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Kasseler Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 210*

D'enStao S. Gepi-mber 1031

21 Jahrgang

Preußen will 150 Millionen Mark einsparen!

Oie finanzielle Auswirkung des Sparprogramms / Oie Abänderung der Juni-Verordnung? / Macdonald hofft auf ein Vertrauensvotum

Kanzler und Sozialdemokratie

(Von unserer Berliner Schriftlettung).

Genfer Galerie

Von RenL Kraus.

th. Berlin, 8. September.

lieber das finanzielle ErträgniS der von der preu­ßischen Staatsregierung für Preußen und seine Ge­meinden in Aussicht genommenen Sparmaßnahmen hört man, daß Einsparungen im Betrage von rund 15080o Millionen Mark vorgenom­men werden sollen. Davon entfallen auf die Volks­schulen, bezw. ihre Lehrer durch Kürzung der Siel lenzulagen rund vierzig Millionen Mark.

*

Nach längerer Pause fand gestern wieder eine B e° r a r u n g des Reichskabinetts statt, in der eine Reihe aktueller Fragen zur Beratung kamen. Beschlossen wurde der Erlaß einer Verordnung, durch die das Verbleiben der ausländischen Kredite in Deutschland weiterhin gesichert wird. Diese Verord nung ergänzt zunächst die bisherige Devisengesetz­gebung in der Weise, daß bis zum endgültigen Ab­schluß der Stillhalreverordnung auch keine Sicher­heiten an ausländische Gläubiger ohne Zustimmung der Reichsbank gegeben werden dürfen. Diese Be­stimmung dient ebenso wie die früheren Vorschriften dazu, die Auslandsgläubiger, die freiwillig die Still­halleaktion mirmachen, nicht schlechter zu stellen als solche ausländischen Banken, die sich bisher zur Still­halteaktion nicht bereit gefunden haben. Eine weitere Vorschrift der Verordnung ermächtigt die Reichs­regierung, nach dem Zustandekommen der Stillhalle­verträge alle Maßnahmen zu treffen, die der Ver- trägsdurchführung dienen.

Das Reichslabinett hat sich dann mit einem vom Reichsfinanzministerium ausgearbeiteten Plan be­schäftigt, Arbeitslose in größerer Zahl als Siedler einzusetzen. (Siche Seite 2!).

(Eine weitere Frage der Arbeitslojenversorgung während der Wintermonate ist in einer Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den Führern der sozialdemokratischen Partei erörtert worden. Bekanntlich haben die Sozialdemokraten eine

Änderung der Juni-Noiverordnung

dieses Jahres verlangt, in der für jugendliche Er­werbslose usw. gewisse Härten enthalten waren. Ur­sprünglich war das Kabinett, vor allem aus finan­ziellen Gründen, der Auffassung, daß eine Milderung kaum möglich sei.

Bis zur Höhe eines Betrages von 85 Millionen ist jetzt aber in den gestrige» Besprechungen der Weg zu einer Milderung gefunden morden.

Dieser Betrag soll aber nicht nur zugunsten einer Milderung der Vorschriften über die Erwerbslosen­fürsorge benutzt werden, sondern auch zur Regelung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Eemeindearbeiter sowie bestimmter Kategorien von Kriegsbeschädigten dienen.

Das Ergebnis dieser Verhandlungen beschäftigte gestern^ nachmittag den Vorstand der sozialdemokrati­schen Fraktion des Reichstages, der die Haltung sei­ner Vertreter billigte. Heute nachmittag wird nun die Sitzung der sozialdemokratischen nicht nur zu den Ergebnissen der langwierigen Ver- Reichstagsfraktion stattfinden. Sie wird nicht nur zu den Ergebnissen der langwierigen Ver­handlungen bei der Reichsregierung Stellung nehmen, sondern sich auch mit der künftigen Politik der Sozial­demokraten und den Aufgaben zur Ueberwinbung der wirtschaftlichen Krise beschäftigen.

