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Druck der Vicftcncr Verl » sdruckcrei.
Nr. 96
2. Blatt
Samstag, den 30. November 1912.
Telephon thr. S62.
Krämertum und Konsumvereine.
Der _ diesjährige Jahresbericht der Rabattsparvereine enthält u. a. eine Auseinandersetzung mit den Konsumgenossenschaften, worin es u. a. heißt: „Wir verkennen nicht, daß in unserem Stande manche Erscheinungen geeignet sind, die Kritik herauszufordern; aber wir wehren uns dagegen, daß, wie es vielfach geschieht, in der von unseren Gegnern herbeigeführten Besprechung der Detailhandelsverhältnisse stets allgemein als von überlebten, unberechtigten wirtschaftlichen Erscheinungen gesprochen wird. Die geflissentliche Herabsetzung, welche die Führer und Publizisten der Konsumvereine z. B. schon dadurch unserem Stande antun, daß sie ihm stets die Bezeichnung „Krämertum" beilegen, die in ihren Schriften immer generell wiederkehrende Behauptung, der Detailkausmann gebe bei schlechter Bedienung schlechte Ware zu unrichtigem Gewicht, wirkt derart verhetzend auf die leicht betörte Menge, daß hier von einer sachlichen Gegnerschaft nicht mehr gesprochen werden kann. Wir müssen auch an dieser Stelle der sozialdemokratisch gefärbten Konsumvereinsbewegung den schweren Vorwurf machen, daß ihre Führer oft gegen ihre Ueberzeugung unseren Stand herabsetzen, während sie wissen, daß die inneren Verhältnisse im Konsumvereinsleben die zur Schau getragene Ueberhebung nicht rechtfertigen. Zu vermteilen ist ferner die Art, wie sie in öffentlichen Ver- fainmlungen stets behaupten, gegen das leistungsfähige ©efthäftsieben nicht Front machen zu wollen, sondern nur gegen das im Zwergbetriebe vorhandene, während in ihren Schriften, besonders im „Konsumgenoffenschaft- lichen Volksblatt", dieser Unterschied fast nie gemacht wird. Das gesamte Agitationsmaterial der Konsumver- eittsbcwegung ist im wesentlichen begründet auf V e r - ach 1 ung unseres Standes und auf dem überheblichen Glauben, er sei ein unnütz preisverteuerndes Wesen. Diese Grundtendenz gibt unserer Organisation natürlich auch die Richtung ihres Kampfes und man sann es uns nicht verargen, wenn wir alle Erscheinungen aus dem Konsumvereinsleben, die unserer Auffassung Recht geben, als Beweismaterial gegen unsere Widersacher benutzen. Es ereigneten sich zum Beispiel im Berichtsjahre eine Anzahl von Konsumvereinskoârsen, bei denen die Mitglieder starke Einbußen erlitten. Veruntreuungen von Vereinsgeldern waren nicht selten sest- zustellen und ebenso eine durchaus verwerfliche Einwirkung von feiten der Einkäufer auf die Lieferanten zur Erzielung persönlicher Vorteile. In unerhörter Weise ist ferner die in einigen Artikeln infolge der Mißernte etn= getretene Teuerung von dem Konsumvereinswesen aus- genubt worden, obgleich nirgends festgestellt wurde, daß die Konsumvereine im Durchschnitt billiger oerfauften, als der freie Handel." — Der Bericht konstatiert schließlich, daß die Rabattsparvereine in ihrer einheitlichen Ro'battgewährung einen starken Ausgleich gegenüber der Kuakrast der Konsumvereinspropaganda besitzen.
“ Man sollte nun meinen, daß die dem Verbände der Rabattsparvereine und dem Detailllstenverband angeschlossenen Kaufleute auch tatsächlich die Konsequenzen au? dem oben Gesagten ziehen und ihr Verha ten oor allen, qegenüber der di- Konsumvereine unterstützenden sozialistischen Presse danach emnchten^wurden. Leider ist da? Gegenteil bei Fall! Die (ojialbemotratW^ ter erfreuen sich, trotz ihrer maßlosen Hetze gegen die Detaillisten und trotz ihrer ständigen Unterstützung der gegen den Kleinhandel gerichteten Boykottbewegungen. der^SiMpathie der D-taillist-n in Gestalt von Insera- tennufträgen in steigendem ^?st°' u"d die -^011’'." Schicksals will es nur allzu häufig, daß imrebattio- Sen Teil dieser Blätter in der sememsten Weise über das „Krämertum" losgezogen wird, wahrene ,m ^ seratenteil derselben Nummer dieses ^che „Kiamerlum eine Waren anpreist, - Es muß an sich l°d m Ge^ schSftsmann überlassen bleiben, auf welche Weise er Re-
Labada Dragees anerkannt vorzügliches Mittel gegen Husten, Heiserkeit, Katarrh. Die Stimme wird klar und gekräftigt Liebling aller Redner, Sänger etc.
