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Kasseler Abendzeitung
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Nummer 31*
Sonnabend/Sonntag, den 7./S. Februar 1932
22. Jahrgang
Amerika durchkreuzt Frankreichs plane
Tardieus „Abrüstungsplan" wird in Washington abgelehnt / Brüning reist heute nach Gens / Hugenbergs Verhandlungen mit Hitler bisher ergebnislos
„Europa in der Zwangsjacke"
Oer Reichspräsident
lEtgener Drahtbertcht.)
Dix französische Regie auf der Abrüstungskonferenz klappt, wie man leider zugestehen mutz, vorzüglich. T a r d i e u Hai in der gestrigen Nachmittagssitzung der Abrüstungskonferenz neue französische Vorschläge überreicht, und er hat damit bekundet, datz Frankl, ich, das abrüstungsfriedlichste Land der Welt, gewillt ist, auf jeden Fall die Führung der Verhandlungen an sich zu reißen.
Was es mit diesen Vorschlägen, die wir auf Seite 2 wiedergeben, auf sich hat, konnte nicht deutlicher ausgesprochen werden, als der Pariser „Populaire"
535000 Eintragungen
Einzeichnungsfrist bis zum 13. Februar verlängert.
Berlin, 6. Februar.
Oberbürgermeister Dr. Sahm äufierte sich heute zu einem Vertreter der „Kölnischen Zeitung" über die Aktion des Hindenburg-Ausschuffes. Dr. Sahm erklärte u. a., datz das bisherige Ergebnis der Einzeichnungen seinen Erwartungen voll entspreche. Dem von vielen Seiten geäußerten Wunsche um Verlängerung der Einzeichnungsfrist Folge leistend, habe man fi» nun entschlossen, die Frist bis Sonnabend, den 13. Februar, zu verlängern. Weiter teilte Dr. Sahm mit, datz sich 350 deutsche Zeitungen i« den Dienst der Sache gestellt haben.
Die Zahl der Einzeichnungen beträgt bisher ins- gelamt 535000, davon gestern allein 164000.
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gierungen den französischen Vorschlag unterstützen werden. In Washington steht man die Erklärung Borahs als den Todes st otz für den französischen Vorschlag an.
OieZapaner besetzen die Wusung-Forts
Schanghai, 6. Februar.
Die am Freitag westlich der Wusung-Forts gelandeten japanischen Truppen, die sich aus vier Bataillonen japanischer Infanterie in Stärke von 3000 Mann und 800 Scesoldaten zusammenfetzten, haben die Forts b e f e tz t, ohne datz von chinesischer Seite Widerstand geleistet wurde.
Paris, 6. Februar. Nach einer Meldung der Agentur Jndopacifique aus Schanghai haben japanische Kriegsschiffe und Flugzeuge die Forts von Wusung vollständig zerstört. Der deutsche Dampfer „Hannover", der sich auf der Fahrt nach Manila befand, hat auf der Höhe von Wusung den Piloten eines japanischen Flugzeuges ausgenommen, das infolge einer Motorpanne abgesturzk war.
Mehrere Bomben sind in die internationale Hie- derlassung gefallen, wobei verschiedene -Bertolten verletzt wurde». x\it u.;r französischen »».eDdrlassung wurde von einem Auto aus eine Bombe geworfen, die mehrere Personen verwundere. Man behauptet, datz es sich dabei um ein kommunistisches Attentat handelt.
