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Marburg a. Lahn

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Landeszeitung

Oberheffische Seftimg* « scheint sechsmal wöchentlich. Be­zugspreis monatlich 2 GM. aus- schließl. Zustellungsgebühr, durch dl«Post2.25 GM.Für etwa infolge Streiks, Waschin en defekte oder elementarer Ereignisse ausfallend« Nummer« wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag d. Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei 6. Aoh. Ang. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 55. u. Rr. 666. Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion do« 1011 und

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»et «nzetgeichreis betrügt für den 10 gefpalt. Zeilenmillimeter 0 08 GM,-kleine' Baranzeigen 0.06 GM., amtliche und aus- WSrtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz­borschrist 50o/ Aufschlag. Sammelanzeigen 100/. Auf­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 GM Jeder Rabatt gilt als Barrabakt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Er­

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Paris, 3. Sept. Der Scmderberichter- statter desM a t i n" in Tanger ist soeben von einem Besuch im Hauptquartier Abd e l K r i m s zurückgekehrt und berichtet über eine Aussprache mit dem ersten Mini­ster Abd el Krims und mit dem Bruder Abd el Krims. Minister Si Ben Ali be­stritt ,daß Abd el Krim franko-spanische Friedensvorschläge erhalten habe. Rich­tig sei, daß Abd el Krim durch die Zei­tungen von den angeblichen Vorschlägen der beiden Mächte Kenntnis erhalten habe. Später sei aus Algier eine Note der spa­nischen Regierung angekommen, in der an­gefragt wurde, ob spanische Unterhändler die Friedensvorschläge persönlich unterbrei­ten könnten. Diese Anfrage blieb jedoch unbeantwortet, da Spanien in der Note drei wichtige Punkte in Algier für sich verlangt habe. Im übrigen erklärte sich der Minister zu der Erklärung berechtigt, daß Abd et Krim an keinerlei Friedensver- handlungen denke» solange Spanien «nd Frankreich nicht die volle Unabhängigkeit

des Rifgebietes anerkennen wollten.

Wir wollen, so erklärte der Minister, frei leben und uns selbst regieren. Wir werden bis zum äußersten kämpfen. Wir werden nicht damit einverstanden sein, daß unsere Polizei von Seiten der Mischte beaufsich­tigt wird. Was die Grenzfrage anbelangt, so verlangen wir von Frankreich, daß die Grenze von Algier nach Guesa- nia zurückverlegt wird. Von Spanien fordern wir die Rückverlegung der spa­nischen Grenze bis nach Melilla. Was Tetuan anbelangt, so sind keine wesent­lichen Aenderungen notwendig. Noch ein­mal wiederhole ich, daß den Verhandlungen die Anerkennung der absoluten Unabhängig­keit des Rifgebiets vorausgehen muß. Am Nachmittag wurde der Berichterstatter von dem Bruder Abd el Krims, Si Moha­med, empfangen, der ihm u. a. erklärte, daß die Rifkabylen von keiner Macht un­terstützt würden und daß sie auch zu den Muselmännern Asiens >e,i.? >.. :;c<

unterhielten. Der Berichterstatter bemerkte auf dem Marsche nach Algier die Gebeine spanischer Soldaten, mit denen die Straße besät war . In der Umgebung Abd el Krims bemerkte er einen Dxutschen, der sich an einem Maschinengewehv zu schaffen machte und einen Franzosen, der ihm ge­genüber in erregten Worten seiner Abscheu gegenüber Frankreich Ausdruck gab.

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Jettis, 3. Sept. (TU.) Heute vormit­tag fand im Elysee ein Ministerrat statt, oem besondere Bedeutung beigelegt wird. Außer der Frage der Schuldenver­handlungen mit Amerika und der Zu­sammensetzung der nach Washington zu ent­sendenden Delegation wurde bs Bud­get für 1 9 2 6 erörtert. Ca«illaux legte einen Budgetentwurf vor, der auf den Grund­sätzen vollständiger Einheitlichkeit ausgebaut m und keine Separatkonten enthält. Die sahrlichen Eingänge aus dem Dawesabkommen sollen direkt dem Gesamtministerium zuqeführt werden. Gegenüber dem vorjährigen Staats­haushalt weist der diesjährige Mehraus­gaben in der Höhe von 3 Milliar­den Papierfcs. auf, die Caillaux durch das Mehrergebnis an direkten Steuern zu «ecken gedenkt.

