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wählt werden. Die Tarife der Besitzsteuern sollen nach­geprüft werden. Für bi« Brotverbilligung reiche der sechsfach« Betrag der Zwangsanleihe nicht aus. Von den Verkehrssteuern werde die Börsenumfatz- und die Wechselsteuer erhöht.

In der Aussprache wies Dr. Hertz (So».) auf die schwierig« wirtschaftliche Lage hin, die fick bereits in Streiks auszuwirken beginne. Tie Verbrauchssteuern lehnte er ab. Der Zentrumsabgeordnete Hühner hob den ge­waltigen Anteil hervor, den di« Lohn- und Gehalts- 'mpsänaer bei der EinkommeniLuer ausbrachten. Von ^«n 53.3 Milliarden brachten sie nicht weniger als 87 Prozent auf. Der Redner forderte eine Reform der Ver­anlagung und eine raschere Wirksamk-nt d«S Steuer» npparates. Der ?lbg. Dr. Schultz (D. Bpt.) warnte vor einer Vernichtung des Mittelstandes und wies die Behauptung von der Steuerscheu der Besitzenden entschi« den zurück. Abg. Dr. Helfferich (Dmischn.) machte die französisch« Gewaltvol'tik für da? Finanzelend ber» antwortlich Nach Ausführungen der Abg. Kleinstb (Dem.). Me r ck '(Batzr. Bpt.) und Fröhlich (Komm.) wurden di" Verhandlungen auf Sonnabend vertagt.

Marburg und Umgegend.

Marburg, 7. Juli (Heuert).

* Zur Kreistierschau. Am kommenden Diens­tag. von dem uns nur noch wenige Tag? trennen, werden die Landwirte auf dem Viehmarktsplatz in Marburg Ge­legenheit haben, einen großen Teil der besten Ti-re des Kreises Marburg zu schm und sich durch Vergleich der einzelnen Tiere und Rassen ein Urteil über den Stand der Zuckt im Kreise zu bilden. Ueber den großen Wert der Tierschauen braucht nichts mehr gesagt zu werden; der Anteil, den die im ganzen Deutschen Reiche abge- halienen Schauen an dem glänzenden Auischwung der Tierzucht vor dem Kriege gehabt haben, ist unbestritten und wird allerseits anerkannt. Durch den Krieg hat die Tierzucht allerorts einen schweren Schlag erhalten: aber überall regt es sich wieder, um durch Veranstaltung von Schauen Belehrung und Anregung zu geben und so die Tierzucht möglichst schnell wieder auf die alte Höhe zu bringen, trotz der ungünstig"» Zeitverhältnisse. Und so will auch die am 10. Juli in Marburg seit 15 Jahren zum ersten Male wieder stattfindend« Schau ihr Teil dazu beitmgen, bie Zucht des Kreises zu heben und zu fördern. Die Anmeldungen sind zahlreich eingegangen und bie Preisrichter werden in einzelnen Gruvpen keine leichte Arbeit haben. Es sind gem.ldet: 78 Pferde (48 Kaltblut, 30 Warmblut, davon 4Hengste); 167 Stück Rindvfth (73 Simmentaler, 34 Vogllsberg r, SO Niederungsvieh); 17 Schweine; 10 Schafe; 129 Zi gen; 49 Numm-rn Ge­flügel mit 137 Einz^tieren. In der Grupp« Rimdvieh icerben, was züchterisch b-sonders zu begrüßen ist, 9 Zuchtsammlungen und 9 Familien vorgeführt, in der Gruppe Ziegen 9 Sammlungm und 1 Familie. Alles in allem eine erfreulich? Betftllaung. Dafür sei allen Aus­stellern herzlich gedankt mit der Bitte, alle zu kommen und alle angemeldrten Tiere auszustellen, auch wenn gutes Heuwetter sein sollte. Die Ausstellung landw. Maschinen und Geräte'und landw. Bedarfsgegenstände wird ebenfalls gut beschickt sein und viel Belehrung und Anregring biet-n. Dazu komm'n die Da b>tungm des Reit- und Fahrvereins, dem für seine Zusag: zur Mitwirkung besonderer Dank gebührt. Weiter findet eine Vorführung deutscher Schäferhund« (Polizeihund?) statt. Von besonderem Jnteres!« für die Gärtner und Gartenbesitzer wird eine kleine Ausstellung 3er Basischen Anilin- und Sodasabrik sein, welche die Düngerwirkung von Harnstoff, einem neuen Stickstosfdüngnnzt'el, an reui­gen Gartenpflanzen zeigt. Die Zeiteinteilung ist folgend«: Bis 71/. Uhr Auftrieb der Tiere, von 812 Uhr Richten der Tiere, von 12.30 bis 1.30 Uhr Vor­führung der prämiierten Tiere, von 23 Uhr Ve.' anstaltuirgen des Reit- und Fahrver-fns; ^ana-ü führung der Polizeihunde. Und nun hofft» wir, daß alle Landwirte des Kreises, für di« ja di« Schau in er "er Linie bestimmt ist, am Tierschautage kommen, um sich .» den schönen Tieren zu erfreuen, um Belehrung und Anregung mitzunehmen und um durch ihr Erscheinen die ganz« Sach« zu nnterstüd-n und zu fördern.