W. P. „Amt und Wüwe des Reichspräsidenten haben im Lande der Deutschen keine Vorgeschichte und keine Ueberlieferung. Diese Ueberlieferung kann nur die Geschichte schaffen," so heißt es in einer jener sehr nützlichen Schriften, in denen der Bund zur Erneuerung des Reiches nicht allein um die Katalogisierung staatsrechtlicher Tatbestände, sondern auch um die kritische Auswertung dieser Bestandsaufnahme uns um die Umwandlung der so gewonnenen Erkenntnisse in programmatische Forderungen bemüht war. Was in diesen Sätzen über das Amt und über die Funktionen des Reichspräsidenten gesagt wird, kann mit Fug und Recht auch auf manche andere Bestimmung der Weimarer Verfassung angewendet werden. Auf viele, wenn auch nicht auf alle Glaubenssätze, zu denen sich die Mitglieder der Zia- tionalversammlung bekannt haben! Denn es ist nicht zu leugnen, daß neben dem für Deutschland absolut Neuem, mochte dieses nun dem Gedankengut des Auslandes entnommen fein, oder mochte es auf die Verwirklichung von politischen Theorien, für die vor dem November 1918 im deutschen Staate kein Platz gewesen war, zurückgehen, auch geschichtlich Bedingtes und Ueberliesertes steht. Mehr als ein Dutzend Jahre trennt uns heute von der Geburt der neuen Reichsverfassung, und schon mehrfach hat die innerpolitische Entwicklung £ie Frage aufgeworfen, ob und inwieweit in dieser Zeit überall dort, wo das Werk von Weimar ohne Vorgeschichte gewesen war, die zunächst fehlende Ueberlieferung geschaffen worden ist. Gerade in unseren Tagen aber, in denen der Kampf um die Reichspräsidentenwahl auf der ganzen Linie
Jede Einzeichnung für die Aufstellung Hindenburgs «ls Kandidat für die Reichspräsidentenwahl in die ausliegcnden Einzeichnungslisten stärkt schon jetzt die Volksfront für Hindenburgs Wiederwahl. Die Listen zur Einzeichnung liegen i« der Geschäftsstelle der „Kasseler Neuesten Nachrichten", Kölnische Straße 10, aus.
c£ getan hat. Das fozialtsttsche Blatt schreibt nämlich, die französischen Vorschläge könnten nicht ernst genommen werden, weil Frankreich sich dadurch nur der V erpslichtung zur Abrüstung entziehen wolle.
Der Zweck des ganzen Manövers sei jedoch lediglich der, Deutschland die Entwicklung seiner Handelsluftfahrt zu untersagen, da man befürchte, daß die deutschen Handelsflugzeuge eines Tages in Bombenflugzeuge umgewandelt werden könnten. Es handele sich darum, eine bestimmte Art von Kriegsmaterial auf dem Papier zu internationalisieren, während diejenigen Staaten, die im Besitze dieses Materials seien, auch weiterhin breit darüber verfügen könnten. Die von Frankreich vorgeschlagene internationale Armee würde nicht allein dastehen; sie fei den nationalen Armeen nur nebengeordnet. Ihre Schaffung setze keinerlei aHgemeine Abrüstung voraus.
Diesem Kommentar ist nichts hinzuzufügen. Er treulich ist nur, datz Amerika offenbar die H t n- tergründe des französischen Vorgehens, wie die werter unten wiedergegebenen Meldungen zeigen, sogleich erkannt hat. Die wenigen englischen P r e s t e st t m m e n, die bisher vorliegen, klingen recht widerspruchsvoll. Während der
Ole französischen Vorschläge schroff ablohnt, nt „News Chronicle" prompt in die Falle gegangen und meint, man müsse die Pläne des Herrn Tardreu ernst nehmen ....
Washington, 6. Februar.
Präsident Hoover wird die amerikanische Abordnung rn Genf^ anweisen, den f r a n z ö s i s ch e » Dorsch l a g auf Schaffung einer internationalen Polizei- truppe glatt "bzulehne«. Die zuständigen Stel- len sehen den Vorschlag als Versuch Frankreichs an, dre Abrüstung zu umgehen. Washington sei durch dieses alte Manöver nicht überrascht
«Senator Borah brandmarkte in einer Unterredung mit einem Pressevertreter den französischen Vorschlag, eine internationale Polizeitruppe zu schaffen als einen Versuch. Europa in eine Zwangs i a d e j u ft e d e n. „Der Vorschlag". f0 erklärt Borah „ist das wgifche Erzeugnis des Versailler Vertrages und der anderen Friedensverträge. Verträge, die we der auf Ehre noch Gerechtigkeit aufgebaut sind, können eben nur durch Gewalt aufrech, erhalten werden Tie Absicht der Franzosen ist es, den Status guo ohne Rücksicht ans Gerechtigkeit und aus die Rechte eines Volkes aufrecht zu erhalten, das im Wachstum und in der Entwicklung begriffen ist."
