­ge mit zwei andere« Fragen verauickt, die ver­tragsmäßig nichts mit ihr zu tun haben: mit ihrer sogenannten militärischen Sicherheit und mit der Sicherheit für den Eingang der deut­schen Reparationszahlungen. Die erstere ist er­ledigt durch den Vertrag von Locarno, durch den außer Deutschland auch noch England und Italien zu Garanten der französischen Ost­grenze geworden sind, und die zweite ist erle­digt durch den Dawesplan. Dieser soll darüber entscheiden, was Deutschland tatsächlich leisten kann und in welcher Form seine Leistungen ge- schehen sollen. Wenn Deutschland sich nun dar­aus einlassen wollte, als Vorbedingung dafür, daß die Franzosen ihrer Vertragspflicht Nach­kommen. erst noch eine so wenig aussichtsvolle Ausgabe wie die Vermitt'ung mit Amerika in her Schuldentrage zu übernehmen, so würde e< damit, überflüssiger und gefährlicher Weise, auf den Vorteil verzichten, den ihm die ein­fache Betonung seines Rechtsanspruchs gewährt. Bei der zweiten Zone bandelt es stch ohnehin

nur noch um eine kurze Frist. In Frank­reich fühlt man sehr wohl die moralische Schwie­rigkeit. in die man geraten würde, wenn man jetzt, nach der Unterzeichnltng des Kellogg-Pak- tes, sich noch länger weigern wollte, über die Räumung zu sprechen. Man sängt alfo mit dem Gespräch an, aber auf eine Weise, die von uns zurückgewiesen werden mutz. Es ist nicht un- ete Sache, Frankreich auf eine Plattform hin­aufzuhelfen, von der aus es imstande wäre, mit einem Schein der Verhandlungsbereitschaft die Räumung tatsächlich zu verzögern.

Für Amerika unannehmbar.

^i<t große Flottenkanonade entbrannt.

Lon-ivn, 7. September. Rach Berichten aus Newyork verfaßt Präsident Coolidge zurzeit eine Rote, in der der britisck)e Vorschlag, das englisch- französische Flotten-Abkommen als Grundlage für weitere Abrüstungs-Verhandlungen zu be­nutzen, a b g e l e h n t wird mit der Begründung, daß das Abkommen offensichtlich gegen amerika­nische Flotteninteresscn gerichtet ist. Es fordere u. a. die B e s ch r ä n k u n g der zehntausend Tonnen-Kreuzer und der Sechshundert-Ton- nen-Unterseeboote, die Amerika wünscht und billige eine unbeschränkte Zahl von kleinen Kreuzern und Unterseebooten, die England und Frankreich auch benötigen.

* * * Nicht nach Italiens Geschmack Mussolini sieht sich von John Bull betrogen.

London, 7. September. (Eigener Drahtbe­richt.) Wie verlautet, hat Italien weniger das technische Flotten-Abkontmen zwischen Paris- London übel ausgenommen als die Tatsache, daß Italien nicht zur Teilnahme an den Ver­handlungen eingeladcn worden sei. Der Ausschluß Italiens von den Verhandlungen set in Rom der Anlaß zu größter Ueberra s ch n n g und lebhaftestem Bedauern gewesen. Was die rein technische Seite des Abkommens anlange, so werde Italien die Trennung zwi­schen Flotten- und Landabrüftung ab lehnen.

* * *

Oer Äenogpaft für die Abrüstung tot niot

London, 7. September. Rach Berichten aus Newyork ließ Senator Borah verlauten, der Kelloggpakt würde aus der nächsten Flottenton- erenz im Jahre 1932, auf der über eine Ber- längerung des Washingtoner Abkommens verhandelt werden soll, nur sehr wenig Einfluß haben.

Washington bleibt für sich.

In Europa vornehmlich Geldintereffen.

