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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kummer 257*

Sonnabend/Sonntag, 1./2. November 1930

20. Jahrgang

Tschechische Hetze gegen Or. Curtius

Wegen Curtius" I^e-e im Auswärtigen Ausschuß / Oer Kanzler in Dresden / Oie Sparmaßnahmen im Reichsetat / Duisbergs Rundfunkrede

Die Rechtsblätter auf dem Kriegspfad

Eigener Drahtbericht.

Prag, 1. November.

Die Erklärungen Dr. Curtius im Auswär­tigen Ausschuß über die Prager Unruhen werden von einem großen Teil der Presse kommentarlos wieder­gegeben. Ein Teil der Rechtspresse greift Dr. Curtius in scharferForm an. Das Blatt des Abgeordneten S t r i b r n y, der wiederholt Minister gewesen ist, schreibt, Dr. Curtius habe sich das Recht eines Schutzherrn über das gesamte Deutschtum zuer- teilt. Die Stellung eines Prager Stadtrates zu der tschechischen Presse, ebenso die Bestätigung der Kunst­stätten seien

innere tschechische Angelegenheiten.

Der deutsche Außenminister tue nicht gut daran, als Minister des Reichs vom Standpunkt des gesamten Deutschtums zu sprechen, denn auch die Hinrichtungen von Frauen und Kindern in Serbien (!) und die Ge­meinheiten des Herrn Mayer aus Graz (M. hatte scharfe Ausdrücke gegen das fahnenflüchtige Prager Hausregiment 28 gebraucht Die Red.) seien Sinn­bilder dieses Deutschtums. Der deutsche Außenmini­ster würde damit die

französischen Staatsminister dächten im Grunde ge­nommen wie er, daß nämlich dieser Teil des Frie- densvertrages von Versailles revidiert werden muffe.

Auch der radikale Abg. Pierre C o t behandelt heute in der »Republique", dem Organ seiner Partei, die Frage der Abänderung der Verträge und tritt für eine Regelung der Korridorfrage ein. Er behauptet, im Kriegsfälle habe der Korridor nickt einmal In­teresse für Polen. Er würde ohne Schwertstreich von Deutschland besetzt werden. Wirtschaftlich dagegen könne er den Deutschen nur Vorteile bringen. Diese Frage sei, wenn man sie kaltblütig prüfe, nicht un­lösbar.

Oie Gauchos erfüllen ihr Gelübde

Reuyork. 1. November.

Wie aus R>o de Janeiro gemeldet wird, ist der F ü h r e r der Aufstandsbewegung V a r g a s am Frei­tag nachmittag an der Spitze seiner Truppen in Rio

eimnarschiert. Eine lOMMköpfige Menschenmenge um­säumte die Straßen und Plätze, durch die er zog. Var­gas wurde von den Behörden feierlich empfangen. Zahlreiche Flugzeuge begleiteten den Einzug. In den Reihen der Einziehenden marschierten die Revolu- tionsführer aus sämtlichen Staaten. Die Gauchos, die wilden Reiter des Südens, die Kerntruppe der Streitkräfte Vargas machten ihr Gelübde wahr, daß sie ihre PferdeamGitter desPräsidenten- palais fest binden würden.

Ausverkauf in -er Eremitage

London, 1 November.

LautDaily Mail' hat die Sowjetregierung mit dem Verkauf der Bildergalerie der Eremitage be­gonnen. Fünf Meisterwerke von eminen­ter Bedeutung seien vor kurzem an eine be­kannte französische Kunsthändlersirma verkauft wor­den, van EycksVerkündigung', Rembrandts Bild­nis Sobieskis, Franz HalsAdmiral", ein van Dyck uno ein Rubens. Der van Eyck ist, wie verlautet, an den amerikanischen Sammler Mellon übergegan­gen. Eine amerikanische Firma verhanoele jetzt über den Ankauf einiger ebenso bedeutender Meisterwerke der Eremitage.

Verantwortung für den ganzen Schund über­nehmen, der sich in der Tschecho slowakei als Deutschtum ausbreite.

