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Nummer 17*

Donnerstag, 21. Januar 1932

22. Jahrgang

Die Sabotage der Lausanner Konferenz

Konferenzbeginn am 25. Januar nicht mehr möglich / Brüning erneut gegen Zwischenlösung / pariser Lügenmeldungen über deutsche Geheimrüstungen

England als Vermittler

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Gandhis Begrüßung

Von Or. Paul Rohrbach

th. Berlin, 21. Januar.

Die englische Regierung hat jetzt in besonderem Maße die Rolle des Vermittlers für den Zusammen­tritt der Reparationskonferenz übernommen; sie hat dabei zugleich die Initiative im Sinne einer lang­fristigen Vertagung dieser Konferenz übernommen. Durch diese Aktion ist zunächst zweierlei klar gelegt worden, einmal die von uns bereits angedeutete Tatsache, daß die Reparationskonferenz am vorgesehenen Termin, dem 25. Januar, nicht in Lausanne beginnen kann, und zweitens noch einmal die schon wiederholt betonte Notwendig­keit, daß Deutschland jede Kompromißlösung ableh­nen muß.

In der Terminfrage stellen sich die Engländer auf den Standpunkt, daß angesichts der Verzögerungen, die durch die französische Kammerdebatte eingetreten sind und der Unsicherheit über den weiteren Gang der Verhandlungen zwischen den verschiedenen Kabi­netten, keine Möglichkeit mehr besteht, die Repara- tionskonferenz nach Lausanne einzuberufen.

Em zweites Nein des Kanzlers

Die Engländer möchten auf eine Lösung hinsteu- ern, bei der man zunächst lediglich das Hoover- Moratorium, welches am 1. Juli abläuft, unge­fähr um ein halbes Jahr verlängert, damit man dann im Herbst eine Reparationskonfe- rcnz zur endgültigen Regelung der Tributfraqr ab­halten könne. Der englische Botschafter in Berlin, Sir Horace Rumbold, hat gestern dem Reichs­kanzler einen Besuch abgestattei und ihm dabei den Vorschlag auf Verlängerung des Moratoriums unter­breitet. Dr. Brüning hat, wie nicht anders zu erwarten war, dem Botschafter eine ablehnende Antwort erteilen müssen, denn gegen die einfache Verlängerung des jetzt bestehenden Moratoriums-Zu­standes liegen auf deutscher Seite gewichtige Beden­ken vor. Man muß dabei beachten, daß das Hoover- jahr nicht in der vöm amerikanischen Präsidenten ur­sprünglich vorgesrlstagenen Form durchgeführt worden ist, sondern daß auf Grund der Einwendungen der Franzosen seinerzeit die Bestimmung getroffen wur­de, daß auch während dieses einjährigen Morato­riums die Verpflichtung zur Weiterzahlung der un­geschützten Annuität bestehen bleibt. Deutschland kann sich mit einer Verlängerung dieses Zustandes keines­falls abfinden ur> der Reichskanzler hat auch dem englischen Botschafter gestern erklärt, daß die Reichs­regierung mit einer solchen Lösung nicht einverstan­den ist.

Der Besuch des englischen Botschafters und die Er­klärung Dr. Brünings werden übrigens in der Wil- Helmstraße keineswegs als besondere sensationelle diplomatische Ereignisse angesehen, sondern sie haben sich durchaus im Rahmen der beinahe täglich vor sich gehenden diplomatischen Fühlungnahme abgespielt und bringen an sich nichts Neues. Wohl aber ist jetzt mit d.r Antwort, die der Reichskanzler dem englischen Botschafter erteilt hat, die Saellungnahme der Reichs­regierung in Bezug auf die Ablehnung jeder Kompro­mißlösung aufs neue vor aller Welt erhärtet worden.