London, 7. September. Der britische Bot schafter in den Vereinigten Staaten, Sir Esme Howard, äußerte sich vor der englischen Völker­bundsliga, daß Ainerila dem Völkerbund so­lange fernbleiben würde, bis die Zustände in der Welt ganz anders geworden sind, als sie es heute sind. Washington sei zwar an bestimmten Völle, bundfragen interessiert. Von europäischen Verwicklungen aber werden sich die Vereinigten Staaten auch in Zukunft fern- h alten und ihre Unterschrift unter das Kriegs- verbot bedeutet in keiner Weise, daß sie ir­gendwie die Absicht hätten, ihre traditionelle Politik gegenüber europäischen Angelegenheiten zu ändern.

Wir sehen jetzt klarer.

Wie das Räumungsgeschäst steht. Für An­schluß und Ostlocarno etwas günstiger.

London, 7. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Ein Blatt berichtet aus Genf, man er­warte jetzt, daß die Verhandlungen wenigstens zu einer festen Grundlage führen werden. Ob gleich sie längst nicht so hoffnungsvoll ständen wie vor zwei Jahren in Thoiry, wird jetzt eine geschäftsmäßigere Grundlage hergestellt. Als einen weiteren Gewinn bezeichnet der Korre­spondent die angebliche Erkenntnis, daß die Zu­rückziehung der alliierten Truppen aus dem Rheinland sechs Jahre vor der festgesetzten Zeil nicht erwogen werden könne, ohne einen entspre­chenden Vorteil für die andere Seite etwa in der Art einer finanziellen Vereinbarung durch die die Daweszahlungen endgültig den Gläubi gern Deutschlands sichergestellt werden. Auch müsse die Art und Zeit der Ucberwachung des geräumten Gebietes erörtert werden. Wenn der Gedanke je ernstlich erwogen wurde, Deutschland um eine erneute Verzichtleistung auf eine schließ iichc Vereinigung mit Oesterreich oder um ein Versprechen zu ersuchen, unter keinen Umstän­

den eine Aenderung seiner Ostgrenze zu verlan­gen ,so fei er jetzt aufgegeben worden.

*

Sens hält Müller noch fest.

Berlin, 7. September. (Prtvattelegramm.) Wie verlautet, wird der Reichskanzler noch län­gere Zeit in Gens festgehalren werden, und habe -'s selbst in der Hand, die Sitzung des Par­teiausschusses verschieben zu lassen. Seine Rück­kehr von Genf wird voraussichtlich Mitte der nächsten Woche erfolgen. Auch über Briands Abreise steht noch nichts fest.

Ein Tag der selmllchkeüen.

Genf, 7. September. (Eigene Drahtmeldung., Reichskanzler Müller erwiderte gestern den Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Sei­pel. Staatssekretär von Schubert konferierte mit dem ungarischen Außenminister. Letzterer hatte auch Unterredungen mit Bundeskanzler Seipel, dem holländischen und tschechischen Au­ßenminister und dem japanischen Ratsmitglied. Die Steine ©ntente hatte eine Zusammen­kunft bei den jugoslavifchen Delegierten.

300000 Franc für den M.nlsterlvd.

Paris, 7. September. Wie erst jetzt bekannt wird, hatte der Unterdirektor der Luftverkehrs­gesellschaft, der zusammen mit dem französischen Handelsminister tödlich verunglückte, Bokanows- ky ohne dessen Wissen für den Flug mit drei hunderttausend Franken versichert.

Auf eigene Faust.

. . . sucht Zaleski Litauen zu ködern.

Paris, 7. September. Eigener Drahtbericht.)

Ein Genfer Mitarbeiter veröffentlicht eine Erklärung des polnischen Außenministers Za­leski, die an die alte Freundschaft Polens für das litauische Volk erinnert. Er schlägt unmit­telbare Verhandlungen zwischen Polen und Li­tauen vor. Wilna sei etnographlsch gesehen eine im Wesentlichen polnische Stadt (?) und sei von Polen aus den Händen der Sowjets befreit worden. Durch den Beschluß der Botschaf­terkonferenz sei diese Stadt Polen zuge sprachen worden. Der gute Wille zur Verstän­digung ermögliche es leicht, ein Abkommen zu erzielen. Interessierte Elemente versuchten jedoch, den Streitfall zu verewigen.

