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Ihr

Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Marburg

1923

m j, H. Schäfer

Anzeiger für ldas früher kurheMchej Oberhesieii

1923

Berlin, 7. Juli. Rach Abschluß der llnter-

' Men-' jungen zwischen dem Reichskanzler und dem apo-

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ft an zur Feststellung des Tatbestandes einzufetzen, eine Antwort erteilt.

wird wte neu durch emaillieren o. vernlckde

Hebet die in den letzten Tagen abgehaltene Be- prechung des Reichskabinetts mit dem.preußischen Ministerpräsidenten Braun und dem preußischen Innenminister Cevering, in der die Stellungnahme der Reichsregierung gegenüber den Sabotageakt» n im besetzten Gebiet erörtert wurde, meldet das Tageblatt", daß die Besprechung volle Einigkeit

Nuntius Pacelli und dem Reichskanzler eine ma­terielle Einigung über die Frage der Sabotage, die der Nuntius zur Sprache brachte, am Donnerstag erfolgt. Gestern nachmittag wurde eine Einigung über den Wortlaut der Kundgebung erzielt, die gestern abend ausgegeben wurde. Es war die letzte Unterredung übet die Sabotagefrage.

Berlin,?. Juli. Hebet die Unterredung des Reichskanzlers mit dem Apostolischen Nuntius geht der Presse folgendes Kommunique zu:

Nuntius Pacevi hat im Auftrage der Kurie die Sabotageakte im besetzten Gebiet zur Sprache ge- bracht und die Ansichten und Wünsche des Heiligen Stuhls eingehend dargelegt. Zn seiner Erwiderung hat der Reichskanzler darauf hiugewiese«, daß es ich um Borfülle handle, die aus der Erregung eines gepeinigten Volkes und als verzweifelte Versuche der Notwehr zu erklären seien. Die Reichsregie- rrrng sei jedoch mit dem Heiligen Stuhl darin einig, jede verbrecherische Gcwaltauwendung zu ver­urteilen.

r. 4. ehen» unten

Paris,». Juli. Rach derChicago Tribüne" wird unter den Sanktionen im Zusammenhang mit dem französisch-belgischen Schritt in der Sabotage- krage für de« Fall einer deutschen Weigerung die Besetzung von Frankfurt und anderen große» Städten in der Nähe des besetzten Gebiet» er­wogen. «New Pork Herald" berichtet aus Loudon, daß heute im Unterhaus eine Anfrage an die Re­gierung gerichtet werde, ob sie von der drohenden Besetzung von Frankfurt und Casiel unterrichtet sei.

Zu bet Havas-Meldung übet die Absicht Frank­reichs und Belgiens, ihre Botschafter aus Berlin svent. abzuberufen, ist festzustellen, baß in Berlin nichts bekannt ist. Eine Mitteilung über eine etwa bevo> stehenbe Zurückziehung bet Botschafter ist hier nicht erfolgt

läge für weitere Bemühungen bc§ Papstes dienen soll. Der Papst habe befohlen, daft Nuntius PaeeM in Berlin verbleiben soll, lvaS stch aus der Hoffnung er- .... vast von Deutschland ein Memorandum in der Ruhrfraqe r« erlang n sei« wird. Eine Verständi­gung fei jedoch noch nicht erfolgt. Bon einer «rutra- len Botschaft «« Berlin will der Korrespondent er­fuhr en haben, dast der Besuch des päpstlichen Nuntius und das Telegramm Pius XI. noch nicht der letzte Schritt fei, den der Vatikan unternehme, um den Fried:« im Ruhrgebiet herzustellen, «uf diese Weise werde erwariet dast die für den 18 Juli zum 600- jShrigrn Jahrestag der Kanonisierung des Hl. Thro. nes zu erwartende Enziklilcn noch einmal sowohl Deutschland und Frankreich ermahne« werde, sich im Interesse der europäischen Zivilisation l« der Ruhr­frage zu verständig n.