®®HMHB6ÄMOBK3#<BÄK38KÄBEQBSBHHM8EE3B®B5SHÄ tun gen, in bet Art, wie sie von ihrem Wollen und Können sprach, daß er sich selbst feige und klein vor­kam, wenn er sie znrückh lten wollt? s e wrrnen. ohne ihr annähernd einen besseren Weg zu ihrem Ziele zeigen zu können. Nur abraten meinte er ihr zu müs­sen, sie warnen zu müssen vor schweren Konsequenzen, vor Möglichkeiten und Konflikten, de erst in. der Pr.ix s sich zeigen würden und ihr den kühn gewählte» Weg veisp rrcn müßen. Und was dann? Wen» ihr Ruf geschädigt und gefährdet würde, wenn man sie für eine Abenteurerin H elt, sie womöglich noch mit de» Ge­richten in Berührung brachte was bann?

Gewagt muß etwas werden, wo große Erfolge errungen werden sollen, sagte Moltke", entgegnete sie fest.Alles vorhersehen, vorbercchnen wollen, führt in Wirrnisse, in Labyrinthe. Bis zu einem gewissen Grade muß man der Hauptfaktoren bei einer großen Sache freilich sicher sein: die Haupt­faktoren hier sind: mein Charakter, meine Erwerbs­fähigkeiten. Es müßte doch seltsam zu gehen, wenn ich mir im kurzen Rock, mit kurzen Haaren nicht die Achtung und Wertschätzung meiner Arbeitgeber er­ringen könnte, die ich mir im langen Rock und mit langen Haaren doch erringen tonnte. Und die Er­folge werden bester sein."

Wie er sie so neben sich reden hörte, so ruhig, mit dieser tiefen ernsten Altstimme, war es ihm wirklich schon ganz, als säße ein junger Mann ne­ben ihm, der ihn an Lebenserfahrung, Mut und Voraussicht weit überrage, und er hörte auf zu warnen und abzuraten und beschränkte sich darauf, nach all seinen schwachen Kräften zu helfen und zu stützen And still wachsam auf dem kühn beschrittenen Wege bei ihr zu bleiben, um sie, wenn eben möglich, vor allzu furchtbarem Ausgleiten zu bewahren.

Sie brachten mir gestern eine amerikanische Zeitung", sagte Gerda, ihm einen Ausschnitt daraus hinüberschiebend,damit ich darin eine Idee, einen Gedanken für einen anderen Beruf finden sollte, und ich fand einen. Freilich nicht in Ihrem

* Strafkammer. Vor längerer Zeil gelang es einem Insassen des Fvankenberger Gefängnisses, ben diensttuenden Beamten zu überwältigen und >t« fliehen. Der mitllerwefle wieder dingfest Gefangene wurde gestern wegen dieser Streit nud besonders zu 2 Jahren 3 Mon. Gefängnis öu-nH-»:

* Drei beschmutzte bOMarkscheine tour den gestern in der Universitätsstraße gesunden. Au, einem Gartengeländer daneben befand sich ein Zettet mit der Inschrift:Billiger ÄS Klosettpapie^ o atme! Deutschland."