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I flame machen will: uns sammt es lediglich darauf an, I fesizusiellen, daß das Verhalten der Kleinkaufleute vielfach in tatsächlichem Widerspruch zu der Austastung steht, die in dem erwähnten Jahresbericht der Rabatt - sparvereine zum Ausdruck gebracht wird.
Lnrrarilcbes.
? „Pflicht." Roman von Fedor v. Zobeltitz. yWitpriert von M. Barascudts. Preis geheftet Mk. 3, gebd. Mk. 4. Carl Krabbe Verlag, Erich Grümann, Stuttgart. — Wenn Fedor von Zobeltitz sich auf dem Boden seiner engeren Heimat, der brandenburgischen Mark, bewegt, ist er als Schilderer am glücklichsten. Er kennt den Junker so gut wie den Bauer in seiner Eigenart, und gerade in diesem dramatischen Kultur - bilde mit seinem farbig gemalten Hintergründe und seiner figurenreichen Staffage führt er prachtvolle Typen aus der agrarischen Welt vor Augen. Die Leute aus dem Herrenhause und dem Lehnschulzenhose sind strotzenden Lebens voll, und um sie gruppiert sich eine Fülle reizvoll geschilderter und origineller Erscheinungen wie beispielsweise der alte Kantor, der köstliche Raugras, der wilde Kosinsky. Vortrefflich gezeichnet sind auch die weiblichen Figuren; vor allem aber wirkt der heimische Einschlag, das Bodenständige, die intensive Landlust so erquicklich. Der Roman ist im besten Sinne spannend und wird viele Freunde finden.
^ Mie entstanden die Salzlagerstöt- t c n ? Die in Deutschland in großer Menge vorkommenden Kalisalzlager sind von der allergrößten ökonomischen Bedeutung für den Ackerbau der ganzen Welt, dem sie das für den Pflanzenwuchs nötige Kali geben und besonders für Deutschland, welches durch seinen Reichtum an Kalisalz eine Art Monopol in der Kali - industrie erhalten hat. Aber trotzdem Industrie md Wissenschaft sich mit der Salzfrage aufs eingehendste beschäftigen, ist man über manche Eigentümlichkeit des Salzvorkommen noch im Unklaren. In einer der letzten Nummern der „U m s ch a u“, Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik in Frankfurt o. M., schildert Professor Dr. Svante Arrhenius, der berühmte schwedische Physiker in hochinteressanter Weise seine Ansichten über die Vorgänge bei der Salzlagerbildung. Die älteren Forscher nahmen an, baß die Schichten durch vulkanische Eruptionen in die Höhe getrieben worden sind und sich hiermit die Verbiegungen der Solzschichten erklären. Eine ganz andere Meinung vertritt jedoch Arrhenius. Anfangs lagen die Salzschichten horizontal. Durch chemische Einflüsse, wodurch die Salz- tonscknchlen teilweise plastisch wurden, entstanden in den Schichten Buchtungen und Einrisse. Nun sanken die schweren Bergmassen, die auf diesem Breibett ruhten, immer tiefer und drückten den Salzbrei vertikal nach oben.