Im Laufe des gestrigen Tages sind die Besprechun- ger. der an der Reparationsfrage beteiligten Reichs- minister fortgesetzt worden und die Regierung hält selbstverständlich nach wie vor an dem Gedanken einer sofort einzuberufenden Reparations- konferenz fest, aber angesichts der aus London vor­liegenden Meldungen, besteht keine Aussicht mehr, daß die Konferenz zusammentritt, sondern man wird sich jetzt darauf heschränken müffen, daß die führenden Staatsmänner der europäischen Staaten bei der Gen­fer Abrüftungskonserenz zusammen kommen und dort die ersten Reparationsgespräche führen. In welcher Weise man dann die Uebcrlcitung zu einer wirklichen Reparationskonferenz finden kann, steht vorläufig noch dahin.

Layion berichttgi...

London, 21. Januar.

In einem Briefe an dieDaily Mail" erklärt Sir Walter Lay ton, daß infolge unvollständiger Wiedergabe seiner Rede vor dem Achtziger-Klub ein falscher' Eindruck über seine Stellung zur Tribut- frage entstanden sei. Rach seiner Auffassung sei es wohl falsch, wenn man behaupte, daß Deutschland niemals mehr einen Teil seiner politischen Schulden bezahlen könne. Aber er habe weiterhin gesagt, daß es trotz dieser Ueberlegung viel besser für alle Beteiligten sein werde, wenn die politi­schen Schulden gestrichen würden. Dix Zah­lung von zwischenstaatlichen Schulden hätte auch wirt- schaft'iche Wirkungen aus die Zahlung von inneren

Schulden. Im Falle der Kriegsschuldenzahlung seien die Folgen verheerend gewesen. Solange Deutschland seine Tributzahlungen aus geborgten Guthaben be­zahlt habe, sei alles gut gegangen, aber in dem Augenblick, wo es seine Mittel in ausländische Wäh­rung umwandeln mußte, hätten die Schwierigkeiten begonnen. Niemand werde Deutschland Geld bor­gen, lediglich damit es Tribute zahlen könne. Es habe so gut wie gar kein Gold und müsse notgedrungen seine Ausfuhr verstärken. Aus diesem Grunde habe er gefordert:

1. Streichung der Kriegsschulden, was besser als das Risiko neuer Störungen fei;

2. eine endgültige Regelung, die sobald wie mög­lich erzielt werden müsse;

3. Fortsetzung gewisser Zahlungen für bestimmte Sonderverpflichtungen, wodurch der Weg zu einer allgemeinen Einigung geebnet werde. Diese Summen müßten so gering sein, daß sie die Zahlungsbilanz und den normalen Verlauf des Handels nicht stören.

Seine Ansicht, so schreibt Layton weiter, stehe also in direkten, Gegensatz zu der Ansicht derDaily Mail". In Uebereinstimmung mit seinen Baseler Kollegen sei er unter allen Umständen dafür gewesen, daß eine endgültige Festsetzung der deut­schen Berpflichtungen im Interesse der Wie dererhotung der Welt dringend notwendig sei, und daß deshalb eine Konferenz stattfinden müsse.

Mitarbeiter Dr. Paul Mo 6 t.

P.ff *9 '"ickt uns als wertere« Bericht von feiner po- Studienreise, die ibn über Amerika, Japan

S.n nach Indien mhrte, eine Schilderung des Gandhi-Enivfanges tn Bombay, die unseren Leiern sebr. interessante Einblicke in die augenblickliche Lage Indiens vermittelt.

Seit Wochen kreiste jedes Politische Gespräch in Indien um Gandhis Rückkehr aus Europa. Bengalen hatte auf die Ordonnanzen des Vize­königs, die den Ausnahmezustand emführien, sofort mit Boykott undCivil Disobedience" (Gehorsams­verweigerung) antworten wollen. Aber das »Wor­king Commitee", der Ständige Arbeitsausschuß des indischen Nationalkongresses, hatte den Beschluß vor­läufig nicht sanktioniert. Erst Gandhi abwarten! hieß es. In den Vereinigten Provinzen, kurz U. P. (United Provinces) genannt, dem westlich an Ben­galen angrenzenden großen Derwaltungsgebiet, war die Kampagne gegen die Pachtzahlung praktisch im Gange.^ Jawaharlal Nehm, der leidenschaft­liche Sohn von Gandhis verstorbenem nahen Freunde Motital Nchru, setzte dort alles daran, den Konflikt mit der Regierung unwiderruflich zu machen, bevor Gandhi zurückkäme. Die Agitation gegen die Pachten richte sich nicht direkt gegen die Regierung, sondern gegen die Zemindars, die ein­heimischen Großgrundbesitzer, die Schutz bei den Be­hörden gegen den Pächterstreik suchen. Bekommen sie ihn nicht gewährt, so hört natürlich auch ihre Loyali­tät aus und gleichzeitig der Ertrag der Landsteuer.

