Einzelbild herunterladen
 

Hummer 136*

Sonnabend/Sonntag, 13/14. Ium 1931

21. Jahrgang

Die deutsche Lage im Ltrteit Englands

Brüning aus Neudeck zurückgekehrt / Oie Reichsbank greift ein / Ooumers Amtsantritt / Schweres Verkehrsflugzeug-Ltnglück bei Saarbrücken

Vollmachten für Brüning?

Der Stein im Rollen

(Von unserer Berliner Schrift Leitung.)

ent;

London und die Dikiaiurgeruchie

(Eigene Drahtmeldung.)

der Unsicherheit andauern sollte, rechnet das Blatt jedoch damit, daß der Abfluß von Kapitel und die Verminderung der ausländischen Kredite ihren Fort­gang nähmen. Es stellt zum Schluß fest, daß letzten Endes die Lösung des Reparationsprob­lems über alles entscheiden werde.

neitciV:*u beladenen Voltes ihre Nabrunp erhält. Während^.ich irtt Haupttamps noch, auf »er legalen Ebene abspielt, während die Auseinandersetzungen noch um die Reichstagseinberufung, die Umbildung 'des Aabinettes und die Abänderung der Notverord­nung gehen, suchen andere skrupellose Elemente be­reits den Streit auf die Straße hinauszutragen, und nichts wäre verkehrter, als wenn man die Ge­fahren, die sich da auf tun, bagatellisieren würde. Eine unerträgliche Spannung liegt Wer dem deut­schen Volke, dessen materielle Sorgen längst die Grenze des Erträglichen überschritten haben, und dessen Not durch die Tatsache gekennzeichnet wird, daß jeder fünfte Arbeitsfähige heute arbeitslos ist. Auch hier ist ein S t e i n i m R o l l e n, und in einer Zeit, in der die schicksalhafte Verflechtung der Jnnen- und der AußenpoUtik sichtbarer denn je ist, wird

W. P. Als die deutschen Gäste den Wochenend­sitz, des englischen Premiers verlassen hatten, gab ein großes Londoner Blatt der Erwartung Ausdruck daß der Stein ins Rollen gebracht sei, und daß die Zusammenkunft von Chequers nur das erste Glied in einer Kette von internationalen Besprechun­gen fein werde, auf denen die großen Fragen, die Deutschland, Europa, ja die ganze Welt angingen, weiter beraten und zur Lösung reis gemacht wür­den. Die Diskussion hat begonnen darin hat die englische Zeitung zweifellos recht behalten, aber die Bahn, auf der der Stein weiterrollen wird, ist noch nicht zu übersehen, und er rollt langsam, dieser Stein, sehr langsam. Er begegnet daüernd Wider­ständen, und wer will mit Gewißheit Voraussagen, ob 'er diese Hemmungen Werwindet, oder ob er vor | ihnen liegen bleibt. Vor allem jedoch: An dem glei- | chen Tage und säst zur gleichen Stunde, als der Reichskanzler und der Außenminister durch das Häusermeer der City hinausfuhren in die grüne Wiesenlandschaft, die Loudon wie ein Kranz um­gibt, hat eine andere nicht weniger bedeutfame Ent­wicklung starken Austrieb erhalten. Das ist jene innerpolitische, in Deutschland durch die Verkündung der Notverordnung angetriebene Bewegung, die aus der Enttäuschung, der Verbitterung und der Verzweiflung eines gequälten, eines mit immer I

würde. Frankreich wird immer Barrikaden bauen, wenn sich der Revistonsgedanke zum Vormarsch an« schickt, und es wird aus seiner golbgefegneten Po­sition heraus auch manchen Gegenangriff ansetzen. Weit uneinheitlicher ist schon die Stimmung in Eng­land; offenbar wächst hier das Verständnis Pir die I deutsche Notlage, aber es ist doch immerhin bezeich­nend, daß ein für das englische Denken so typisches Blatt wie dieTimes" immer noch recht ironische Töne anschlägt, wenn sie sich mit diesem Fragen­komplex beschäftigt. Die Verantwortlichen von der Downingstreet hüllen sich denn auch als kluge und weise Leute in Schweigen, und von Maodonalds Haltung im Unterhause hätten selbst die Männer, die als große Schweiger in die Geschichte eingegan­gen sind, lernen können. Als Gewinn von Chequers bleibt also eine wohltemperierte freundschaftlich« Gesinnung, deren praktische Auswirkungen erst noch I abzuwarten sind.