Oie Angriffe gegen Curtius

im Pariser Urteil.

Varis, 8. September.

Tie Angriffe der deutschen Presse gegen die Haltung von Dr. Curtius in Genf Werden in der Pariser Presse mit größter Aufmerk­samkeit verfolgt. Die Berliner Berichterstatter der großen Pariser Blätter geben alle ausführliche Aus­züge aus der deutschen Presse und sind der Auffas­sung, daß eine Neubesetzung des Außenmini­sterpostens über kurz oder lang erfolgen Wird. Einige glauben sogar, daß dieses Ereignis sich schon unmittelbar nach der Rückkehr Dr. Curtius" von Gens vollziehen Wird.

Der Berliner Berichterstatter desMalin* er­klärt jedoch, daß man diese Angriffe Weniger tra­gisch nehmen müsse, wenn man bedenke, daß Dr. Curtius während der Genfer Sitzungen stets auf das heftigste angegriffen worden sei.

*

Berlin. 8. September. Wie der Pariser Vertreter der »Voss. Zig.- berichtet, hat eine französische Agen * tur aus Rom gemeldet, daß Laval und Brian d sich kurz nach dem Berliner Aufenthalt auch auf die

Reise nach Rom begeben würden. Die Meldung wird freilich vorläufig noch mit einem Vorbehalt versehen.

Auch Ungarn

ersucht den Völkerbund um Hilfe

Budapest, 8. September.

Die wirtschaftliche Lage hat den ungarischen Au­ßenminister Dr. W a l k o veranlaßt, sich um Hilfe an den Völkerbund zu wenden, jedoch nicht in der Form einer direkten Anleihe. Die Anregung Ungarns geht dahin, daß der Völkerbund die Lage in Un­garn durch seine Sachverständigen prüfen lasten solle, um dann über die Methode zur Hilfeleistung auf Grund des Sachversiändigengutachtens selbst zu entscheiden. Es ist beabsichtigt, erst den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen, dadurch Sympathie beim Völkerbund zu gewinnen und dann das positive Programm der ungarischen Regierung, den Ausbau der Privatwirtschaft unter Mithilfe des Völker­bundes, durchzuführen Die Absichten Dr. Walkos werden in der Oeffentlichkeit sehr beifällig ausge­nommen.

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Bozen, 8. September. Der Regierungskommiffar der Salzburger Laiwesregierung' Dr. Pnui Akoct- hammer, der seinen Urlaub in Südtirol verbringt geriet in der Nacht mit Faschisten in Streit, et wurde verhaftet und soll heute vor Gericht erscheinen.

London, 8. September.

In Regierut-gskreisen erwartet man mit Sicher­heit, daß das Vertrauensvotum, das das Ka­binett direkt nach der Parlamentseröfsnung verlangen wird, angenommen wird.

Die Eröffnung des Unterhauses wird mit dem üblichen Gebet beginnen. Der eigentlichen Aus­sprache wird die Verlesung eines könig­lichen Dekrets durch den Premierminister voran­gehen, die nach dem englischen parlamentarischen Ge­setz vor einem neuen Steuerprogramm erforderlich ist. Reben den Reden Macdonalds, Baldwins, Sir Her­bert Samuels, steht man der Rede des Oppositions­führers Henderson mit großer Spannung entge­gen, weil in ihr voraussichtlich die Taktik der Oppo­sition in ihrem Kampfe gegen die nationale Regie­rung enthalten fein wird.

Die Opposition wird vielleicht versuchen, die groß angelegte politische Rede des Premierministers durch den Antrag zu verstümmeln, daß die Einsetzung eines Arbeitsausschusses kein Anlaß für ein entscheidendes Vertrauens- ober Mißtrauensvotum sei. Es ist aber wenig wahrscheinlich, daß der planmäßige Verlauf des ersten Tages durch diese parlamentarische Spitzfindig­keit entscheidend beeinflußt werden wird.