Die indischen Pachten sind ein böses Kapitel, und es rächt sich jetzt, daß die Regierung hier nicht beizeiten die bessernde Hand angelegt hat. Die Beträge sind Viöl zu hoch, bis zu 50 Prozent der Ernte,, wobei der Pächter selbst die Saat, die Geräte und das Arbeits­vieh zu stellen hat. Der schreckliche Fall der Ge­treidepreise (Reis und Weizen namentlich) läßt den Pächtern, wenn sie dem Zemindar die volle Quote abgeben sollen, tatsächlichzu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben" übrig, denn der Ertrag ihrer Hälfte soll ja auch alle ihre andern Bedürfnisse außer der Ernährung sie ist auch in normalen Zeiten höchst kärglich decken.

Die Regierung hat versprochen, für Nachlässe Zu sorgen, aber sie hat doch gegen die no-reut- eampaign" durch eine neue Ordonnanz den Aus­nahmezustand erklärt und gleich sehr scharf durch- gögriffen. Jawaharlal Nehm bekommt ein Verbot, Allahabad, die Hauptstadt der UP. zu verlassen, und er anwortet, er werde tun, was ihm beliebe, und reisen, wohin er es für nötig ände. Er will natür­lich zu Gandhis Empfang nach Bombay, um den Maharma zu bearbeiten, er solle das Signal zum Kamps geben: Boykott, bürgerlicher Ungehorsam! Tatsächlich reift er am 27. Dezember nach Bombay ab, wird aber festgenommen und nach Allahabad ins Gefängnis gebracht. Die Regierung hätte alle Aitto- riität aufs Spiel gesetzt, wenn sie ihn hätte reifen lassen, und darüber hinaus ist Jawaharlal Nchru eine Persönlichkeit, dessen Temperament einen Kon-

Abgedroschene Argumente

Eigener Drahtbertcht.

Paris, 21. Januar.

Mit einer Regelmäßigkeit, die die Zweckhafttgkeit solcher Kampagnen in reichlich durchsichtiger Weise enthüllt, tauchen immer dann, wenn die Nepa- rattons- oder Abrüstungsfrage erneut ernsthaft zur Diskussion stehen, in der französischen Presse oder auch im Rahmen der Verhandlungen der französischen Parlamentsausschüsse Berichte über angebliche deut­sch e G e h e i m r ü st it n g e n und Verstöße gegen die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages auf. Von diesem Gesichtswinkel aus sind auch die gestrigen Ausführungen der Senatoren General Bourgeois und Eccard zu werten.

Nach einem amtliche Kommunique über den Ver­lauf der Sitzung des Kammerausschusses für aus­wärtige Angelegenheiten suchte General Bourgeois nachzuweisen, daß

Dentschlcknd entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrages eine gewaltige Armee vorbereite (!),

und zwar durch die jährliche Ausbildung ei­ner großen Zahl von Unteroffizieren, die aus der Reichswehr, sobald sie ausgebildet seien, ausschieden, um neuen Rekruten Platz zu machen, so­wie durch Heranbildung von Offizieren sowohl in der Reichswehr wie in besonderen Schulen, die durch den Vertrag verboten seien. Deutschland könne im Kon- slcktfalle eine erste Stoßarmee von beträchtlicher Stärke aufstellen, die körperlich glänzend durchgebil­det sei und deren militärischer Geist in häufigen Zu­sammenkünften der neuen Einheiten mit den alten Caders der aufgelösten Regimenter gepflegt werde. Bourgeois erklärte abschließend, die

kriegerischen Vorbereitungen in Deutschland seien von einer Revanchepropaganda begleitet.