Weiterhin brachte P a i n l e b e neue Mel- Hungen aus Syrien, die vom General « a r r a i l eingetroffen sind, zur Kenntnis. ~tc Frage des Oberkommandos und her Regentschaft in Marokko, die m ®.en besuch des Marschalls Lyautheh tn Paris besonders akut geworden ist, wurde gleichfalls erörtert. Es handelt sich dabei zunächst um die Verteilung der Gewalten zwischen dem Oberkommandanten Marschall P e t a i n und dem Marschall Lyautheh, ferner um die Organisationen der Zivilver­waltung, für die möglicherweise eine neue zentral ft eile geschaffen werden soll, die das ganze französische Bordafrika, Marokko, Tunis und Algier umfassen soll.

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fl. Paris, 4. Sept. Ministerpräsident ® Qi nie hat sich gestern abend zur Teilnahme an der Völkerbundstagung nach Genf begeben. -

Das LuftschiffShenandoah" rerftört

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TU. Rewyork, 3. Sept. Das zu einem große« Ueberlandslug aufgestiegene Zeppelinluftschiff ist während eines Ge- wittersturmes 6 Meilen von Cum­berland im Staate Ohio zerstört wor­den. Rach den bisherigen Meldungen wurden 2 Mann der Besatzung getötet» 7 schwer verletzt. Das Luftschiff trieb eine halbe Stunde im Sturm, ohne die Fahrt­richtung «aufnehmen zu können. Es wurde dann durch die Gewalt des Sturmes mitten durchgerissen: der eine Teil stürzte zu Boden, während der an­dere weitergetrieben wurde. Die Nach­richt von der Zerstörung des Luftschiffes hat die größte Bestürzung hervorgerufen. DieShenandoah" ist in Amerika nach deutschen Angaben gebaut worden. Vor dem Eintreffen näherer Nachrichten läßt fich nicht beurteilen, auf welche Um­stände die Zerstörung zurückzuführen ist.

Washington, 3. Sept. (WB.) Vom Flottendepartement wird amtlich bestätigt, daß dieShenandoah", die gestern vormit­tag von Lakehurst (New Jersey) mit einer 42 Mann starken Besatzung nach Minne­sota aufftieg, verunglückt ist.

ff. Washington, 4. Sept. Marinr- sekretär Wilbur gab zu dem Luftschiff- Unglück folgende Erklärung ab:

Das Marineamt versuchte die Gefahr zu vermeiden, da die geplante Fahrt vom Zuni ab verschoben wurde. Im Laufe des Sommers weigerte sich das Marinc- departement mit Rücksicht auf die herr­schenden Stürme, das Luftschiff in das Innere des Landes zu schicken. Die letzte Fahrt wurde in der Hoffnung auf eine bessere Wetterlage bis heute verschoben.

Cambridge, 3. Sept. (WB.) Von Augenzeugen wird zu dem Unfall noch be­richtet: DieShenandoah" hatte etwa % Stunden über der Stadt gekreuzt, als sich mit einem Mal zeigte, daß die Besatzung die Gewalt über das Schiff verloren hatte. Es erhob sich ein LTind, der sich rasch zu einem Sturm steigerte. DieShenan- doah" legte sich zur Seite «nd wurde von dem Sturm in südlicher Richtung abge­trieben.

TU. Rewyork, 3. Sept. Nach den neuere» beim Marincministcrium einge- laufenen Meldungen wurden bei dem Un­glück derShenandoah" 10 Mann der Be­satzung getötet, 15 verletzt. Das Luftschiff ist gestern vormittag in Lakehurst mit einer Besatzung von 42 Mann aufge­stiegen. Unter den Toten befindet ach auch der Kommandant des Schiffes, Lansdowne, der zu den Pionieren des amerikanischen Flugwesens zählt.

Cambridge, 3. Sept. $Bte jetzt ge meldet wird, find bei der Zerstörung des LuftschiffkreuzersShenandoah" 19 Perfpnen getötet und 15 verwundet wor­den. Die eine Hälfte des Luftschiffes fiel einige Meilen nördlich von Aba zu Boden, während die andere Hälfte etwa 10 Mei­

len nach Süden abgetrieben wurde und in der Nähe von Sharon niederfiel.