Kirchliche Nachrichten.

Diakonisseto-MutterhauS Hebron, Sonntag, vorm 9 Uhr: Gottesdienst.

Handels- und Marktnachrichten.

Frankfurter Börsenbericht vom & Juli. Der Effektenmarkt stand heute wiederum im Zeichen einer beträchtlichen Aufwärtsbewegung, bie begünstigt wurde durch den flüssigeren Eeldstand. Umfangreiche Kaufaufträge lagen aus der Provinz vor und auch die Spekulation schritt zu neuen Mei­nungskäufen, sodaß heute die stürmische Aufwärts­bewegung auf allen Gebieten aufs neue einsetzte. In der Hauptsache waren wieder Werte niedrige­ren Kursstandes gesucht, aber auch Spezialwert« blieben bevorzugt. Die Kauflust war allgemein und bewirkte ein überaus lebhaftes Geschäft. Der Montanmarkt zeigte mit geringer Ausnahme eine durchaus sehr feste Haltung. Auch chemische Werte standen neuerdings in lebhafter Nachfrage bei wei­ter stark erhöhten Kursen. Für Elektrowerte waren starke Kurssteigerungen festzustellen, doch wickelte sich hier das Geschäft in ruhigen Bahnen ab. Das Interesse, das schon seit Tagen für Vankwerte stark hervortrat, war auch heute wieder festzustellen. Im allgemeinen wurde die Tendenz unsicher und schwankend, doch blieb feste Erundstimmung vor« herrschend. Heimisch» Reten lagen zumeist niedri­ger. Der Dollar notierte amtlich 176 000 -4t.

Der Wert der Mark im Auslande.

Frankfurt, den 6. Juli 1923.

Für 100 Mark wurden gezahlt:

Es werden

in

vordem Krieg:

gezahlt ivn

Züri-V

0.03

125.42 Fr.

l Fr. lEld.

Mk 30400.

Amsterdam

0.01

59.20 (tzuld.

69000.

Kopenhagen

0.03

117.R0 Kron.

Ittr.

,30400.

Stockholm

002

115.80 Kron.

1 Kr.

46500.

Wien

88.80 Kron.

1 Kr.

253

Prag

88.80 Kron.

1 Kr.

5375

London

0.22

97.80 Schill.

1 Sch.

40000

NewPork

0.05

23.80 Doll.

1 Dll.

176000.

Paris

007

125.40 Fr

1 Fr.

10300.

Für oft Schriftleitung vcrantroortl.: Dr. C. Hitzeroth, Siir ven örtlichen uns Provinz. Teil: Wilhelm Wißnee, Sprechzeit der Schriftleitnnq b>S */*ll Ubr vormittags.

Geschlechtsleiden

Vtutun.erj. Ohne Bernwftör. Kein Queckstlb.^W Auskl. Brojch. üir. 25 geg. Einsendung von 5000 Ml.

§5pez.flrzfDr.ßollaender,stTrta*fi

Frankfurt 9. M., Bethmannstrahe 56. (8886^#

Krtn Leidender versäume den Vertteter der Ban- dagensabrik Otto BraiDner in Karlsruhe i. B. zu Cf«! suchen, der am Dirntag, den 10. Juli, von 81 Uhr im Hessischen Hof mit Mustern zu sprechen ist. Aus-: kunst kostenlos. Näheres die in heutiger Nummer enthaltene Anzeige überBrnchletdende".

Sinne, aber so ganz und gar in dem meinen, Nei­gung und Notwendigkeit kommen mir da so schön zusammen und das wunderbar klare, gesunde Freudegefühl: das kannst du auch und das möchtest du auch, wenigstens ähnliches."