Der Andrang der Abgeordneten, die sich gute Plätze im Plenum sichern wollen, hat bereits am Montag begonnen. Obwohl das Parlament erst am Dienstag mittag um 15 Uhr eröffnet wirb, stellten sich die ersten Abgeorbneten bereits in bet Nacht zum Dienstag im llnterhanse ein, um sofort nach Eröff­nung bes Sitzungssaales ben gewünschten Platz be­legen zu können. »

*

London, 8. September. Zu einer gestern veröffent­lichten Botschaft an die Ration sprach Mac­donald die Hoffnung aus, daß das Unterhaus der Re­gierung sein Vertrauen kundgeben werde. Dem sich anzuschließen, bitte er die gesamte Nation. Der Auf­ruf schließt mit einer Warnung davor, de» Ernst der Lage zu verkennen und zu glauben, man könne mit weniger tiefgreifenden Maßnahme» in der jetzigen Situation helfen.

König Georg

verzichtet auf 50000 Pfund

London, 8. September.

Ter König, der gestern den Premierminister empfing, gab diesem feine Absicht bekannt, die ihm ausgesetzte Zivilliste um 50000 Pfund Ster ling verkürzen zu lassen, um so auch persönlich zur Herabsetzung aller Ausgaben beizutragen. Er fügte hinzu, daß auch bie Königin und die anderen Mit- gk.eder der königlichen Familie, denen eine Apanage gebührt, den Wunsch hegen, daß diese reduziert werde

Genf, Anfang September.

Wie, ist Adolphe Menjou nun auch hierher ver­schlagen? Vom großen Weltcheater in Hollywood in dieses kleinere von Genf? Unzweifelhaft: hier steht er, sorgfältig aus dem Filmstreifen herausgefchnitten, noch sorgfältiger geschniegelt und gebügelt und ganz wandelnde Großaufnahme. Merkwürdig nur, daß ihn nicht ein Kranz schöner Frauen umbrängt, son­der ein Haufen würdiger Ehrenlegionäre, Mtenmap- penmenschen, von Vollbärten und dem Hauch der Weltherrschaft umrahmt. Und wie sie trotz ihrer erhabenen Bedeutung und ihren kreditfähigen Run­dungen den lächelnden Bonvivant in ihrer Mitte umdienern, ja, umbuhlen, ist es ganz bestimmt Adol­phe, der schöne Adolphe in einem Film von Rene Clair, der die Dächer von Paris erfunben hat unb die Million. Man möchte es sich von einem der Kun­digen bestätigen lassen, unb man erfährt zu seiner Ueberraschung, daß dieser schöne Adolphe mit Zu­namen Fra.icois-Poncet heißt ...

Es ist immer wieder ine Freude, ihn auftauchen zu sehen: am Konferenztisch oder in den Couloirs, in Debatten verstrickt, in Flüstergespräche versunken. Man kann etwas lernen von dieser Männerschönheit. Wie man Lackitieseletten mit grauem Wildledereinfatz zum ivnrzen Rock abtönt, ben gestreiften Beinkleidern und der dunklen Krawatte mit der grauen Perle. Wie man immer nur lächelt und immer vergnügt ist, wenn die Temperatur im Schatten auf dreißig Grad

Macdonald sprach dem König und der königlichen Familie den Dank für dieses hochherzige Beispiel aus. Er dankte auch dem Prinzen von Wales der, obgleich er keine Zivilliste erhält, ihm mitteilen ließ, daß er einen Betrag von 10000 Pfund dem Staatshaushalt zuzuwenden gedenke.

Oer Kampf

-er britischen Gewerkschaften

Bristol, 8. September.