Paris, 8.Juli. Die Morgenblätter begnügen sich 'N der Mebrzabl damit, die britischen Kommentare ihrer berliner Berichterstatter zu dem Schritt der diplomati­schen Vertreter Belgiens u. Frankreichs in bet Sabo­tagefrage wiederzngeben. So spricht betMatin"^von -iitcr seltenen Anmaßung des deutschen Mini­sters des Aeutzern. Es sei klar, baß Herr von Ro­senberg nicht eine derartige Sprache führen würde, wenn seine Beziehungen zu London ihm nicht Grund gäben, 'inige Hoffnungen auf die englische Regierung zu sehen. Da man eine sehr gerechtfertigte Aufforderung nach Ber­lin geschickt habe, so sei eS Har, daß man sich nicht mit einer ausweichenden Antwort begnü- f R « n e. MS man H-fe A"ffvch---"ng formulier habe, habe man auch sicher wohl Maßnahmen vor­gesehen, die im Weigerungsfälle getroffen werden sol­len. Journal" stellt vor Allem den verfehlten Cha­rakter d eses belg sch-französichen Schrittes in Berlin fest. Würde man sich mit irgend einer vagen Erklä­rung begnügen, dann, brauchte man sich erst nicht Mühe zu machen, eine Fortsetzung wäre weit schlimmer, denn man würde Gefahr laufen, in eine Debatte ver­wickelt zu werden, die man nicht fortsetzen könne, be­vor Deutschland kapituliert habe. '

Gustave H*rve glaubt in derBiktoire" dir Ange­legenheit dahin auslegen zu müssen, daß sie deü eng- lisch-französischen Gegensatz nur verschärfe.^ Es'habe keinen Zweck, der össenllichen Meinung verhehlen zu wollen, daß infolge der wahnwitzigen Haltung Eng- lands ernste Stunden bevorständen. *

gische» Nuntius über die Sabotageakte brachten «er« abend der belgische Gesandte und «ach ihm

in bet Frage ergab.

Die Aussprache mit dem Nuntius.

Berlin, 7. Juli. Wie ben Zeitungen geteilt wirb, ist in bet Aussprache zwischen

Ix französische Botschafter im Auswärtigen Amt e Vorfall auf der Rheinbrücke bei Duisburg Südlich zur Sprache.

Beide Missionschefs haben als Auffasiung ihrer egierung dargelegt, daß sich die Reichsregierung >rch Verordnungen für den passiven Widerstand ,d durch Beileidsielegramme für die aktivistischen rscheinnngen des Widerstandes verantwortlich ge- acht habe. Aus diesem Grunde müßten die ber­sche und die französische Regierung fordern, daß t Reichsregiernng das Attentat auf der Dnis- irger Brücke mißbillige uud alles unternehme, um t Täter zu ermitteln und zur Verantwortung zu chen. Zum Beweis für die Beteiligung von Deut­en teilte bet belgische Gesandte mit, baß aus bet rücke Bruchteile einet Explosivbombe gefuuben Berben seien.

Der Reichsminister des Auswärtige« aut- Bortete den beiden Verireiern in folgendem Sinne:

Der Vorfall in Duisburg fei der deuifchen Re­gierung bisher nur aus ben Zeitungsmelbungen be- ftmnt. Versuche, stch ein klares Bilb bavon zu ver­schaffen, seien gescheiteri, was nichi zu verwunbern jtt, da bie deutschen Lokalbehörde« keinerlei Mög- Lchkeit hätten, den Sachverhalt an Ort und Stelle «achzuprüfen; aber selbst wenn an dem Vorfall Deutsche beteiligt gewesen sein sollte», könne nicht zageaeben werden, daß die deutsche Regierung kgendeine Verantwortung dasiir trage oder in dgendeiner Weise zu derartigen Akten .ermutigt hebe. Die von der deutschen Regierung nach Be- gin» der Ruhraktion erlasiene» Verordnungen feien richt die Ursache, sondern die Folge des spontanen, aus der Seele der Bevölkerung emporgewachsenen Widerstandes.

Die Beileidstelegramme im Falle Schlageter feien eine durchaus natürliche und selbstverständ­liche Kundgebung, nachdem ein deutscher Mann von fremden Kriegsgerichten auf deutschem Bode« für eine wahrlich nicht aus ehrlosen Motiven began­gene Handlung widerrechtlich verurteilt und hin­gerichtet worden war. Stehe doch außer Zweifel, daß seine Absicht nicht auf Blutvergießen, sondern darauf gerichtet gewesen fei, den Besatzungstruppen bk unrechtmäßige Benutzung deutscher Verkehrs­mittel unmöglich zu mache«.