Er las unter der SpitzmarkeMutige Frauen» von einer jungen Amerikanerin, Tochter eines Far­mers im Westen, bis mit ihrem Nater in sehr ähn­licher Welle wie Gerda allein gelebt, allein von ihm erzogen worden war, sein Wissen und seine prak­tische Erfahrungen sich angeignet hatte wie cs bei Gerda der Fall gewesen war. Nach der Vertrei­bung von seiner Farm durch einen Menschen, dem er Geld schuldig war und dem er die Tochter ver­weigert hatte, erschoß er sich, das Mädchen blieb bettelarm zurück und wollte sich nun sein Brot selbst verdienen, die väterliche Farm zurückgewinnen, die Schuld bezahlen. Sie legte Männerkleidung an, begab sich in eine andere Gegend, wo niemand sie kannte, verdiente sich zunächst als Gehilfe und Auf­seher bei einem anderen Farmer, dann bei einem Bärenjäger in Alaska und schließlich bei einem Rennstallbesitzer als Jockey, gewann mit ihrem leichten Gewicht, ihrer Reitkunst und Kaltblütigkeit mehrere Rennen glänzend und erwarb sich ein Ver­mögen. »

Nachdenklich blickte Pappke vor sich hin:

ja, das ist in Amerika, eine Amerika-^ nerin--"

(Fortsetzung folgt)

Wie bringen Sie

es fertig, liebe Frau Schmitz, trotz der schrecklichen Tcu.-rung sich und ihre Kinder immer so elegant zu kleiden? Sehr ein» fach; ich färbe alles selbst nur mit den n eltberühmte» echt»» Heitman«'» garte* Marke Fuchakops ii* Stern. 1

Heitmann » Farbe spart ve* Färbe«. ]

Zweites Blatts

MerhiMche Zeitung

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Ein Antrag Barth (Soz.), P r e n n e r (Z.) ur.b

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günstig« ist, und da ein Streik andererseits bei den heuti­gen Verhältnissen nicht lange bnrchgesührt werben kann, so wird «s zu schweren und langdauernden Lobnkämvftn wohl nicht kommen. Ein Nachteil ist freilich bas Fch- len eines zuverlässigen Maßstabes für ben Grad bet Teuerung. Der Lebenshaltungsinbe; in der heut'gen Berechnungsart versagt angsichts ber rapiden Ztmahme der Teuerung vollkommen. Die Reichsinderziffer für Juni weist gegenüber ber für Mai eine Steigerung von 100,5 Prozent auf. Niemand zweifelt aber daran, baß diese Prozentziffern inzwischen durch die sprunghaft.'» Preissteigerungen sämtlicher LeüeuÄedürsn-sft weit übe-« holt sind. Es ist höchste Zeit, daß die Regierung mit der Veröffentlichung wöchmtlich-r, nach verh-sserter Me- fbobe berechneter Jnderziffern beginnt, damit diese als Grundlage für die überall schwebenden Lohnverhand- (ungen diene» und eine friedliche Einigung Übe« bk Lohnhöhe erleichtern können. Di« Grenzen ber Lohn- :tnb Gehaltssteigerungen liegen steilich dort, wo durch sie bie Inflation beträchtlich gefördert werden könnte. Man hat deshalb z. B. gegen die viert-liährliche Gehalts- Vorauszahlung an bie Beamten Bedenken erhoben, bie zweifellos nicht ganz unbegründet sind, wenn auch von Seiten ber Beamten gewichtige Gegenargument« gel- tenb gemacht werden. Die Eesamtlage des brutschen Volkes ist viel zu schwierig und gefahrvoll, als daß er­hebliche Kräfte sich bei diesen inneren Auseinandersetzun­gen über ein Mehr ober Weniger der Lohnonpassnng an die Teuerung aufreiben dürft». Es gilt Pielmehr, alle Kräfte gegen den Feind von ark^en mobil zu machen, dessen Absicht, durch eine Wirtschaftskatastrophe Deutsch­land in innere Unruhen zu stürzen uns dadurch zur Un­terwerfung zu zwing:», heute wahrhaftig klar genug zum Ausdruck kommt.

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Nv. 157

Sonnabend, 7. Juli - 1923

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Sie WeklieftMielell ber ölmrzchlWeii eor Dem Meitelm.