Dr. Curtius habe nicht das Reckt zu sagen, der tsche­chische Nationalismus äußere sich nur in Terroristen, rvereinige sich nicht mit der Stellung ves deutschen ^t penministers, daß sein Herz im Dreiviertel- r a. t schlage.

Der nationaldemokratischeNa rod in' bezeichnet die Erklärungen Dr. Curtius als eine Herausfor- derungdes tschechischen Volkes und Staates.

Revision -er Korri-orfrage

Nicht nur Hervs, sondern auch Pierre Cott tritt dafür ein.

Paris. 1. November.

Gustave H e r v s setzt seine Campagne für eine Re­vision des Friedensvertrages von Versailles in seiner Zeitung ,5a Victoire' fort. Gestern trat er für den Anschluß Oesterreichs an Drutsckland ein, und heute sucht er feine Leser von der Notwendigkeit einer Rückgabe des polnischen Korridors an Deutschland zu überzeugen. Er schreibt u. a alle

eg aus -er Krise"

Oer Lndustnettenführer Duisberg über die wirtschaftliche Lage

Berlin, 1. November.

Der

DaS Reichskabinett ist gesonnen auf tnanMoliti- schem Gebiet so rasch wie. möglich Ordnu^-Ai schaf­fen. Natürlich ist ihr Plan noch kein ideales Reform' Werk, sondern nur ein erster Schritt, um Ordnung in den Haushalt, Vernunft in die Wirtschaftspolttik zu bringen. Neben den Steuern.fallen als fixe Prcduk- tionskosten besonders die Lohn - und Gehalts­summen ins Gewicht. Auch ihre Senkung ist nicht mehr zu vermeiden Härten können aber durch gleichzeitiges SinkendesPretsniveaus aus­geglichen werden. Die viel erörterte Kürzung der Arbeitszeit ist ein Mittel, das nicht gene­rell durchführbar ist. Möglichst viele Arbeiter wieder einzustellen, dazu scheint es mir zweckmäßig zu fein, wenn ein freiwilliger Lohn- und Gehalisab- ban die notwendige Selbstkostenlage schafft, die es den Betrieben ermöglicht, die Produktion auszudeynen und so neue Arbeitskräfte wieder organisch emzu- gliedern.

Geheimrat C. Duisberg sprach gestern im Rundfunk über das Thema ,Der Weg aus der Krise'. Er eröffnete damit eine Reihe von Ver­trägen, die namhafte Wirtschaftssuhrer in diesen Tagen auf derDeutschen Welle' über die Wirt­schaftslage halten werden. Geheimrat Duisberg führte u. a. aus:

Ich bin nicht der Meinung, daß es sich bei unse­rer gegenwärtigen wirtschaftlichen Notzeit nur um Zwangsläufigkeiten Handeft.

Die wichtigste Aufgabe ist zunächst, so rasch wie möglich, die Reste der Vertrauenskrise, die noch vorhanden, zu beseitigen. Dies liegt allein in unse­rer Ärafi. Wesentlich schwieriger ist die Ueberwi» dnng des zweiten Krisenelementes: der innerwirt­schaftlichen finanz- und wirtschaftspolitischen Krise.

Appell an Reichsbahn un- Reichspost

Ist ein Avbau -er Tarife möglich?

Daneben ist ein rascher und energischer Ausbau des inneren Marktes ourch Sanierung und Modernisierung der Landwirtschaft und rasche Hilfe für den Osten nach den Vorschlägen des Reichsver­bandes der Deutschen Industrie Voraussetzung. Aber selbst, wenn uns alles gelingt, werden wir zu einer echten und dauerhaften Gesundung nur unter zwei weiteren Voraussetzungen kommen:

th. Berlin, L November.