Borah vertritt die Auffassung, datz nur wenige Re-
Noch kein Ausweg aus -em Defizit!
Ungünstiger Stand der Verhandlungen zwischen Preußen und dem Reich
th Berlin, 6. Februar.
Das R e i ch s k a b i n e t t hat sich gestern in einer bis in den späten Abend andauernden Sitzung mit dem Problem der N e n r e g e l u ng der O st h i l f e befaßt, wobei es sich bekanntlich vor allem um die Neugestaltung des Umschuldungsverfahrens handelt. Die Beschlüsse, die die Regierung dabei gefaßt hat, werden voraussichtlich im Lause des heutigen Tages in Gestalt einer neuen Notverordnung bekannt gegeben werden.
Auch die preußische Regierung hat gestern lang andauernde Beratungen über den Ausgleich des Etats gehabt, der immer noch ein Defizit von rund 135 Mill, aufweist. Die Beratungen sind gestern jedoch noch nicht zum Abschluß geführt worden, und es werden noch weitere Verhandlungen erforderlich fein. Zunächst soll versucht werden, das Defizit durch weitere Abstriche an allen möglichen Etatkapiteln insgesamt auf etwa 100 Mill. Mart herunterzudrücken. Wie jedoch diese Summe erreicht werden soll, steht noch nicht fest.
Rene Steuern sollen unter keinen Umständen in Betracht kommen,
da der Etat auf parlamentarischem Wege verabschiedet werden soll, und da auch die Regierungsparteien des Landtages sich scharf gegen neue Steuern geäußert haben. Die Verhandlungen mit der Reichs- regierung über die Möglichkeit einer Geldbeschaffung stehen sehr ungünstig. Die Reichsregierung Hai der preußischen Negierung kurz mitgeteilt, daß sie z. B. die Uebernahme der preußischen Anteile an der deutschen Siedlungsbant gegen Barentschädtgung ab- lehnen müsse. Andere derartige Wege, die in der Richtung eines Verkaufes von preußischem Domänenland, von Abtretung von Anteilen der Preutzentasse an das Reich oder Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen für früheren preussischen Staatsbesitz im abgetretenen Gebiet liegen, sind ebenfalls als nicht angängig bezeichnet worden.
Es besteht also wenig Aussicht in den Verhandlungen mit dem Reich zu einem Erfolg zu kommen und es ist daher zweifelhaft, ob der preußische Finanzminister Klepper seinen Plan durchführen kann, den Etat bis zum 11. Februar vollkommen auszugleichen, um ihn dann dem Reichstag vorzulegen. Es bleibt nur der Ausweg, daß man, wenn der neue Etat nicht rechtzeitig fertiggestell- werden kann, den a 11 e n G t a t um einen Mona, verlängert, aber diesen Weg möchte man natürlich nach Möglichkeit vermeiden.
Keme gemeinsame Kandidatur
Ergebnislose Besprechungen zwischen Hitler und Hugenberg.
th. Berlin, 6. Februar.
Der Reichskanzler Brüning wird heute abend die Reise nach Genf antreten, von der er in der Mitte der nächsten Woche nach Berlin zurück-
I kehrt. In der Zwischenzeit werden voraussichtlich keinerlei wichtige innerpolitische Entscheidungen fallen, und sowohl in der Prästdentschaftsfrage wie in der damit verbundenen Kabinettsfrage wird man vor der zweiten Hälfte der nächsten Woche wahrscheinlich keine neuen Resultate zu verzeichnen haben.