Berlin, 5.Juli. Nach debatteloser Annahme eines Nachtrags zum Etat für 1923 wird der Eefttzentwurs über die Erhöhung der patentamtlichen Gebühren eickgäft'g angenommen, ebenso bie Aendernng ber Rechtsanwalts orbnung. Zur zweiten Beratung kommt der Gesetzent­wurf, durch den die Geltungsdauer der Bekanntmachung Iber die Maßnahmen g-gen den Wobnungsmangel über den 30. Juni 1923 hinaus verlängert und in einigen Punkten abgeändert werden soll. Danach sollen deutsche Flüchtlinge Von den Gemeinde» bei der Zuweisung vor. Wohnungen vorzugsweise berücksichtigt werden. Nack kurzer Aussprache toirb die Vorlage nach den Vorschlägen se8 Ai'-schusfes in »weiter urb briti't Lefnng angmom-

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4021

es, zu- 4ÖU

Obermeyerr (S.), bie Wohnungsbauabgabe auf 900C Prozent, mit ben gemeindlichen Zuschlägen also au' 18 000 Prozent zu erhöben, wird gegen ben Widerspruch der Deutschnationalen itnb Kommunisten angenommei'

Das Hans wandte sich dann den zahlreichen Steuer­vorlagen zu. Im wesentlichen sind es Verbrauchssteuern, aber auch Erhöhungen der Kapitalverkebrsstener und he Wechselsteuer. Reichsfinanzmimster Dr. Hermes leftet di« Aussprache ein und stellte ft st, daß es sich vor allem um das Problem handele, wie der fortschreitenden Geld­entwertung Rechnung g tragen werden könne. Die Vor­auszahlungen für die Einkommensteuer und die Körver- schaftssteuer solle» im wesentliche» der Geldentwertung angepaßt werden. Neben der Belastung des Konsums soll aber auch eine Bela^mng des Kapitals und der Bör­sengeschäfte erfolge». Es toirb weiter geprüft, ob die Quellen ber Einkommensteuer nicht noch stärker zuw Fließen gebracht toerben können. Die Ablieferung der Lohnabzüge burch den Unternehmer soll beschleunigt wer­den. Monatliche Vorauszahlungen bei der Umsatzsteuer feien nicht z» empfehlen. Die Bewertungsfrage sei ö'i den Umsatzsteuer» noch nicht völlig gelöst. Für bi- Ver- möaenssteuer müsse die neue Veranlagung zum 31.12 b. Js. stattfinden. Der Minister stellte eine Enouo«e von Richtlinien bezüglich ber Entwertung in Aussicht. Es soll ein Mnltiplirator festgesetzt werden zur Anpassung der Werte an die Friede ns werte. Für das Kapital von Handel und Industrie tverde als Grundlage der An- schafsungs- ober Herstellungspreis mit Zuschlägen ae-

sie sagte, ab von dem Himmel und Wald und Wasser, von zuhause, von ihrem Vater, ber ihr Kamerad, ihr Freamd, alles gewesen war. Der sie nie von sich ge­lassen habe, sie zum größte» Teil selbst unterrichtet, und wie sie dabei mchr von männlichem Wissen sich angeeignet habe als von dem, was so Mädchen braa- chen. Bis zu ihrem zehnten Jahre habe sie überhaupt kaum gewußt, daß sie ein Mädchen sei, und habe säst immer Knabenkleider getragen, wie das ja auch für ihre Beschäftigung in Wald und Feld und Stall das Bconcmste gewesen sei. Ganz zilletzt sprach sie von ,chem Manne", der jetzt in ihrem Vaterheim herschte. Und da wurde sie wieder wie vorher, da verschwand das. zarte jimge Mädchen, bas weiche Lächeln, der zärtliche Blick da blieb nur bas Männliche, der Trotz, der Ekel und der Haß und er begriff |ir besser in ihrem wildtrotzigen Wallen, das Mißgefallen i» ihrer freien, unbedenklich«» Auffassung wich und nur ba? sorgenvolle Bedenken blieb: wohin kann er führen! Siehst du nicht, daß über dem Gngang bas WortVerboten" steht?