Im Rahmen der allgemeinen Bestrebungen nach Lohn- und Preisabbau hat sich die Vollver- sammlung der Industrie- und Handels­kammer in Berlin auch mit der Möglichkeit eines Abbaues der Tarife von Reichspost und Eisenbahn beschäftigt. Rach Ansicht der Kammer steht diese Frage angesichts des hohen An­teiles der Beförderungskosten an den gesteigerten Kosten in engem Zusammenhänge mit den gesamten Bestrebungen auf Preisabbau. Deshalb müsse im Interesse einer Belebung der Wirtschaft mit allen Mitteln, selbst unter gewissen Opfern der Reichspost und der Reichsbahn nach einer baldigen Erleichterung auf diesem Wege gestrebt werden. Die Berkehrskom- miffion der Kammer wurde beauftragt, Vorschläge für etwaige Tarifsenkungen auszuarbeiten.

Bei der Reichsbahn liegt zurzeit allerdings ein erheblicher Fehlbetrag wegen des Ein­nahmeausfalles im lausenden Jahre in Höhe von 700 Millionen Mark vor, so daß bei der Eisenbahn zunächst wohl kaum mit Ermäßigungen zu rechnen ist. Günstiger liegen die Dinge bei der Reichs­post, aber auch hier ist «S zurzeit noch fraglich, ob die infolge der allgemeinen Wirtschaftsdepression ein­getretenen Einnahmeruckgänge eine allgemeine Tarif- fenkung gestatten.

3m Zeichen der Sparsamkeit

Einzelheiten aus dem neuen Reichseiat.

th. Berlin, 1. November.

Aus dem neuen Reichsetat, der nunmehr oem Relchsrat überwiesen worden ist, teilt der »De­mokratische Zeitungsdienst' einige tntereffanie Ein­zelheiten mit. Die Voranschläge für den Etat des Reicksmtnifteriums, des Reichskanzler, und der Reichskanzlei sehen eine Ersparnis von rund einer Million Mark vor. Dieser Posten ist insofern recht beträchtlich, als der Zuschuß des ordentlichen Haushalts für diese drei Posten über Haupt nur 2,5 Millionen beträgt Die Dispotions-

scmds, die dem Kanzler bisher in Höhe von 200 000 Mark zur Verfügung standen, sind um 10 Prozent gekürzt worden. Bemerkenswert ist, daß künftig die

bisherige Vertretung der Reichsregierung in München wegfallen

soll. Sie wird mit dem 1. April des nächsten Jahres aufhören zu existieren. Der Gesandte des Reichs in München, der frühere Staatssekretär von Ha­ntel wird einstweilen in den Ruhestand versetzt werden. Weiter wird die

Arbeit der Reichszentrale für Heimatdienst vor- übergehend wesentlich eingeschränkt.

Fwfolge der Kürzung der Gehälter um 20 Prozent bezieht der Reichspräsident nunmehr noch 48 000 M. Gehalt und 120 000 Mark Aufwandsgelder.

Im Haushalt des Reichstags sind die Auf- watcksenlfchädtgungen für die Mitglieder des Reichstags auf 4 083000 Mark festgesetzt worden gegenüber 4255000 Mark im Vorjahre. Die Eni- chadigung an die Eisenl'ahn für die Freifahrt der Reichstaasabaeordne^en bat sick infolge der Ver­mehrung der Zahl der Abgeordneten auf rund 15 Millionen Mark erhöht, während sie bisher 1Z8 Mill. Mark beirug.

Oie Arbeitszeit bei -er Reichsbahn

Berlin. 1. November.

Die Tariforganifationen der Eisenbah­ner verhandel» mit der Reichsbahithaliptveiwaltung über eine andere Gestaltung der Arbeitszeit verschie­dener Arbeitergruppen. Da noch nicht ersichtlich ist, ob es in freien Verhandlungen zu einer Einigung kommt, da die Organisationen übereinstimmend eine Herabsetzung der Arbeitszeit verlangen, kündig- ten sie zum 30. November die Bestimmun­gen über Arbeitszeit und Ueberarbeits- z e i t im Tarifvertrag mit besonderem Schreiben an die Reichsbahnhauptverwaltung.