Und Amerika? Erfreulicherweise hat ht der I letzten Zeit die zunächst kleine Schar derer Zuzug er­halten, die, wie der ehemalige Botschafter Houochton I erkennen, daß Deutschland an der Grenze des Mög- I lichen angelangt sei, und die aus dieser Erkenntnis I den Schluß ziehen, daß auch die Vereinigten Staaten I ihrenBeitrag zu einer Hilfsaktion für Deutschland zu leisten" hätten. 'Das amtliche Amerika aber, das die Frage der deuffchen Tribute stets im Zusammen­hänge mit dem allgemeinen Schuldenproblem eine Verquickung zweier Fragen, die auch für uns ihre Gefahren hat und zwar vor allem deshalb, weil die ehemaligen Alliierten uns nur gar zu gern das Herausholen der Kastanien aus dem amerikanischen Feuer überlassen möchten sieht, übt sich in Zurück­haltung. Noch vor einigen Wochen hat Herbert Hoover sich dahingehend geäußert,nach der Ansicht amerikanischer Sachverständiger sei Deutschland durch­aus fähig, die gegenwärtigen Lasten noch solang« weiter zu tragen, bis man übersehen könne, ob seine Schwierigkeiten wirklich aus die Reparationen und nicht auf die Weltwirtschaftskrise zurückzusühren feien". Das ist beinahe so, als ob ein Arzt einem Schwerverletzten sagen würde, er werde mit der Be­handlung warten bis er festgestellt habe, welche Ver­letzungen, der Beinbruch oder die Rippenverletzung, sich am schlimmsten auswirken werde. Inzwischen ist ja nun freilich Herr Stimson zu einerPrivat­reise" nach Europa ausgebrochen, und sein Kollege Mellon hat sich gleichfalls zu einer noch privateren Reise nach dem alten Kontinent eingeschisft. An­scheinend hat die Reichsregierung diesen Stimson- Besuch bereits in ihre Rechnung mit einbezogen. Aber man tut doch gut, sich vor Optimismus zu hüten, zumal die amerikanischen Staatsmänner die Behandlung der deutschen Frage anscheinend noch dadurch komplizieren werden, daß sie an sich ein ver­ständiger Gedanke die Reparations- und Schul­denzahlungen auch in Verbindung mit dem Ab- rüstungsproblem zu setzen gedenken.

So offenbart sich also alles in allem wieder ein­mal, daß in der Welt viel Verstand, aber we­nig Vernunft ift. Ter Verstand hat einen engen Horizont, er sieht nur das Nächstliegende, den augenblicklichen Vorteil; die Vernunft aber blickt in die Weite und in die Tiefe, sie erkennt Ur­sachen und Wirkungen, sie überschaut die großen Zu­sammenhänge. Säße die Vernunft im Regiment, so würde man in Paris und anderswo die deuffchen Notrufe nicht spöttisch lächelnd mit der Bemerkung: Es, wird schon nicht so schlimm fein* abtun, sondern

alles davon abhängen, ob die innerpolitische Span­nung durch außercholitische Erfolge rechtzeitig ge­mildert wird.

In dem Aufruf, der bei der Veröffentlichung der Notverordnung erlassen wurde, hat die Reichsregie­rung, vorsichtig zwar, aber immerhin deuffich genug, auf die Notwendigkeit einer N e u a u f r o l lu ng der Reparationsfrage hingewiefen, und bie deuffch-englischen Besprechungen von Chequers. mag sonst auch von ihrem Ergebnis enttäuscht fein, wer große Erwartungen hegte haben, wie gesagt, ein übrigens getan, um dieses Thema nunmehr auch im AuslaWe zur Aussprache zu stellen. Diskuffert wird also, und die Organe der öffentlichen Meinung sind überall voll von diesen Erörterungen! Wenn man aber versucht, Land für Land eine Bilanz auf­zumachen, dann sicht man sich bald zu dem fausti- fchen Geftändnis genötigt:Da stech' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor..."