Cumberland, 3. Sept. Wie sich nunmehr herausstellt ,ging dieShenan- doah' in drei Stücken nieder. Der Kom­mandant, Leutnant Landsdowne und min­destens 12 Offiziere und Mannschaften wurden getötet. Die Zahl der Verletzten beträgt 15. Das Luftschiff war heute vor­mittag kurz nach 5 Uhr in einer Höhe von 3000 Fuß in eine jener Sturmböen geraten, die bei den Luftfahrern besonders gefürch­tet sind.

15 Tote

(Eigene Funkmeldung.)

ff. Caidwell, 4. Sept. Die Anzahl der bei dem Luftschiffunglück derShcnan- doah" ums Leben gekommenen Personen beläuft fich jetzt auf 15, die der Vermißten auf zwei. Augenzeugen erzählen, die Pro­peller derShenandoah" seien mit einem Krachen zu Boden gestürzt, das dem Fällen von Bäumen im Walde geglichen habe. Als die Spitze des Luftschiffes weg flog, sah man die Mitglieder der Be­satzung au einzelnen Teilen des Gerippes an Tauen hängen. Nur einer von diesen wurde getötet, als der Wind das Seil, an das er fich geklammert hatte, von der Spitze des Luftschiffes los riß. Sein Leich­nam landete in einer Hecke. Die Leichen der anderen im Luftschiff Getöteten fand man in Gärten und Kornfeldern.

fk. L o n d o n , 4. Sept. Nach einer Mel­dung aus Washington sollen infolge des Unglücks des LuftschiffesShenandoah" alle Versuche mit Luftschiffen auf eine ge­wisse Zeit unterbleiben. Die Station Lakehurst soll geschlossen werden und das LuftschiffLos Angelos" soll für Handelszwecke vern' tet werden.

Dr. Eckener über Vie Snftfchiffkktaftrophe in Amerika. *

Der BerlinerLokalanz." veröffentlicht eine Unterredung Dr. Eckeners mit einem Mitarbeiter des Blattes über die mutmaß­liche Ursache der amerikanischen Luftschiff­katastrophe. Dr. Eckener erklärte, es er­scheine ihm n^icht wahrscheinlich, daß die Shenandoah" in der Luft entzwei ge­brochen sein soll. Er nehme an, daß das Schiff beim Landen von einer vertikalen Böe erfaßt und auf den Boden geschmet­tert worden ift._ Dr. Eckener erinnerte Weiter daran, daß dieShenandoah" schon einmal ihre. Lufttüchtigkeit bei schwerstem Wetter^ bewiesen habe, nämlich bei ihrer sturmfahrt nach dem Losreißen vom An­kermast. Dr. Eckener wies dann noch darauf hin, daß man das verunglückte Luftschiff, Nicht als Schwesterschiff desZ. R. 3" be­zeichnen könne. Das Schiff, das in Amerika erbaut sei, sei um 3000 Kubikmeter kleiner als das deutsche und mit fünf amerika­nischen Motoren ausgerüstet, während der ,,Z. R. 3" fünf Mahbach-Motoren habe. Zum Schluß der Unterredung gab Dr. Ecke­ner seinem lebhaften Bedauern über das Unglück Ausdruck. Gerade die Besatzung dieses Luftschiffes habe des öfteren Proben ihres Wagemuts und ihrer Geschicklichkeit abgelegt, so erst vor kurzem bei der Ueber- auerung des amerikanischen Kontinents vom Atlantischen zum großen Ozean.

Sie Stampfe in MarM

fk .Paris ,4. Sept.M ati n" meldet aus Oran: Hier halten sich immer noch die vier Mitglieder der kommunistischen Ar­beiterabordnung auf, die in das Innere von Marokko gelangen wollen. Gestern kam es hier zu feindlichen Kundgebungen der Menge gegen diese Kommunisten, wobei der Abgeordnete D o r i o t von einem Einge­borenen geschlagen wurde. Die Kommuni- ten mutzten vor der immer größer wer­

denden Menge weichen und durch die Po­lizei in Sicherheit gebracht werden.

fk. P a r i s, 4. Sept. Havas meldet aus Tanger zur Lage in Marokko: Das Bom­bardement auf die Rifküstx dauert an. Es madjt einen sehr starken Eindruck auf die Eingeborenenbevölkerung. Ein spanisches Landiingskorps von 15 000 Mann ist auf der Fahrt nach Marokko. An der Westzone tonjentrieren sich die Rifleute und die Dicheballas in der Gegend von Tetuan. Man erwartet jeden Augenblick einen An- grin unter Führung des Bruder Abd el Krims. Dieser hat Befehl gegeben, die Gegend unter allen Umständen zu halten^

fne Lrklünmg zur Kriegs- MM«

Setti», 3. Sept. Nach Schluß Bet Stockholmer Konferenz hat der Bor- fitzende der deutschen Delegation an den Fortsetzungsausschuß der Konferenz fol­gendes Schreiben gerichtet:Zm Auftrage der deutschen Delegation der Stockholmer Weltkonferenz beehre ich mich dem Fort­setzungsausschuß folgendes ergebenst zur Kenntnis zu bringen:

Die deutsche Delegation kann Stockholm nicht verlassen, ohne fich einer ernste« Pflicht entledigt zu haben. Als ,i« Deutschland bekannt wurde, der deutsche evangelische Kirchenbund werde fich durch amtliche Vertreter an der Weltkonserenz beteiligen, wurde in anderen Kirchen wei­terhin erwartet und in einer geradezu er­greifenden Weise zum Ausdruck gebracht, daß von uns in Stockholm eine Frage auf» gerollt werden müßte, die, solange fie nicht innerhalb der gesamten Christenheit gieklürt ist, auf unserer Seele lastet unf­eine ökonomische Zusammenarbeit unsäg­lich erschwert: Die Frage nach der Schuld am Ausbruch des Weltkrieges. Die Not­wendigkeit einer rückhaltlosen, allge­meinen Klärung dieser Frage empfinden auch wir in ihrem ganzen gewifien Ernst. Sie ist uns, wie unserem Kirchenvolke, eine Frage vor allem der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Dennoch haben wir ein­mütig davon Abstand genommen, fie wäh­rend der Tagung selbst, aufzurollen. Eine eingehende- Behandlung dieser Frag« ans der mit so vielen andere« Aufgaben be­reits überreich beschäftigten Konferenz war technisch unmöglich. Ein bloßer for­meller Protest gegen die Aufbürdung der Schuld am Kriege für Deutschland war überflüssig, und alle Welt weiß, daß das deutsche Volk diese Aufbürdung mit Ent­schiedenheit abgelehnt und daß wir i« zahlreichen christlichen Ländern durch namhafte Forscher Zustimmung zu dieser Ablehnung in wachsendem Maße gesunde» haben. Ein bloßer Protest hätte zudem, die von dem ernsten Willen der Dele­gierten aller Länder getragene Einmütig» keil dcs Konferenz und ihr hohes WeÄ zerstören können. Die deutsche Delegation bittet den Fortsetzungsausschuß diese ihre Stellungnahme und ihre Motive gleidfr zeitig aber auch den Ausdruck ihrer ernsten christlichen, von der Zustimmung des gesamten evangelischen Deutschland» getragene Ueberzeugung zur Kenntnis nehmen zu wollen, daß eine Klärung der Schuldfrage eine morali­sche Aufgabe ersten Ranges ist, die um ihrer Selbstwillen aber apch im Hinweis ganz besonders auf die günstige ökonomische Zusammenarbeit der Kirchen als unavweislich und dringend erscheint. Der Präsident der deutschen Delegation. , Gezeichnet: Dr. Kappkcr."

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Eine franzöfische Da tellung der Londoner Zuristenverhandlungen.

P a r i s, 3. Sept. TU.) Die Londoner . Sachverständigen traten gestern zweimal im Foreign Office zusammen. Die erste Zu- iominentnnft dauerte von %11 bis 1 Uhr, die Zweite von Vil bis 7 Uhr. Die Aussprache be­zog fich auf alle Fälle, für die ei» Schieds­spruch in Frage kommt, sowie auf die An­wendung automatischer Sanktionen. Der englisch- Sachverständige t>it Cecil Horst erläuterte eingebend den englischen Stand­punkt, wäbrend fich der italienische Sachver- tändig: große Zurückbaltung auferlegte. Dr. Gauß legte dann sehr ausführlich den Standpunkt der deutschen Negierung dar. Es verlautet, daß sämtliche Sanktionen sowohl in Osteuropa, wie in den Nheinlanden von der Entscheidung des Völkerbundes abhängig ge­macht werden müßten. Unter Hinweis auf die Besetzung von Frankfurt und der Ruhr 1923 erklärte der deutsche Sachverständige, daß es Deutschland nicht genüge, wenn Großbritannien ich bei einem ähnlichen Anlaß darauf be- chränke, eine neutrale Haltung einzunehmen. Der deutsche Sachverständige hat daraus be»