Die Kinder in der Schule würden in diesem Geist erzogen und eine Reihe von Schulbüchern sei aus­drücklich in diesem Sinne verfaßt.

Senator Eccard gab einen Ueöerblick über den deutschen Haushalt und erklärte, daß die Heeresaus- gaben versteckt in anderen Haushaltskapiteln unterge­bracht seien. Der deutsche Haushalt werde zu 50 v. H. für rein militärische Zwecke verwendet. Der Pen­sionshaushalt diene zum größten Teil dazu, die Re­serveoffiziere zu bezahlen, die zu mttitärischen Ar­beiten herangezogen würden

*

Diese Ausführungen des französischen Generals sind nichts als eine Wiederholung der seit der Schaf­fung der Reichswehr und der Bestimmungen über die Zusammensetzung ihres Offizierskorps u. der Mann­schaften teils frei erfundenen, teils in böswil- ltgerAbsichtaufge st eilten Behauptun­gen. Dasselbe gilt von den weiteren Ausführungen des Generals Bourgeois über die angebliche Fähig­keit der deutschen Industrie, im gegebenen Fall die

technische Ausrüstung des Heeres in kürzester Frist zu schaffen. Was die angebliche Revanchepropaganda an­geht, so würde Herr Bourgeois, wenn er zum Nachweis seiner Behauptungen aufgefordert werden sollte, in die peinliche Lage geraten, als Schaumschläger und Auf­schneider ertappt zu werden. Zu den Ausführungen des Senators Eccard ist schließlich mit aller Deutlich­keit festzustellen, daß die Behauptungen über Verschlei­erungen der eigentlichen Ausgaben für die Reichswehr durch Verschiebung der Etattitel jeder Grundlage ent­behren und eine bewußte Irreführung der franzö­sischen öffentlichen Meinung sind.

Oie Tributlasten der Reichsbahn

Düsseldorf, 21. Januar.

Der Langnamverein und 32 andere Unterzeichner haben an den Reichskanzler und den Reichsverkehrs­minister eine Eingabe gerichtet, in der es heißt:

Die Feststellung des Baseler Ausschusses über die Reichsbahn lasse im Zusammenhang mit anderen Dar­legungen des Berichtes des Unterausschusses über die Reichsbahn die Befürchtungen aufkommen, daß die Reichsbahn hinsichtlich der Aufbringung der Tribute nur vorübergehende Erleichterung bedürfe.

Demgegenüber müsse mit aller Eindringlichkeit fest- gestellt werden, daß erstens der im Baseler Bericht gewählte Vergleichszeitraum für eine Beurteilung der zukünftigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Reichsbahn nicht maßgeblich sein könne, da die Jahre 1926 bis 1929 anerkanntermaßen im Zeichen einer Kreditinflation und einer wirtschaftlichen Scheinblüte gestanden hätten, zweitens sei der betriebswirtschaft­liche Ueberschuß nur durch stark übersetzte Tarife er­zielt worden, denen sich die Wirtschaft nicht habe ent­ziehen können, da die Eisenbahnen das bei weitem wichtigste Beförderungsmittel seien.

Es sei völlig verfehlt, aus den Betriebsergebnissen vergangenen Jahres irgendwelche Schlüsse aus die spätere Entwicklung des Reichsbahnunternohmens ziehen zu wollen, zumal doch bisher die Sachausgaben fast sters so weit gekürzt worden seien, daß nur eine solche unzulängliche Erneuerung und Unterhal­tung der Anlagen habe stattfinden können, wie es mit den Aufgäben der Gesellschaft als Treuhänderin des Reichsbahnvermögens nicht mehr vereinbar ge­wesen sei.