Belgien kann nicht vergeffen.

Die deutsche Kinderburg am Strand als rotes Tuch. Polizei mutz die Unschuldigen vor der Bolkswut schützen.

Berlin, 7. September. Ein Linksblatt meldet aus Brüssel: In dem Badeort Blankenberghe bauten deutsche und belgische Kinder im See­sand eine Festung mit der AufschriftNürnberg" Aus Einspruch eines Belgiers wurde diese In­schrift sofort entfernt. Inzwischen hatte ein Knabe die belgis che Flagge auf die Festung gepflanzt. Als ein deutsches Mädchen die Fahne entfernte, erhoben die belgischen Zuschauer ein lautes Geschrei. Man bewarf die deutschen Kin­der mit Sand und veranlasste fünfzig belgische Kinder die Festung sozusagen im Sturm zu neh­men. Die Polizei mutzte schlietzlich die deutschen Kinder unter ihrem Schutz in das Hotel beglei­ten. Hunderte von erwachsenen Belgiern zogen den Kindern bis vor die Hoteltür schreiend und lärmend nach.

Amun-sen für ewig

Norwegen ruft alle Schiffe zurück und zählt fei nen besten Sohn zu den Toten.

Oslo, 7. September. Nach einer Besprechung im norwegischen Sriegsminifterium wurde au Grund der gefundenen Flugzeugtrümmer end gültig beschlossen, die Nachforschungen nach Amundsen und feinen Gefährten einzustellen. Die Schiffe, die sich an der Suche nach den Ber- schwundenen beteiligten, sollen demnächst zurück berufen werden. Es soll ein Gedenktag feftgelegt und ein Gedenkstein errichtet werden.

öie meinen Gerne nd n flaggen trettotn g.

Berlin, 7. September. Der Staatsgerichtshof hatte bekanntlich entschieden, daß eine gesetzli che Grundlage für eine rechtliche Verpflichtung der kommunalen Selbftverwaltungskörper zum Flaggen nicht bestehe. Darauf hatte der preußi­sche Innenminister feftfteUen lassen, welche Ge­meinden am Verfassungstage die Reichsfarben freiwillig gezeigt haben. Von den 282 Ge meinden im Regierungsbezirk Köln hatten le­diglich sechs es abgelehnt, am Berfaffungs- tage zu flaggen.

Wie London lebt.

Kuriose Käuze am Themseufer.

Tradition und Erziehung. - Vieles anders als bei «ns. Sterne gemütlichen Wirtshäuser. Der Avvetit läßt nichts ,« wünsche« übrig.

Sie male« besser als sie musiziere«.

London, Anfang September.

Völker pflegt man zum Teil nach der Ver­ehrung ihrer Geistesheroen zu beurteilen. Nun kümmert sich zum Beispiel in Westminster Ab­bey von den Tausenden, die dort täglich umher- wandeln, kaum ein Mensch um die schlichten, großen Tafeln auf dem Boden, die uns die Gräber Newtons, der Brüder Herfchel und Darwins anzeigcn. Das wäre bei uns zu Haufe doch wohl anders, zumal wir irrtümlich Dar­win für den Vater der Lehre halten, daß der Mensch vom Assen obstammt. Dagegen zeigen die Themsebürger das größte Interesse an ihren tragischen Geschichtsgrößen und der Verehrerin­nen Maria Stuarts sind Legion. Noch stärker als unsere verwandten Züge mit den Englän­dern sind jedenfalls die Gegensätze, die auf einer zäh festgehaltenen Ueberlieferung und systematischen Erziehung beruhen. Dem Eng­länder ist