1. Ausschöpfung aller Rrvisionsmöglichkeften des Noungplanes und Senkung von dieser Sette her.

2. Sicherung einer Exportbasts, nm die gesteigerte Produktion unterbringen zu können.

Unsere Lage macht es zur Pflicht, alle Möglichkei­ten auszuschöpfen, um zu gegebener Zeit auf lega­lem Wege zu einer neuen "Diskussion über die Repa- rattoussrage zu kommen Es wird Aufgabe einer vielbewußten Außen- und Wirtschaftspolitik fein, alte Möglichkeiten, die für uns im mitielcuro- päifchen Raum gegenwärtig gegeben sind, sorg­fältig zu prüfen, um im geeigneten Moment die Ini­tiative zu ergreifen.

Brüning in Ores-en

Schwierigkeiten bei den Reichsratsverhandlungen?

th. Berlin, 1. November.

Mit dem Staatsbesuch, den der Reichskanz­ler und der Reichsfinanzminister heute in Dres­den der sächsischen Regierung abftatten, wird gleich­zeitig eine Besprechung über den Etat und das finan­zielle Reformprogramm der Reichsregierung verbun­den sein. Damit finden die Vorbesprechungen, die die Reichsregierung mit den Länderregierungen über diesen wichtigen Fragenkomplex geführt hat, ihren Abschluß.

Die Beurteilung über den Verlauf der Reichs­ratsverhandlungen ist sehr verschieden. Wäh­rend von offiziöser Seite die Auffassung vertreten wird, daß die Verhandlungen im Reichsrat sich rei­bungslos gestalten würden, hört man aus den Krei­sen der Länderregierungen, daß sich schon aus den Vorbesprechungen eine Menge Schwierigkeiten ergeben haben und daß in den Reichsratsverhandlun­gen zweifellos eine ganze Anzahl schwerwiegender Abänderungen des finanziellen Re- formprogramms der Regierung vorgeschlagen und voraussichtlich beschlossen werden.

Der Reichsrat wird am nächsten Dienstag seine Beratungen mit ein-r öffentlichen Sitzung eröffnen, in der wahrscheinlich der Reichskanzler und der Reichs inauznnnifter zur Begründung der Regie- rungsuor ' das Wort nehmen werden.

Kasperletheater

W. P. Im Anfang war das Wort:. . . Austausch angemessener Bürgschaften dafür, daß die Rüstungen der Völker auf das niedrigste, mit der inneren Sicher­heit zu vereinbarende Maß herabgesetzt werden . . . Es wurde von dem amerikanischen Präsidenten Wil­son am 8. Januar 1918 im Kongreß gesprochen, und es war der vierte unter jenen vierzehn Punkten, die nach seinem Willen der Menschheit als Leitsterne auf dem Wege zum Frieden voranleuch- ten sollten. Bei dem Sollen ist es geblieben; diege­fährlich abgefeimt .t Zauberer", mit denen der Ame­rikaner ein Dutzend Monate später in Paris am Ver­handlungstische saß, haben dem kranken und Willens­schwächen Mann bas Konzept gründlich verdorben. Die Wilsonschen Programmpunkte verschwanden einer nach dem anderen aus der Diskussion, und was nicht fortgezaubert werden konnte, wurde doch wenigstens in. feinem Sinne umgebeutet unb verfälscht. Merk- roürbig also, baß bet Gedanke bet allgemeinen Abrüstung, ben Wilson zum vierten Punkte sei­nes Programmes gemacht hatte, überhaupt zu bem Wenigen gehört, was aus seiner Ibeenwelt in ben Versailler Vertrag übernommen worden ist. Gewiß nicht ohne Kampf, gewiß nicht ohne Widerrede eines Elemenceaus unb seiner willfährigen Assistenten. Das verrät bie vorsichtige Formulierung bes Artikels 8 bet Völkerbunbssatzung unb bet Präambel zum fünf­ten Teil bes Versailler Vertrages deutlich genug. Aber trotz aller Vorsicht unb Zurückhaltung bet Väter bes Versailler Vertrages: Diese Bestimmungen geben boch Deutschland einen einwandfreien Rechtsanspruch auf allgemeine Abrüstung. Selbst Glemenceau hat in feinet Note vom 16. Juni 1919 bestätigt, daß die deutsche Abrüstung ben ersten Schritt zu bet allge­meinen Herabsetzung unb Begrenzung ber Rüstungen barstelle, unb baß es eine ber ersten Auf­gaben des Völkerbundes sei, biefe Herab­setzung ber Rüstungen burchzuführen.