Tie Eingabe schließt bann:Sie, sehr geehrter Herr Reichskanzler, haben sich noch vor kurzem er­neut zu dem Gedanken bekannt, daß Deutschland nicht in der Lage fei, in Zukunft Tribute zu zahlen. Das muß selbstverständlich aUj, für die Tribut- lasten der Reichsbahn gelten. Auch hierfür darf in den Reparationsverhandlungen keine Kompromißlösung zugelaffen werden, wenn nicht die vor allein notwendige Wirdergesunduna der deutschen Wirtschaft überhaupt in Frage gestellt wer­den soll

greß so gut wie eine Volksversammlung zum Explo­dieren bringen kann. *

Der 29. Dezember, Gatttchis Ankunftstag, ist gekommen. Der Mahatma kommt nicht mit einem englischen _ Schiffe, sondern mit einem italienischen, vom Triestiner Lloyd, der früheren österreichischen Linie, nach Bombay. Ganz Bombay ist in Erregung. Die natürlich indische Stadtverwaltung hat einen langen Straßenzug mit e rüge rammten San- gen besetzt, um Blumengewinde und rot-weiß-grüne Fahnen (die Kongreßfarben) anzubringen. In der Nacht vor der Ankunft von Ghandis Dampfer wache ich in meinem Hotelzimmer von dem Lärm vieler Stimmen, Schreie und Stockhiebe auf; ich höre, wie die Lathis, hie zweieinhalb Meter langen Bam­busstöcke der Polizisten, auf menschliche Körper klatschen. Nachher erfahre ich, daß dieuntouchables", d. h.die Unberührbaren", die von der Kastenord- nung ausgeschlossenen Angehörigen der untersten Klasse, deren Berührung jedes Mitglied einer Kaste .unrein macht, zu Tausenden ausmarsch.eren wollten, auch mit Lathis bewaffnet, nm Ghandis Einzug zu stören. Ghandi hatte ihnen, als er nach London ging, als seinenindischen Brüdern" versprochen für ihren Platz in der neuen Verfassung Indiens einzutreten, und er hat dieses Versprechen nicht ge­halten. Die Polizei nimmt ihnen hie Lathis fort und jagt die Scharen, die die Einzugsstraße im voraus besetzen wollten, auseinander.

9 Uhr morgens. Ich verdanke der Freundlich­keit einer deutschen Firma einen Fensterplatz, von wo aus ich den Mick auf die noch geschlossenen eiser­nen Gittertore zu dem Quai habe, an dem der Dampfer angelegt hat. Die Straßen, die Fenster die Dächer, die Bäume am Straßenrand sind zum Erdrücken voll, ein unbeschreiblich buntes Bild. Weiße und eingeborene Polizei patroulliert. Halb 10 Uhr. Das Gittertor öffnet sich, eine Reihe von Frauen und Mädchen, ganz in orangefarbige Gewänder gekleidet, kommt vom Quai her als Vor­trupp. Nach einer Weile ein Automobil mit indi­schen politischen Führern, die Namen werdm mir genannt. Daun Gandhis Automobil. Es sühn eine große rot-grün-weiße Fahne. Die obersten Führer, der Präsident des Nationalkongresses und andere, sitzen bei Gandhi im Wagen. Gandhi steht und grüßt mit den Händen auf indische Art nach ollen Seiten. Er sieht aus, wie auf den Bildern: ein Seiner Mann, braun, kahlköpfig, mh Brille, mit dem kurzen weißen Umwurf, der die Kleidung des gewöhnlichen Mannes ist. Die Seereise scheint ihm gut bekommen zu fein. Ungeheures Rusen und Händeklatschen zur Begrüßung: es braust wie ein Sturm daher. Langsam fährt das Auto! Taktmäßi­ges Rusen: Boy-cott-englishgoods! Boy-ccii-eng- lifh-goods! Da, eine Stockung. Eine Gruppe mit schwarzen Fahnen ist dem Wag-n in den Weg ge­treten und stößt Schmähmse auf Gandhi aus: die Unberührbaren! Die Polizei chargiert, ein paar Lathihiebe, die Störung ist beseitigt. Gleich hinter dem G'-tterwr quillt es wie ein orangefarbiger Strom durch das Gittertor hie Masse der indischen Frauen, die Gandhi beim Verlassen des Dampfers gehuldigt haben. In dieser Tracht, die sie jeder­mann kenn lich machen soll, besorgen sie auch wenn Boykott er&ärt ist, dasPickering" das Posten-