Eine Umdrehung der Begriffe sei es, wenn sich setzt Frankreich und Belgien berechtigt hielten, Deutschland für die Folgen ihres rechtswidrigen Einmarsches in das Ruhrgebiet und für die Folgen des maßlosen Terrors der Besatzuugstruppen ver­antwortlich zu machen. Dian dürfe nicht vrrgesien, daß, bevor irgendeinem Belgier oder Franzose« im besetzten Gebiet auch nur ei« Haar gekrümmt wor­den sei, bereits über 20 Deutsche schuldlos ihr Leben u«ter de« Kugel» der Be« fatzungstruppen ei»gebüßt hatte». Ei» Gewaltakt, wie er nach der belgischen und französi­sche« Darstellung auf der Duisburger Brücke be­gangen worden sei, liege nicht in de» Absichten und <6 der Politik der deutsche« Regierung, die «ichts »nterlaste, um die gepeinigte Bevölkerung zum be­sonnenen Verharre« a«f der Li«ie des passive« Widersia«d«s z» bewege«. Die A«gabe, daß man »» Ort der Tat Trümmer einer Bombe gesunden habe, könne jedoch keineswegs genüge«, um die deutsche Regierung von einer verbrecherische« Be­teiligung Deutscher zu überzeuge». I» diese« Zu­sammenhang müsse beispielsweise dar«« erinuert werden, daß sich «ach fra«zösische« Meldungen letz­te Zeit wiederholt Fälle ereignet hätten, wo frau­liche Soldaie« von eigenen Kameraden erfchosse« Warden feie«.

Was die deutsche Mitwirkung bei der weitere« i Grhandlung be» Falles anlange, so werbe sich bie ^ieichsregierung dazu äußer», sobald ihr i« kon- kreier und subftautierter Form dar Ergebnis der ^vherige« Untersuchung vorgelegt werde. Im »brige« sei zu bemerke«, daß bie deutsche Regierung mehreren Fällen geforbert habe, ben brutsche« ^Horden zu einer Untersuchung an Ort unb Stelle Gelegenheit zu geben. Dieser Forberung fei uie- ;wals entsprochen worbe«. Ebensowenig habe bie **®ei<>fi|dj» Regierung auf beu wiederholte« Vor- RUrg, eine internationale Untersuchungskommis-

DieOberhessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 20000 MI. mit Zustellungsgebühr. Für ausfallend« Nummer» infolge Streiks oder elementarer Ereignisse lein (Erjag. Serlag non Dr. T. Hitzeroth. Druck der Unw-Buchbtuckerei non Job. «ug. Koch, Markt 2123. Fernsprecher 55, Poft- fcheckkontn: Nr. 5015 Amt Frantturt a. Main.

Berlin, 7. Juli. DasAbendblatt" meldet: In be:: Kreisen, bie mit bet Auffasiung bet Kurie vertraut finb, gewinnt bie Ansicht mehr unb mehr an Boden, daß bie Anregung bes jetzigen Papstes, bie mit beut Brief an Easparri begann unb mit bem Telegramm an ben Nuntius Paeelli fortgesetzt würbe unb nun auch zu neuen Instruktionen an bie Nuntien in Paris unb Brüssel führte, weiter fort­gesetzt werden solle. Der Papst werbe stch überbies in eine« Enzyklika, bie gelegentlich ber 600jährigen Wiederkehr ber Heiligsprechung des heiligen Tho­mas von Aquin am 18. Juli veröffentlicht wirb, außer mit ben religiösen auch mit ben Zeitfragen beschäftigen. Der Papst sei biesmal entschlosien, seiner Stimme Gehör zu verschaffen. Die Zeit für bie Neuregelung der politischen Methoden ber Nach­kriegszeit sei gekommen.

Paris, 7. Juli. Nach einer Havasmelbung aus Rom wirb im Staatssekretariat bes Vatikans erklärt, baß nichts bekannt fei über päpstliche Jn- stri.ktionen an die Vertreter in Paris unb Brüssel dahingehend, bie bortigen Regierungen zu einer Milberung ihrer im besetzten Gebiet getroffenen ober unmittelbar bevorstehenben Repressalien aus- auszu fordern.

Der WiMoMA 6«eM

Paris, 7.Juli. Heber ben Inhalt der Besprechu.rg. die der französische Botschafter gestern mit Lord Curzon führte, verlautet borläufig nichts. Sowohl von fran- zesischer wie von ennfifrfier Seite wird strengstes Still- schweigen bewahrt. Indessen darf ruhig versichert werden, daß St. Aulaire den französischen Standpunkt in allen Einzelheiten, wie sie der englische Fragebogen verlangt, bem englischen Außenminister darlegte. Diese Erklärungen dürften nicht den Beifall von Lord Curzon gefunden haben. Es muß indessen zugesügt werden, daß, da die Angaben von St. Aulaire nicht offiziell im Namen ber französischen RegieriMg abgegeben wurden, Frankreich ev. nach Kenntnisnahme des englischen Standpunktes sich ?n irgend welchen Konzessionen bereit finden wird.