Ziemlich eindeutig freilich ist das Urteil Frank­reichs, und wenn B r i a n d, der schlaue Fuchs, der sich jetzt wie ein kleiner Pennäler kurz vor Ostern eifrig um Verbesserung der Zensuren bemüht, vor der Kammer den Boungplan als etwas Endgültiges und Unabänderliches hinstellte, so tat er das gewiß aus der Ueberzeugung heraus, daß er mit dieser Er­klärung den Beifall der überwiegenden Mehrheit des

Ooumers Einzug ins Elyfee

Revirement in der feranzösifchen Diplomatie.

Paris, 13. Juni.

Am heutigen Sonnabend, um 14 Uhr 30 tritt der bisherige Staatspräsident Doumergnes nach sieben­jähriger StaatspräfiSentschaft in den Ruhestand und übergibt das höchste Amt der französischen Republik seinem Nachfolger D o u m e r.

«Gohlfah^is-Erwerbslosenzahl nicht gesunken!

Berlin, 13; Juni,

Rach der Erhebung des Deutschen Städtetages be­trüg die Zahl der vom Arbeitsamt anerkannten Wohlfahrtserwerbslofeu in den Städten von über 25 000 Einwohnern (bie zusammen über 25 Millionen Einwohner haben) am 31. Mai 1931 722 000 gegen 717 000 Ende April. Dazu kommen 30 000 Unter­stützte, deren Anerkennung als Wohlfahrtserwerblose noch aussteht, bzw. vom Arbeitsamt abgelehnt wird. Bon den genannten Städten wurden somit am 31. Mai insgesamt 752 000 Erwerbslose laufend unterstützt. Bon den Wohlfahrtserwerbslosen Ende Mai erhielten 68 000 Fürsorgearbeit.

London, 13. Juni.

Die Lage in Deutschland und ihre weitere Entwicklung wird von der englischen Presse mit Auf­merksamkeit verfolgt. In den Berichten der Berliner Korrespondenten wird zwar kein Hehl daraus ge­macht, daß die Verhältnisse fchwierig sind, insbeson­dere wird das Zunehmen der Straßentumulte stark beachtet, trotzdem werben die Dinge nur registriert und keineswegs sensationell aufgebauscht.

ImDaily H e r a I b finben bie in Deutsch­land umgehenden Gerüchte über Diktaturpläne, die von der Schwerindustrie ausgehen und bie Nie- berwerfung ber Gewerkschaften zum Ziele haben sol­len, viel Beachtung.News Cbronicle" schließt einen längeren Bericht mit ber Bemerkung, wenn auch bie Nachricht einiger Berliner Abendzeitungen, baß bie Flamme des Bürgerkriegs sich übet bas Laub ausbreitet, übertrieben sei, so trügen boch viele ber so häufig auftretenben Zwischenfälle einen ern­sten Charakter.

DerT i m e s"-Korresponbent schreibt: Die poli­tischen Schwierigkeiten seien ber Volkspartei zuzu­schreiben. Wenn sie auch angesichts ber allgemeinen Lage außergewöhnlich ernst seien, so dürsten sie doch in der üblichen Weife gelöst werden. Des Kanzlers Festigkeit werde allgemein als bas richtige Mittel angesehen, um mit ber Situation fertig zu werben.

Financial News" stellt fest, daß die finan­zielle Lage Deutschlands gestern in der Londoner City das Hauptgesprächsthema gebildet habe. Das Blatt registriert auch die Tatsache, daß die in Berlin in Umlauf gesetzten Gerüchte über einen angeblichen Rücktritt der Regierung Brüning Kurseinbußen der deutschen Anleihen in London herbeigeführt hätten. Es sei offensichtlich, so schreibt das Blatt weiter, daß die Reichsbank keine Anstrengungen spare, um selbst auf Kosten einer beträchtlichen Verminderung des Goldbestandes die Stabilität der Währung aufrecht- zuerhalten. Biel hänge davon ab, ob während der nächsten zwei oder drei Wochen eine wirkliche Besse­rung der politischen Situation eintrete. Was die innere Lage anlange, so bestehe kein Grund zur Be­sorgnis. Für den Fall, daß der gegenwärtige Zustand