Vor Abschluß der Einzeichnungen ist nicht damit zu rechnen, daß der Reichspräsident von Hindenburg eine endgültige Erklärung über die Annahme einer Kandidatur abgibt. Ebenso liegt die Stellungnahme der rechtsstehenden Parteien in der Frage einer eventuellen Eegenkandidatur noch im unklarem Ob die Nationalsozialisten einen eigenen Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl aufstellen, ist noch nicht sicher. In verschiedenen Nachrichten wird behauptet, daß es zwischen Hitler und Hugenberg bei einer Unterredung zu keiner Einigung über eine gemeinsame Kandidatur der Deuischnationalen und der Nationalsozialisten gekommen sei. Hitler verlange, daß als gemeinsamer Kandidat der Harzburger Front ein Nationalsozialist aufgestellt werden mußte. Hugenberg aber vertrete den Standpunkt, daß man einen überparteilichen Kandidaten brauche, der weder den Nationalsozialisten und den Deutschnationalen angehöre. Dabei hat Hugenberg offensichtlich den Bestrebungen Rechnung getragen, die sich innerhalb der deutschnationalen Partei in wachsendem Maße für Hindenburg bemerkbar machen. Unter diesen Umständen konnte es natürlich zu einer Verständigung zwischen Hugenberg und Hitler nicht kommen, und der Gedanke der gemeinsamen Kandidatur ist damit erledigt.
Die Deutschnationalen würden nun wohl in die Hindenburg-Front einschwenken, falls die bekannten politischen Bedingungen, die aber in Regierungskreisen abgelehnt werden, erfüllt würden. Die Nationalsozialisten dagegen planen eine e i - gene Kandidatur. Wenn sich diese Annahme bestätigt, so würde allerdings bei einer Aufstellung Hitlers als Präsidentschaftskandidat zunächst die Frage feiner Staatszugehörigkdit zu regeln fein, und es ist auffällig, daß vom Braunen Haufe aus keinerlei Schritte in dieser Angelegenheit unternommen werden.
Neue Besprechungen
zwischen Nationalsozialisten und Deutschnationalen sollen in der zweiten Halste dieser Woche in Berlin stattfinden. Heute versammelt sich zunächst die deutsch- nationale Reichstagsfraktion in Berlin, und auch Hugenberg wird, da er wieder in Berlin eingetroffen ist, an dieser Sitzung teilnehmen, aber eine endgültige Stellungnahme zur Präsidentschaftsfrage erwartet man auch von dieser Fraktionssitzung noch nicht.
entbrannt ist, hat diese Frage wieder auf einem wichtigen Teilgebiete, eben auf dem Gebiete, dem sich die eingangs erwähnte Schrift des Erneuerungsbundes zugewendet hatte, akute Bedeutung erhalten.
Die Väter -der Weimarer Verfassung hatten von den Trägern der Reichsgewalt zwei Instanzen bevorzugt behandelt: das Parlament und -den Reichspräsuden- ten. Beide leiteten ihre Autorität direkt aus dem Votum -des Volkes ab und standen sich in dieser Hinsicht als gleichberechtigte Partner gegenüber. Im übrigen aber wurde in den Weimarer Verhandlungen diese Gleichberechtigung hart umkLmpft, und es ist deutlich zu ei. unen, daß in weiten Kreisen der Versammlung die Tendenz vorherrschte, dem Parlament die Hegemonie im Staate einzuräumen. Jahrelang -beherrschte dann auch das Parlament das politische Leben, und es ist sehr charakteristisch, daß selbst die Gegner und Kritiker des Parlamentarismus dem „Massenwahn" zunächst unterlagen und an die überragende Machtstellung des Reichstags ebenso fest, wenn auch nicht mit den gleichen Gefühlen wie ihre Gegner glaubten. Langsam nur geriet dieser Glaube ins Wanken. Die Parteien wurden zum Totengräber des Gedankens, dem sie ihre Existenz ver- -dankfen: Die entstellten den Parlamenta-- rismus zum Parteiismus,, und sie steigerten chrcWgöiM hen Forderungen utsiso mehr, je deutlicher sich ihre Unfähigkeit, positive Akboit zu ieifieu, enthüllte. Heute hat der Parlamentarismus nicht alleip seine übertriebenen und durch nichts gerechtfertigten, sondern auch seine versassungsmäßig gesicherten Ansprüche auf Mitherrschen und Mitbestimmen äufgeben müssen. Damit war eine Lücke im System entstanden; die Weimarer Spielregeln wurden in ihrer Geltungskraft beschränkt, ehe das politische Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte reibungslos funktioniert hatte, und ehe eine feste Methode, Volks- und Führerwillen in Einklang zu bringen, herausgearbeitet war. Der - Reichspräsident, der ursprünglich keine eigentlich gesetzgebende Gewalt hatte, mußte dort eingreifen, wo das einer einheitlichen Willensbildung nicht fähige Parlament, „die Institution gewordene Uneinigkeit des deutschen Volkes", versagte: Mit de mEinsatz des Artikels 48 wurde die Lücke notdürftig geschlossen.