fein Haus wirklich eine Burg und felbst die zahlreichen Londoner Klubs ha­ben durch ihre Abgeschlossenheit und ihre Son­derbarkeiten durchaus einen burgartigen Cha­rakter. Ein Wirtshausleben mit Stammtischen wie bei uns in Deutschland ist hier völlig unbe­kannt. Der Engländer hat keine Zeit, stunden­lang in seinen Bierlokalen herumzusitzen. Nicht daß er etwa weniger trinkt, als der Deutsche. Sogar die Bierstatistik spricht gegen den Eng­länder. Aber der Brite trinkt feinAle", ein bitteres Bier, das dem Deutsche» schwerlich mundet, schnell am Ausschank, an derTheke" auf einem hohen Barhocker sitzend, und ver­schwindet bald wieder. Um els Uhr schließen überhaupt alle Bierkneipen. In den KasseeS gibt es kein Alkohol, sicherlich und

überall nicht nach elf Uhr

Selbst in den Hotels ist nach dieser Stunde kein Wein mehr zu bekommen, es sei denn, daß gleichzeitig noch ein Abendessen genommen wird. Der Wohlhabende weiß sich wohl zu helfen, auch die Hoteliers, denn ein Butterbrot kann auch ein Abendessen fein und mitunter läßt ein beträchtlicher Stoß Butterbrote, der vor einem alten Seebären steht, auf einen ganz reich­haltigen Alkoholgenuß fchließen. Aber in den Klubs darf schon nach zehn Uhrkein Al­kohol verabreicht werden und wer in einem Boardinghaus Whisky oder Lagerbier trinken will, muß es sich auf seinem Zimmer persönlich halten. Vor dem Kaffeetrinken in Pensionen und Klubs ist zu warnen, denn hier wird

oufgeroärmter Kaffee verabreicht, wenn nicht ausdrücklich frischer Kaffee verlangt und bezahlt wird. Tas englische Bier mundet nicht und deutsches Bier ist sehr selten. Die Rotweine sind durchgehends gut, wenn auch teuer, aber den Weißweinen gegenüber, den Hocks", den Hochheimern (!), ist Vorsicht am Platze. Dagegen ist der Tee überall vor­züglich. Er wird in zahlreichen Teestuben, von denen die Lyons- und ABC-Lokale die be­deutendsten sind, stets frisch verabreicht. Tas er­ste gründliche Frühstück zwischen acht und neun Uhr besteht aus Haferflockenbrei, Tee, getrocknetem oder frisch gebratenem Fisch, Schin­ken oder Speck und Eiern. Weißbrot und Mar­melade fehlen nicht. Mit dieser Grundlage geht er an die Arbeit. Diese wird gegen eins und zwei Uhr durch ein kräftiges Gabelfrühstück mit Vorspeise, Fisch, Grill und Süßspeise unterbro­chen. Nach des Tages Arbeit folgt um sechs oder sieben Uhr die H a u p t m a h l z e i t, die noch etwas reichhaltiger ist. In Kürze: Es wird hier

recht gut Und reichlich viel gegessen.

London ist ein Eldorado für die hungrigsten Münsteraner. Ein durstiger Dortmunder oder gar ein normaler Münchener wird hier aber sehr bald die Flucht ergreifen. An Unterhaltun­gen und Vergnügungen fehlt es selbstverständ­lich nicht. Die Zahl der Kinos ist aber viel geringer als in Berlin oder den deutschett Großstädten. Sie sind daher in der Regel über­füllt, obwohl die Eintrittspreise teurer sind all bei uns Unbegreiflich ist auch, daß Säuglingi den Kinobesucher noch um 10.30 Uhr belästigen dürfen, ohne daß sich ein Mensch rührt. Ange­nehm ist dagegen, wenigstens für die Raucher daß während der Vorstellung iedcrmann nack Herzenslust qualmen kann. Die Musikhallek