London, 7. Juli. Das Ergebnis der gestrigen Be- sprechungen zwischen Lord Curzon und den Botschaftern Frankreichs, Italiens unb Belgiens läßt sich dahin ;n- sammenfassen: Italien ist bereit, Englands Ausgleichs­versuche zu unterstützen. Belgien wird sich bemühen, die englisch-französischen Meinungsverschiedenbeilen zu mil­dern oder aus bem Wege zu räumen. Frankreichs bisher, erteilte Antwort ist in grundsätzlicher Beziehung dem eng­lischen Standpunkt nicht wesentlich e nt gegen gekommen.

Paris, 7. Juli. Zu ben Londoner interalliierten Verhandlungen schreibt der sozialistischePopulaire": Brüssel ist gestern in eine große Erregung versetzt worden durch einen Artikel der katholischenLibre Beige", der sich klipp unb klar gegen btt französische Ruhrpoütik ausfpricht. Es wirb sogar in Brüssel soweit g gangen zu behaupten, daß dieser Artikel von bem Anh-nminister Jaspar inspi­riert worben sei. Die belgische Regierung werde selbst­verständlich diesen Arttkcl dementieren unb es sei möglich, daß der Minister diese beginnende Kampagne nicht geför­dert habe, aber es liege nichtsdestoweniger auf ber Hand, daß in Belgien kein Burgfriede zu Gunsten der Außeu» Politik herrsche, angesichts des Umstandes, daß die Arbei­terpartei, die in der Oppositton die Hauptrolle spiele, bas zweite Kabinett Theunis heftiger denn je argreife.

Brüssel, 8.Juli. * Wie derJnbepandance Helge* mitteilt, Wick i» RcgicrunSkreisen erklärt, daß

Negierung und Sabotageakte.

$in itmM-delMtt Stritt - Srtliming du Mlers. Seiitran md Satiton.

Die Verhandlungen bes Nuntius Paeelli mit dem Kanzler über ben passiven Widerstand haben zu der oben angeführten Erklärnng geführt, die nach unserer Auffasiung glücklich be« brutschen Stanbpunkt roiebergibt. Der Eindruck im Aus­lände, namentlich in bem beteiligte« Frankreich, ist denn auch danach. Die französische Presie ist em­pört, daß man Deutschland Gelegenheit gegeben habe, Geschichten über den passiven Widerstand zu erzählen. Darauf aber muß es uns gerade ankom- men, diese Gelegenheit zv ergreife«, vor der ganzen Welt erneut auseinanderzusetzen, was einem ge­tretene« und gemarterte« Volk zugemutet wird. U«d diese Sprache versteht jeder.

R o m, 8. Juli. Der Vertreter des Wolff-Büros ist i« der Lage, mitzuteile«, daß das vo« der Reichsregierung über die Unterredungen des Reichskanzlers mit bem Nuntius Pacelli heraus- gegebene Kommunique im Vatikan mit großer Be­friedigung ausgenommen wurde.

Paris, S. Juli. DieChicago Tribüne" metb t ans Berlin: Sobald der Varilan ein endgültiges schriftliches Memorandum von Deutschland erhalte, wird der Papst fein Programm in dem franzöfisch- belgifchen Schritt unterbreiten. Die finde habe in ;w i Fragen von Deutschland Antwort verlangt, hin­sichtlich der Sabotage und der Reparationen. Beide Fragen feie« noch nicht b antwortet, dagegen würde die Sabotagefragc als geregelt betrachtet. Man nehme auch an, daft binnen kurzem eia Kares RevarationS- -ro-ramm zustande komme« werde, das als Gründ­

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Paris, 8. Juli. Havas meldet aus Koblenz! Di: Rbetnlandkommtsston hat gestern beschlossen, der französisch-belgischen Eisenbahnvegie eine vorläufige Entschädigung für den Eisenbahmmfall ans der Hoch­felder Brücke von 63000 Franken zuzusprechen, bW auS den Etnnabmen bes Deutsche« Reichs gefordert werden sollen. Hierzu bemerk W. T. B.: Der Eisen» babnunsall bet Duisburg ist ein Vorkommnis, das. mit unter bett durch ben rechtswidrigen belgisch-fran­zösischen Einbruch geschaffenen Lage möglich war. Die Etsenbabnbrücke stebr unter Bewachung des belgisch- französischen Militärs. Den deutschen Bebörden ist durch systemattsche Fetnhaltung und Aufbebung der Stcherb-ttsorgane eine Bewachung unmöglich gemacht worden. Die deutsche Regierung kann habet, wenn, wie durchaus noch nicht einwandfrei erwiesen ist, cS stch um ein Attentat handeln würde, aus feinen Fall für die daraus entstandenen Folgen haftbar gemacht werden. Der Rheinlandkonnntsston fehlt daher jeder Rechtstitel für ihr Vorgeben.