Eine ber ersten Aufgaben! Ein Wort, bem bie Taten nicht gefolgt stnb. lieber rund ein halbes Dutzenb Tagungen hat sich bie vorbei eitenbe Abrüftungskommission bes Völkerbunbes nach ben Regeln bet Genfer Anstanbslehren hinweg­geschleppt. An allem, was irgenbroie vetbächtig war, daß es bie Abrüstung tatsächlich förbern könne, ist sie mit ängstlicher Scheu Dorübergegangen, um so eifri­ger aber wat sie batauf bebacht, sich unb ber über­geordneten Institution, bet sie ihre Existenz verbankt, bas Dekorum bes schönen Scheines, ben Anspruch, Hüterin bet Ideale zu sein, von benen' in ben Satzungen bes Völkerbundes Erbauliches zu lesen ist, zu wahren. Auf ber Bühne würbe Abrüstungsfreu- bigkeit gemimt, währenb man hinter ben Kulissen tätig wat, um bie Bemühungen bet wenigen ehrlichen Befürworter bet Abrüstung abzubremsen unb zu hem­men, unb ber große Spötter Bernhard Shaw hatte nicht so unrecht, wenn er bie Genfer oorbereitenben Abrüstungskonferenzen einmal bas Kasperle­theater der Diplomaten" nannte. Die Sichet- heitsfrage wurde als Barrikade aufgerichtet; Denk- chriften wurden ausgearbeitet, Unterkommissionen wurden eingesetzt, unb militärische Sachverständige wurden für Aufgaben berufen, die ihnen, um ein Wort bes deutschen Delegierten Grafen Bernstorfs an« zuwendcn, ebenso unsympathisch sein mußten, wie ben Schuhmachern bie Abschaffung bet Schuhe sein würbe. Schließlich würbe auch bas Mittel ber Vertagung nicht selten unb zwar immer bann angewendet, wenn die Saboteure ber Abrüstung keine Neigung mehr verspürten, sich ben Kopf noch länger um bie Erfin­dung neuer Verschleppungsmethoben zu zerbrechen. Das eine Ziel ist von ihnen jebenfalls erreicht wor­ben: Die Abrüstungsverhanblungen, bie eineber ersten Aufgaben bes Völkerbundes" fein sollten, sind in ben zehn Jahren um kaum einen Schritt vorwärts- getommen.

Zum 6. November ist bie vorbereitende Ab­rüstungskommission erneut einberufen worben, unb Zwar zum letzten, zum unwiberruflich letzten Male, wie es in ben Waschzetteln, bie aus Genf an bie internationale Presse verschickt würben, hieß. Bis vor kurzem klangen bie Prophezeiungen ber poli­tischen Wettetmacher wenig erfreulich. Unb mit Recht! Denn zweifellos hatte sich gerade in bem Lanbe, bas stets ber allgemeinen Abrüstung ben tätksten Widerstand entgegengesetzt hatte, hatte sich in Frankreich bie abrüftungsfeinbliche Ptimmurg während der letzten Wochen, die unter Einwirkung bf italienisch-französischen Spannung und ver deutsche.. Wahlen standen, noch erheblich verschärft. In dem Worte Sicherheit liegt nun einmal, wie Friedrich oieburg in seinem BucheGott in Frankreich?" sagt, ganz Frankreich. Es beherrscht bas innerpolitische Leben ber Franzosen, für bie bas alte Rentnerideal an Zugkraft noch nichts verloren hat, unb in seinem Zeichen steht auch bie französische Außenpolitik. Del Blick Frankreichs ist nach rückwärts gewendet; es ;e bei Hauptnutznießer des Versailler Vertrages, nutz e*_