Kasseler Neueste Nachrichten

bank zufammentreten, und es steht bereits fest, daß in dieser Sitzung eine Diskonterhöhung u m mindestens 1 Prozent (möglicherweise sogar bis zu 2 Prozent) beschlossen werden wird. Damit ergreift eie Reichsbank energische Maßnahmen gegen die Entwicklung am Devisenmarkt, die gestern vazu geführt hat, daß nicht weniger als 200 Millio­nen Mark Devisenkäufe getätigt wurden, nachdem bereits in den letzten Tagen sehr erhebliche Käufe zu verzeichnen waren. Wie in den Börsen­blättern mitgeteilt wird, dürste ber Zentralausschuß ber Reichsbank, s--"s eine solche Diskonterhöhung von 1 bis evtl. 2 Prozent nicht genügen sollte, auch vor schärferen Waffen, also insbesondere vor K r e» bi tre ft ritt ton en nicht zurückfchrecken. Man nimmt an, daß diese Entwicklung der Wirtschaftslage bie Haltung ber in Frage fommenben Fraktionen doch noch stark beeinflussen wird.

Brüning wieder in Berlin

Berlin, 13. Juni.

Wie wir erfahren, ist Reichskanzler Dr. Brüning heute früh von seinem Besuch beim Reichspräsidenten in Neudeck wieder in Berlin eingetroffen.

Verkehrsflugzeug abgestürzt!

Bier Tote.

Saarbrücken, 13. Juni.

Heute morgen gegen 8.30 Uhr ereignete sich bei Saarbrücken ein schweres Flugzeugunglück, dem vier Personen zum Opfer gefallen find. Die Maschine, ein Dornier-Merkur-Flugzeug, die den Dienst zwischen Saarbrücken und Köln ver­sieht, ist heute morgen wegen dichten Nebels mit einer Verspätung von etwa einer halben Stunde ge­startet und kurz nach dem Ausstieg, nachdem sie sich in einer Höhe von ungefähr 50 Metern befand, hinter der in St. Arnual, ganz nahe am Flugplatz gelegenen Landjäger-Kaserne abgestürzt und verbrannt. Zwei Passagiere, der Pilot, sowie der Bordmonteur find in den Flammen umgekommen. Die Ursache des Unglücks ist bisher noch nicht sestgestellt worden.

Die Toten find die beiden Passagiere Fromm und Weigel sowie der Flugzeugführer Weichary und der Flugmaschineujunker Kampfmeyer.

wt-hl auch des Volkes

Hessische Abendzeitung

78 rnm breite Zeile 45 4. Ofiertgebübr 25 4 «bei Zustellung 85 4). Für baS Ers-U nenn °n Anzeigen in beftimmten Ausgaben, an besonderen Plätzen und für teleohonifch erteilte Aufttäge keine GemLb? Ne<i^ nungsbetrage innerhalb vo» 5 Tagen zahlbar. Gerichtsstand Kassel. Postscheckkonto Frankfurt" a. M. 6384

th. Berlin, 13. Juni.

Der Reichskanzler trifft heute vormittag von seinem Besuch in Neudeck beim Reichspräsiden­ten von Hindenburg wieder in Berlin ein. Man nimmt an, daß er bei diesem Besuch alle erforder­lichen Vollmachten vom Reichspräsidenten er­halten haben wird, die er für bie Weiterführung seines politischen Kurses braucht. Eine kurze amt­liche Notiz besagt nur, daß der Kanzler mit dem Reichspräsidenten die politische Lage durchgesprochen hat, aber man hält es hier für selbstverständlich, daß bei dem Besuche auch alle Eventualitäten erörtert worden sind, die sich in den nächsten Tagen ergeben können, und daß der Reichspräsident dem Kanzler auch diesesmal wieder sein volles Vertrauen für die Weiterführung der Politik ausgesprochen hat.