Berlin, 7. Juli. Zu ber von unS am 30.Juni wiedergegebenen Meldung, wonach ei« HavaSbericht aus Duisburg das Eisenbahnunglück auf eine Ex­plosion des Gasbehälters zurückgeführt babe, teilt dem W. B. Havas mit, daß sie eine derartige Meldung nicht verbreitet habe. '

Wie daSBerliner Abendblatt" auS dem Ruhr­gebiet meldet, wurden die Eisenbahner von Duisburg und Umgebung von der belgischen Besatzmrgsbehörd« a-'.fgesordert, sich am Montag früh bei der belgischen Kommandantur zu melden, nm ihre Ausweisungsbefehle entgegenzunehmen. Es handelt sich um etwa 200 Eisenbohnerfamilien mit rund 700 Personen.

Deutsche Geiseln zur Sicherung des Regie» zvgverkrhrs.

Paris, 7. Juli. Aus Düsseldorf wird mitge» teilt, daß die Besatzungsbehörden sich entschloßen habens, allen Zügen, die das besetzte Gebiet durchfahren, zwei Deutsche alS Geiseln mitzugeben, um auf diese Weise eine Wiederholung von Attentaten, wie sie am 30. Juni verübt worden seien, auszuschließen. Anderen Blät- zufolge soll es sich um eine Maßnahme handeln, die lediglich das Gebiet des Brückenkopfs Dutsburg-Ruhv- orts berühre. I -

Die Abschnürung bce besetzten Gebietes.

Trier, 7. Juli. Wie von zuverlässiger Seit« mitgeteilt wirb, beabsichtigen bie Franzosen, nach Ablauf ber 14tägigen Sperre diese nm etwa sechs Wochen zu verlängern nnb zwar mit der Begrün­dung, man habe die Urheber des Dnisbnrger Atten­tats noch nicht gefunden. ,

Regierungspräsident Gtützner richtete an Sen päpst­lichen Delegierten Monsignore Testa ein Schreibest, in dem et auf die schrecklichen Folge» der Verkehr-- i sperre für die Versorgung des Gebietes mit Nahrungs­mitteln hinweist. ES heißt darin: Ich unterlasse ad» sichtlich die Ausstellung der zahlreiche» Eingriffe i» die Einfuhr von Kartoffeln und Fetten, billigem ®e» wüse, Beschlagnahme der Zuckervorräte der rheinische« und der Ruhrbevölkerung, sowie der Eingriffe in da- Bankniesen, verweise jedoch besonders auf die Beschlag­nahme der letzten Kartoffelvorräte Duisburgs durch den dortigen GenerÄ. Die von ben BesatzungSbe» Hörden zugesicherte ungehindert« Zufuhr und die mif- gehinderte Ein- und Ausreise von LebeiPmittelhänd- lern steht auf dem Papier, sogar den ^Delegierten be# internationalen Rvtenl Kreuzes ist ber Zutritt MM Ruhreinbruchsgebiet kaum möglich. Die Zahl ber still sterbenden Opfer dieses nicht gehaltenen Versprechen­des Generals Tegoutte, oder seines Unvermögens, sei»? Befehle bei den Unterstellten durchzusetzen, mehrt sich stündlich und täglich besonders in ber Kinbertoclt.

Die Teuernngskatastrophe im besetzte« Gebiet.

Frankfurt a.M, 7.Juli. Die Teuerung im besetzten Gebiet broht geradezu katastrophal M wer­ben. Sogar hohe französische Verwaltungsbeamte in Koblenz sollen wegen brr AbkürMng ber Absperrung vorstellig geworden fein. Da in Frankfurt von den Aufkäufern im besetzten Gebiet jeder Ports gezahlt wird, steigen hier die Preise täglich um 25 Prozew und mehr. , i ! > U .

Frankfurt a.M., 7. Juli. Bis auf Weiteres Und unter dem Vvtbchalh daß Behinderungen durch ldie Besatzung nicht entstehen, werde« Züge in de« Richtung Elberfeld oder Schwerte bis zu den Ziel­stationen durchgeleitet. I .

Frankfurt a.M., 7. Juli. Für alle Reise» zwischen dem unbesetzten Deutschland und dem englisch besetzten Gebiet sind bis auf Weit-res besondere Be­scheinigungen erforderlich, die der englische KreiSrffi- jier ausstLt. Zunächst werden nur berücksichtigt Rriseantrögr aus Anlaß von Todesfällen oder Mr Er­ledigung besonders eiliger öffenüichet, dienstlicher ui* private; Angelegenheiten. Die Anträge fmd^.»at«i

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