Der Reichspräsideni gewann an Autorität, was das Parlament an Ansehen verlor. Er übernahm aber auch eine Last von Verantwortung, er mußte sich für eine Fülle von unpopulären Maßnahmen, die der Reichstag nicht durchzuführen wagte, cinsetzen, und wenn Otto Geßler in seinem vor Jahresfrist heraus- gegebenen Buche „Die Träger der Reichsgewalt" die Beantwortung der Frage, „ob der Reichspräsident nur ein Hüter der Verfassung ist, eine Rolle, an die man in Weimar zweifellos in erster Linie gedacht hat, oder ob ihm die Führeraufgabe zufällt", noch der Geschichte überlassen wollte, so muß man heute feststellen, daß diese Antwort inzwischen durch die innerpolitische Entwicklung bereits gegeben ist. Die Neigung der Parteien, sich und ihre Interessen über alles zu stellen, hatte, wie einsichtige und weitschauende Beobachter schon lange vorausgesehen hatten, zu einer Krise des staatspolitischen Denkens geführt. „Neben dem Bewußtsein der Notwendigkeit des Staates macht sich eine seelische Zurückhaltung gegenüber dem Staate, eine bis an die Grenze des Widerwillens gehende Stimmung der Gleichgültigkeit, ja der Abneigung ihm gegenüber geltend," so schrieb schon 1920 der Staatsrechtler Kurt Wolzendorf. Gegen -diesen „Zwiespalt des Denkens", gegen diese Gleichgültigkeit und diesen Widerwillen schützende Dämme zu errichten, ist die geschichtliche Bedeutung, die einmal dem stärkeren Hervortreten des Reichspräsidenten zuerkannt werden toiro. Gewiß wurde der Reichspräsident jetzt mehr als zuvor das Objekt politischer Angriffe, aber anderseits verstärkte sich dadurch, daß er nun als Widerspiel des Parteipolitisch-Allzu- parteipolitischen erschien, seine Stellung beträchtlich. Die alte Streitfrage, ob Deutschland eine „dekora.ive" oder eine .politische Präsidentschaft" habe, diese Frage, die vor Jahren ein beliebtes Thema für Flugschriften und Leitartikel war, verlor ihren aktuellen Reiz. Ter Reichspräsident war nicht mehr nur Repräsentant, sondern wurde immer mehr Hüter des überparteilichen Gedankens und des Staatsinteresses. Er wurde nach außen zum Symbol eines einheitlichen nationalen Willens, und er erfüllte im innerpolitischen Loben immer zielve- wutzter die wichtige Mission, die auseinanderstrcben- oen Kräfte zusammenzufassen und in das mechanistische senken die Vorstellung von der „Autorität der Persönlichkeit" wieder einzuschalten.
Noch ist diese Entwicklung in vollem Fluß, und es bleibt abzuwarten, welchen Einfluß sie auf die Gestaltung unserer staatsrechtlichen Verhältnisse ausüben tvird. Wie aber auch diese Entwicklung fein mag, die Entscheidung rührt an die G r u n d p r o b l c m e des Haatspoliti scheu Denkens. Sie geht