Da sagte sie ihm, daß sie sich das Brot und bas. was sie darüber brauche, das Mehr, das Große, als Mann erwerben werde, um jenem ihr stolzes Wort zu halte» ihres Vaters Schulden ihm zu bezahlen. Dem Weibe, das tatenlos, mittellos, einsam sich auf ehrliche Art und Weise ein Vermögen schassen »olle, sei der Weg verschlossen. Ihr selbst noch mehr als anderen ihres Geschlechts, all ihr Können, all' ihr Leisten, all ihre hochausgebitdete» Fähigkeiten seien durchaus speziell mäin.k'che.t Berufen angepaßt. Dun» könne sie mehr leiste» als die meisten Männer. Siche­rer und geschützter käme sie auch wohl durchs Lebe» unter dem Aeußere» eines Mannes. Ihrem ganzen Wesen passe, bi? Maske.

Sie sagte es ihm in so einfach natürlicher Art, mit so ruhig llarem Wort, daß er schon beinahe selbst nichts Unerhörtes b.abet sand. Es war so viel ern­ster, fester, zielbewußter Entschluß, so gar nichts Ex- tradaganteS, Tollkühnes in ihren sachlichen Erläute-

MWMe MÄrMt.

Bon unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

:; Während sich an ben deutschen Effektenbörsen eine ijut durch kleine Rückschläge unterbrochene. Angleichung !Jer Kurse an die Geldentltoertung vollzieht, ist der lAiollarkurs in ber letzsin Woche ziemlich konstant geblie- ifcn. Man kann von einer Art vorläufiger Stabilisierung »guf dem Stande vo» 160 000 sprechen. Jeder Mann ltz sich darüber natürlich llar, daß der Kurs angesichts ,her schwankenden, in der Hauptsache aber mit Reckt 'pesfimistiick beurteilten außenpolitischen Lage Deutfch- IgnbS nicht dauernd behauptet werden kann. Der Reichs- iank ist es den» auch nur durch Repartierungen und durch Benachteiligung des Auslands bei der Zuteilung ge- : jungen, den Kurs in dieser Höhe zu erhalten und einen weiteren Marksturz zu verhindern. Diese Maßnahme» sind angesichts der heutigen deutschen Gesamtlage durch- ^«is z» billigen, aber man muß sich doch, wenn man sich fftiner gefährliche» Selbsttäuschung hingeben will, dar- tzber klar sein, daß der amtliche Dollarkurs an den deut­schen Börsen heute kein vollkommen richtiges Mld des gtnnbeS der deutschen Währung mehr darstellt. Man tzluß schon »ach ber Bewertung der Mark an den ausländi- ischcn Börsenplätze» sich erkunbigen, wenn man ein rich­tiges Urteil gewinnen will. Hier aber hat sich toitbentm M» eine, wenn auch nicht beträchtliche Kurssenkung ber Mark vollzogen.

i Die Reichsregierung setz) zur Fortsetzung ihrer Markstützungsaksio» ihren Verorbnungsfeldzug gegen die Epekulation fort. Eine zu Beginn ber laufenden Woche veröffentlichte Verordnung über Termingeschäfte und den Handel mit Dollarschatzanweisungen zum Einheitskurft will endlich dem Mißbrauch ein Vnde machen, ben bie Spekulation zur Umgehung ber Deviscnverordnungen bis­her mit ben Dollarschatzanweisungen betrieben hat. Wei­tere Verorbnungen sind bereits angekündigt, bie zwei­fellos weitere Verschärfungen ber Antispekulationsgefeh- tzcbung bringen toerben. Um so mehr treibt man freilich Has markslüchtige Publikum und die Spekulation aller ütattungen in das Effektengeschäft. Aber je länger -die Hcn.mung der Dollarhausse andauert, desto stärker 'piachen sich im Effektenverkehr der Mangel an flüssigen . Kitteln und die Kreditnot fühlbar. Wir haben es in der vergangenen Woche erlebt, tote ganz plötzlich Geld­not bie Börse» lähmte und bie Eckfftktenhausft zum Still­stand brachte. Vor solchen scharfen, ganz unertonrtet «nsetzende» Rückschlägen toerben toir auch in Zukunft nicht sicher fein. Es liegt im Wesen jeder Spekulation, daß den Gewinnmöglichkeiten immer ein entsprechendes Kisiko gegenübersteht unb j« mehr die Efftktenkurse ber Porkriegszeit unter Berücksichtigung ber inzwischen »vroenommenen Verwässerung ber Aktien sich an» läbern, eine desto größere Gefahr liegt für den Fall »ines Rückschlags vor, empfindliche Verluste zu erleiden.