In der Eröffnungssitzung des Kongresses der Ge­werkschaften hielt H a y d a y eine Begrüßungsan­sprache, in der er u. a. erklärte, verhängnisvolle poli­tische und finanzielle Einflüsse seien hinter den Kulissen wirksam gewesen, und geheime Kräfte hätten die Arbeiterregierung auseinander gebracht und eine neue Regierung geschaffen, die sich weder auf das Parlament noch auf das Volk stützte. Eine gewaltige internationale Finanzgruppe habe eine unbarmherzige und vollständige Fi­nanzrevolution zustandegebracht, wie keine Militärdiktatur es zu tun 1>ermocht hatte. Wir wer­den, fuhr der Redner fort, uns an keinem Versuch beteiligen, die Reallöhne der Arbeiter zu kürzen. Ein Appell an das Volk ist notwendig, um das durch die letzten Ereignisse entstandene politische Durcheinander zu beseitigen.

Wieder Konferenz am Junten Tisch

London, 8. September.

Die zweite Tagung der Indischen Konferenz am Runden Tisch nahm Montag ihren Anfang. Im St. James-Palast fand eine Sitzung des Ausschusses für bundesstaatlichen Aufbau des Indischen Reiches statt Der Lordkanzler als Vorsitzender des Ausschusses be­grüßte die Delegierten aus Jnbien und die Vertre­ter der englischen Parteien. Von den 31 indischen Mitgliedern des Ausschusses ist bisher nur die Hälfte eingetroffen. G h a n d i, der Ende dieser Woche er­wartet wird, wird an de» späteren Beraiungen des Ausschusses teilnehmc», sobald dieser zu praktischen Aufgaben übergeht?

Premierminister M a c d o n a l d, der für kurze Zeit im St. James-Palast erschien, um die Delegierten zu begrüßen, erklärte: Ich'bemühe mich mit allen Kräften darum, daß die guten Beziehungen, die bet der vorigen Konferenz hergestellt wurden, foridauern und daß die Arbeiten dieser Konferenz zu einem erfolgreichen allseits befriedigenden Abschluß gebrach: werben.

Besuch .Hindenburgs beim bayerischen Minister Präsidenten. Der R ichspräsideni von Hindenburg Hai am Mcntaa nachmittag dem bayerischen Mini­sterpräsidenten in seiner Wohnung einen privaten Besuch abgestattet. Reichspräsident Air.benburg I kehrte noch am Montag nach Dietramszell zurück. 1

Vor -er Eröffnung -es Llnierhauses

Eigener Drahtbertchi.

und in der Diskussion auf hundert steigt. Wie man die Wirkungen eines Krieges, der immerhin ein Weltkrieg war, vermittelsökonomischer" Genieblitze ungeschehen macht. Das vor allem soll seine Spe­zialität sein.

Wo lernt man alle diese Künste? Als Student in Deutschland, der über Goethe promovierte? Eher schon als Journalist in Paris, in einer Seitengasse des Quai d'Orsay! In den Kriegsjahren in der Schweiz, als Spionageleiter, na ja, warum denn nicht? Nachher, beim Ruhreinbruch als Pressechef in Düssebdorf. Hier wird die Frage: Warum denn nicht? schon etwas schwieriger zu beantworten sein. Als Theoretiker der Schwerindustrie, Abgeordneter, Un- terstaatssekretär, persönlicher Liebling von Poincare und Briand zugleich, Vertrauter Tardieus. Frak­tionskollege Maginots, große Hoffnung Pierre La­vals. Er hat schon viele Rollen gespielt, Herr Fran­cois-Poncet; und er ist für seine neue Berliner Rolle schon aufs beste gerüstet. Bleibt nur die Frage, ob er sich mit der Rolle des Hauptdarstellers im alten Spiel begnügen oder endlich eine neue Inszenierung leiten wird.

Litwinow.