Der Kanzler wird im Laufe des heutigen Tages zunächst die Besprechungen mit den Vertretern der Fraktionen fortsetzen und zwar sind für heute Empfänge der Christlich-Sozialen, der Staatspartei und der Wirtfehastspartei vorgesehen. Morgen wird der Kanzler in Hildesheim an der Sitzung der Zentrumsfraktion teilnöhmen, und erst am Montag wird er eine neue Unterredung mit dem Führer der Dolkspartei, dem Lkbgeordneten D i n- gelde h.haben. Bis zum Dienstag hat die Frak­tion noch ausreichend Zeit, sich über ihre Stellung­nahme zur Frage ber Einberufung des Reichstages klar zu werden. Inzwischen liegen aus dem Streife ber Parteien zwei neue Kundgebungen vor.

Dor langwierigen Verhandlungen

Die sozialdemokratische Reichstags­fraktion hat gestern nach mehrstündiger Beratung einen Beschluß gefaßt, in welchem sie sehr scharfe Kritik an der Notverordnung übt und mit großem Nachdruck die Abänderung dieser Verordnung ver­langt. Sie sagt aber, daß sie ihre Enscheidung von den Vereinbarungen ihrer Fraktionsführer mit dem Kanzler abhängig mache, und daß sie erst am Dienstag vormittag sich über ihre Stellung­nahme im Aeltestenrat schlüssig werden will. Aus dieser Fassung der Resolution geht bereits hervor, daß darin trotz des scharfen Wortlauts keine wirk­liche Drohung liegt.

Die Verhandlungen, die der Kanzler mit den Ver­tretern der Parteien über die möglichen Abände­rungen der Notverordnung führt, werden sich wo­chenlang, ja vielleicht fogar monatelang ausdeh- nen, da es sich um eine sehr schwierige und kompli­zierte Materie handelt und da die vorliegenden Wünfche einander stark widerfprechen und gegen­einander abgewogen werden müssen.

Die Sozialdemokraten können also bis zum Dienstag vormittag unmöglich feststellen, wie weit der Kanzler geneigt ist, ehren Wänderungswünschen nachzukommen. Inzwischen erwartet man mit aller Bestimmtheit, daß die Sozialdemokraten nach wie vor gegen eine Einberufung des Reichstages stim­men werden. Auch ein Erläuterungsartikel ihres Fraktionsvorsitzenden Dr. B r e i t f ch e i d läßt ähn­liche Schlüsse zu.

Rückzug der DDP ?

Die zweite Kundgebung ist vom Reichsaus­schuß der Deutschen Volkspartei erlas­sen worden anläßlich einer Versammlung der Lan- desverbandsvorsitzenden und Parteibeamten dieser Partei. Diese Sitzung fand im Anschluß an die Frak­tionssitzung vom Donnerstag abend statt, aber es ist bemerkenswert, daß der Reichsausschuß sich darauf beschränkt hat, dem Parteivorsitzenden Dingeldey das Vertrauen auszusprechen, daß er aber vollkommen davon Abstand genommen hat, sich irgendwie mit dem Beschluß der Fraktion vom vorangegangenen Abend zu identifizieren.

Man sckstießt daraus, daß im Reichsausschutz ebenso wie es ja auch in der Fraktionsfitznng der Fall war, sehr geteilte Meinungen über bte Zweckmäßig­keit einer Reichstagseinberufung bestehen, und man spricht sogar bereits von der Möglichkeit, daß der Beschluß der Fraktion, der ja nur mit 15 gegen 13 Stimmen gefaßt wurde, eventuell wieder rückgängig gemacht werden kann.

Oie ReichsSank greift ein

Sollte die Volkspartei bei ihrer bisherigen Stel­lungnahme bleiben, so würde die Entscheidung des Aeltestenrates bei der Landvolk-raktion liegen. In­zwischen hat die Börse, bereits aus vie Möglichkeit des Ausbruchs einer Regierungskrise bei vorzeitiger Ein­berufung des Reichstags reagiert. Bisher hat die Reichsbank noch von Maßnahmen abgesehen, aber heute wird der Zentralausschuß der Reichs­

Kasseler Abendzeitung

Äi! ®

meinumnter 6800. Zurniische L-vrechitunden Dienstag und Kreitags 1710 Ubr Kölnische Strane 10. 1