Trotz aller Bedenken, dft gegen die Markstützungs- tzkiion immer wieder vorgebracht werden, verbreitet sich K den deutschen Wirtschastskreisen offtnfichtlich bie lieber» rnigung, daß ein weiterer Markverfall zu einer polrtr- schen wie zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen Wußte. ' Die Wirtschaftsträger, also in erster Lin» Industrie, Großhaitdel, Banekn »sw. haben sich deshalb Ruch bereitfinbett lassen, durch Ucbernahme weiterer gro­ßer Beträge von Dollarschatzanweisungen die Rüstung der Reichsbank für ihre Stützungsaktion zu verstärken. Man darf wohl hofft», daß hierdurch dieses Unterneh­men noch für längere Zeit mit Erfolg wirb fortgesetzt toerben können. Den gleichen Weitblick hat bie In­dustrie auch in der Lohnfrage geze-gt. D« Anpassung der Löhne und Gehälter hat sich bisher auch ohne Einführung der Wertbeständigkeit in erheblichem Umfange auf dem Verhandlungswege durchführen lassen. Auch in der Ber- fcter Metallindustrie hat der Llusbruch eines Groß- i streiks bisher vermiede» werden könne», unc es ist Aus­sicht vorhanden, daß es auch hier zu einer Einigung fcuimt, ohne daß erst eine längere Unterbrechung ber , Vroduktionstätigkeit eintritt. Kritischer liegen die Dinge h ber Berliner Holzindustrie unb im Berliner Bau­sgewerbe. Aber es scheint doch, als hätte die Börse bie iklnikgefahr in den letzten Tagen ein wenig überschätzt. :Da bie Arbeitstage in der Industrie nach wie vor eine

........IIII l

(Nachdruck verboten.)

Gerda Gerovius.

Roman von Ada von Eersdorss.

20. Fortsetzung.

| ' In einem Wirtshausgarten, wo es an Wochentrg-n lsthr still und einsam war, saßen sie in einer Laube, von wo aus man über einen kleinen See Hinblicken konnte. Blaßgolden lag die Sonne Über dem klaren '»Soffer und anmutig hingen bie roten Ranken des i. bilden Weines aus das weiße Tischtuch herab, das ein RLösten über ben Holztisch gedeckt hatte, weil sie hier zu Abend essen wollten. Matzlila 'Zeorginen, ßrlbgelbe und blutfarbene st'anben voll flimmernder Siebte im Abendschein, so still, so gerade, als lausch­te': sie und toaneten auf etwas, bas kommen müsse. Fern, von oben, kam b^r Ruf ziehender Kraniche, ober teau sah sie nicht. Der Himmel stand leer, wie eine blcukristallene Glocke über dem See unb dem Kie- jrr.rwalbe am jenseitigen Ufer, und so schien ber Bogel- $u| ein Nagender Abschiedssang ber Natur zu fein.

Ein großer, häßlicher Hund mit zottigem Fell unb Ni.gen Ai'gcn unter borstigen Haaren kam aus einem Kndüsch getrabt unb lief so eilfertig auf Gerda zu, ols höbe er gehört, baß sie da sei unb wollte sie begrüßen, feie legte bie Hand auf seinen dicken Kopf und sagte kiff. in Sinnen verloren, während sie ihn reichsteltc: «Tot lieber alter Tot..." und dabei wncde'es Umguter. Mann" an ihrer Seite wieder ganz wohl End lrann um das beklommene Herz. Denn jetzt sah fk wieder aus tote ein junges Mädchen, das etwas lieb­haben und streichAn kann, mit weicher Hand und i- tärtlichem Lächeln, nicht so wie gestern und heute je hart und stolz und hochfahrend, so wie ein Mann, der Dch nur auf seine Kraft unb seine Waffe verläßt und den Kamps mit jedem aufnimmt, ber ihm ben Platz kUreitig macht, auf dem er stehen will.

s L Tann erzählte sie ihm, immer mit diesem weichen «ck in die Ferne schauend, als lese sie alles, was