Daß Diplomatie nicht unbedingt eine Frage der wildlederbesetzten Lackstiefeletten fein muß, eewcist durch sein bloßes Dasein Genosse Litwinow, Volks­kommissar des Auswärtigen. Ein Mann, der wirklich ba ist: breitbeinig steht er auf dieser Erbe, massig und korpulent, und wo er hintritt, wächst kein Gras mehr. Wir wissen ja, wie es in seiner Heimat aus­sieht. Kein Diktator dabei sondern ein behäbiger Bürgersmann, dem Aussehen nach, mit beruhigendem Enbonpoint und fleischigen Händen, glattrasiertem, rötlichem Gesicht, in bas bie randlose Intellektuellen­brille schlecht passen will. Sie ist aber auch die ein­zige Konzession, die dieser Eetreidegrotzhänbler dem kommunistischen Literatencaf« macht. Schon das dicke schwarze Notizbuch, das er ständig schwenkt, enthält, man braucht seine Ziffern gar nicht zu lesen, vorteil­hafte Abschlüsse: Mit Deutschland der eine, mit China, das soll übrigens doch nicht ganz befriedigend ausge­gangen fein, mit Persien unb ben Vereinigten König­reichen anbere, mit Mexiko unb Litauen. ..

Herr Litwinow vertritt eben eine Weltfirma, und ba kann er sich ruhig über die Gebote hinwegfetzen, die für kleinere diplomatische Agenten gelten. Eut- gebügelte Manieren? Sehrverbindliche Zigaretten? Aalglattes Französisch? Er hat keine Zeit für solche Sachen. Englisch, na ja, das konnte er in einer dunklen.Epoche seines Lebens gerade lernen.

Auch Litwinow gehört zu jenen, die immer nur lächeln und immer vergnügt sind. Freilich: es ist nicht das bezwingende Lächeln seines französischen Kollegen, sondern ein höchst gefährliches Schmunzeln, das zarter besaitete Naturen wohl zu erschrecken ver­möchte. Aber die haben im Völkerbund ohnehin nichts zu suchen. Hier muß man schon gute Nerven haben. Dieser Kaufmann aus dem Osten hat sie. Er weiß, daß ihn auf Schritt und Tritt Gefahren bedrohen. Es leben zuviele russische Emigranten in der Schweiz. Aber er weiß auch, daß er sich auf seine Getreuen von der Tscheka verlassen kann, die ihn in dichtem Rudel umgeben, vorne zwei, rückwärts Wei und Wei auf jeder Seite. Es ist eine lebende Mauer, die ihn deckt. Genau so romantisch, wie bet Herr Litwinow selbst unromantisch erscheint, Doppelgänger aller Stammgäste in grotzstäbtischen Kommerzkaffeehäusern. Daß gerabe bieser eine Weltgeschichte macht? Na ja, bie Weltgeschichte ist bas Weltgeschäft.

Lord Cecil.

Jener winzig Heine Kreis von Fachgelehrten, der sogar das Sanskrit der Abrüstungsmysterien ver­steht, kennt John Bull aus bunbert Geheimsitzun­gen. Für die breitere Oeffentlichkeit ist dieser Vier- undsiebzigjährige ein Debütant. Wir haben den nervösen Künstlerkopf Macdonalds gesehen, des sanguinischen Schotten, graumeliert, gottsuchend, weltgewandt, der schönsten Europäer einer. Und Henderson mit dem steifen Hut, dem leichtgeröteten Antlitz, dem trockenen Humor des alten Klubfreun- des. Den elementaren Erplosivstofs, der mit seinem bürgerlichen Namen Lloyd George heißt, dieser langmähnige, weißhaarige, unberechenbare alte Lö­we. Und die monokelbewehrte Unnahbarkeit Seiner Lordschaft, des Sir Ausiin Chambertin. Und Lord Cushendun. de» hemdärmeligen Polterer. Und den Musterbürger Baldwin, dem nichts verhaßter ist als Sekt und Phantasie: mit Porter, Ale unb ge­lassenem Gleichmut hat Britannien bie Wogen re­giert. Snowden der eiserne Denker . . Lauter ur­englische Typen.

Aber Lord Cecil, das ist England selbst. John Bull daheim. Hühnengestalt, vorn­übergebeugt von der Last der Jahre, die der Rücken empfindet, nicht der Kopf. Glattrasierter Patriarch mit hochentwickeltem Sinn fürs Busineß Und