? Ferdinand Eregorovius, „W ander j a h r e in Italien". Auswahl in zwei Bänder! mit dem Porträt des Verfassers, zwei Karten und einem biographischen Nachwort von Dr. H. H. Houben. (Einbandzeichnung von Erich Gruner.) Leipzig, F. A. Brockhaus. 1.—4. Auflage. 2 Bände. Broschiert Mk. 6.—, geb. Mk. Bi—. Die deutsche Literatur besitzt zwei klassische Werke über Italien, die in der ausge- wählten Bibliothek keines Gebildeten fehlen dürfen und vor allem dem unentbehrlich sind, der sich auf eine Jta- lienreise als auf ein Erlebnis von unvergleichlichem geistigem Gewinn vorbereiten oder die dort gewonnenen Eindrücke in schöner Erinnerung immer aufs neue ge- nießeu will: Goethes „Italienische Reise" und die „Wan- derjehre in Italien" von Ferdinand Eregorovius. Als der erste Band dieser „Wanderjabre" 1855 im Verlag F. A. Brockhaus erschien, erregte diese eigenartige Mischung von unnachahmlicher poetischer Landschaftsschilder- ung und phantasievoller Geschichtsdarstellung und der an antiken Mustern gebildete Stil von monumentaler Einfachheit allenthalben Bewunderung, und bind) das auf 5 Bände erweiterte Werk hat sich Eregorovius einen hervorragenden Platz in der Weltliteratur erobert. Wieviel tausende begeisterte Leser sind seitdem unter seiner sachkundigen Führung in Wirklichkeit oder auch nur in Gedanken durch die ewige Stadt gepilgert, haben an seiner Hand Ravenna oder Neapel, Pompeji ober Een- zano. Amalfi oder Sorrent besucht und, mit keinem
Diânerauge beglückt, die namenlosen Zauber der römi. scheu Campagne, der lateinischen Küste und der Insel- paradiese des Mittelmeeres auf sich wirken lassen! Aber die Originalausgabe war teuer und entzog sich dadurch der weiten Verbreitung, die ein Schriftsteller wie ©re» gornvius beanspruchen darf. Da war es denn ein überaus glücklicher Gedanke, das Gesamtwert in einer Auswahl vorzulegen, die in zwei Bänden die glänzendsten uns populärsten Kapitel zu einem einheitlichen Ganzen ücieinigt und in dieser Form ein klassisches Bilderbuch der berühmtesten und besuchtesten Stätten Italiens bil bei. Dem Jtalieusahrer eine köstliche Vorbereitung und Erinnerung, dem Leser daheim eine herrliche Fata Morgana des Landes, das jeder Deutsche noch immer mit der Seele sucht, ist diese Neuausgabe der „Wander - jahrc" bei ihrer vornehmen Ausstattung und ihrem mäßigen Preis eines der schönsten Geschenkwerke zum bevorstehenden Weihnachtssest.
? Dr. Eccartus: „Unser aller Sorgen» finb, bie Volksschul e". Eine Kritik des beut» [dien Volksschulwesens in pädagogischer, finanzieller, polnischer und religiöser Beziehung, verbunden mit einer Untersuchung gewisser Volksschullehrereigenschaften, zirka 300 Seiten, Mk. 2.80. In Leinen gebunden Mk. 4.—. Verlag von Walther Fiedler, Leipzig. Diese der Feder eines Fachmannes entstammende Schrift behandelt Fragen, die gegenwärtig brennend nach Lösung schreien und sozusagen auf aller Lippen liegen; sie fordert eine Reform des gesamten deutschen Volkssthul- wesens. Unbeirrt durch Schlagworte und unter scharfer Kritik aller unberechtigten Erscheinungen verlangt sie zunächst eine vernunftgemäße Begrenzung des Volksschulzieles und tritt des weiteren ein für eine gesunde Erziehung zu kraftvoller Frische u. a. durch weise Beschränkung der Unterrichtszeit; daher bekämpft sie allerhand Ueberbürdung, Ueberschulung und Gängelei; sie wendet sich gegen die Ueberladung des Volksschukunler- richts mit allen möglichen Fächern und gibt wieder die fast vergessene Losung aus: Nicht vielerlei oberflächlich, sondern wenigeres gründlich ! Sie wendet sich ferner gegen die Massenpädagogik, die unter schweren Opfern die Minderbegabten zu fördern sucht, dabei aber die Vesten schmählich vernachlässigt. Auf finanziellem Gebiete betont sie Freigebigkeit im Notwendigen, sucht aber allseitig die Grenzen der Rentabilität der Volksschulaus- gabcn zu zeichnen und weist hin auf Wege berechtigter Sparsamkeit; denn eine schwere Sorge bildet die Tat - fache, daß bei Erfüllung aller Lehrersorderungett die Zahl der Lehrpersonen an den deutschen Volksschulen von jetzt etwa 186 000 auf mindestens 421 000 steigen, die Kosten des Volksschulwesens sich aber nahezu auf das Fünffache, nämlich von zirka 700 Millionen auf fall 3% Milliarde erhöhen würden. Ferner wird der übertriebene Zwang des Staates gegenüber den Gemeinden verurteilt und das Recht öffentlicher Kritik gewahrt durch die Forderung der Oeffentlichkeit alles UMerrichts. Auf politischem und religiösem Gebiete befürwortet diese Schrift vom Standpunkte eines positiven Liberalismus au? eine Erziehung zu wahrhaft vaterländischer und ernster religiöser Gesinnung; hinsichtlich des Verhältnisses von Kirche und Schule erörtert sie die Trennungs - frage und fordert vorläufig die Aushebung des Volksschi: llehrermonopols auf Kirchendienst beliebiger Art. Alle wichtigeren Fragen werden illustriert durch den Vergleich mit dem Auslande. So ist es denn ein Buch für alle Eltern, die über Fragen der Bildung und Erziehung ihrer Kinder wirklich nachdercken.