Einzelbild herunterladen
 

Mttag, tM 18. Zull ISA

DieSbrrhrssisch« Sdteng" ec- scheint sechsmal wöchentlich. Be zugspreismonatllchr.io SM^rus- schließl. ZustellaugsgebLhr, durch di«Post2.35 LM.Für etwa infolge Streik«, Maschinendefekte oder elementarer Sieigntff* au«f<Lende Rnnmrern wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag v. Dr. §. Hthervth. Druck der Unib.-Buchdrucker«! v. ?»h. Ang. Koch, Markt 21/23, Fernsprecher: Rr. 54. e. Nr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion bca 4011 und

V-1 VH».

öbechMschr = Ocfiimn

St. 167 64. tobe. Rllkdllkg o. ratzu

Der Anzeigenpertt beträgt fär de» 10 g «spalt. Ze'lenmülrmelrr 0.08 GM^ kleine Baranzeigen 0.06 GM, amtlich« und au«- wLrttg« Anzrigea 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie Exi Platz- Vorschrift 50% Aufschlag. Sammelan zeigen 100 *1» Auf­schlag. Reklamen der Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt. Ziel 5 Tag«. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäft»stell« und Zusendung der Angebot». 4K» füllrmgsort Marburg.

1 Soldmatk = »/«DoNlr.

Anzeiger für (das frühere knrhefsifche) OSerheffen

Anzeiger der amtlichen Betanntmachnnge« fnr Stadt und Kreis Marburg.

Zwischen Kries an- Frie-en

Re AM her Stmmaittamlung in der MnnMmei - DenWand nimmt tie ZnieWrn WnnS m» Rußlands wahr - Ernste Beurteilung des Sil-ÄmstlllS

Berlin, 18. Zali. AKe die ll.« erfährt, ist das Moskauer Astzenamt am hentige« Donnerstag bei dem denk',chen Botschafter v. D i r k s e « vorstellig gewor­den «ad hat die Bitte ansgesprochcn, datz Deutschland angesichts des Abbruches der Beziehungen zwischen Sowsetrntzland and China die Wahrung der jowjet- rnssische» Interessen in China übernehmen möge. Di« Bitte ist sofort «ach Berlin weitergeleitet worden. Eben­so hat am Donnerstag der chinesische Ge­sandte in Berlin im Auswärtigen Amt die Bitte um Wahrung der chine­sische« Juteressen in Sowjet- r»hland durch die dortigen deutschen diplomatische« und konsularischen Bertrr- t«ugen ausgesprochen. Die Reichsregie­rung hat sowohl dem sowjetrusfische« wie dem chinesische« Ersuchen entsprochen.

X

DieGermania" schreibt zu der Be» trauung Deutschlands mit der Wahrnehmung der russischen und bei chinesischen Interessen:

Das Ersten Moskaus und Nan­kings um «schütz ibrer Interessen durch Deutschland bedeutet einen Akt von symbo­lischer Bedeutung und Tragmeite. Deutsch­land bat sich seit Kriegsende sowohl Rußland tote China gegenüber äußerst loyal verhalten. Deutschland bat sich in China durch den frei­willigen Verzicht auf seine sämtlichen Kon­zessionen und Vorrechte ein hohes Maß von Vertrauen und Hochachtung erworben. Und es hat Rußland in einer Zeit, als sich noch keine abendländische Macht um dte Sowjets bemühte, bereits weitgehende Zugeständnisse, Arbeitskraft und Anlethesummen gewährt. Umso mehr Anlaß wird Deutschland jetzt haben, in dem unbeilsckwangeren Konflikt, besten gordischer Knoten nicht mit einem Schlagwort zu lösen ist, Zurückhaltung und strikte Neutralität »u üben und ru wünschen, daß der unheilverkündende Streit nicht zwei ebenso zukunftsreiche wie selbstbe­wußte Nationen in einen Krieg stürzt.

DieD. A. Z." sagt u. a.: Es ist mit Ge­nugtuung festsustellen, daß sowohl die chine­sische wie auch die Sowjetregierung an Deutschland mit der Bitte herangetreten sind, den Schutz der Chinesen in Rußland und der Rusten in China zu übernehmen. In dieser Taisache ist eine Anerkennung der Friedens- vrbeit Deutschlands zu sehen die es auf seine eigenen Kosten und zugunsten des Weltfrie­dens in den letzten Jahren geleistet bat. Und in der Tat bat Deutschland nur das eine In­teresse mit allen Kräften daran mitzuarbeiten, daß, wie jeder andere Krieg, so auch der Krieg Stoischen der Sowjetunion und China verhin­dert wird.

Die Begründung des sowjetrussischen Schrittes.

Moskau, 18. Juli. Zu der Rote der Cowjetregierung, die den Abbruch der Be­ziehungen zu China ankündigt, fchickt die bereits gemeldete Mitteilung den von der Sowjetregierung getroffenen Maßnahmen noch eine Begründung voraus, aus der die Telegraphenagentur der Sowjetunion das Folgende mitteilt:

In dem Wunsche, die durch die chine­sischen Behörden verletzte rechtliche Basis der Beziehungen zwischen der Sowjet­union und China wiedcrherzustellen, hat die Sowietregierung in ihrer ersten Rote drei als das Minimum des Rotwensi- len zu bezeichnende und durchaus gemä- ligte Vorschläge gemacht. Die chin -- ische Regierung hat diese Vor- chläge in vollem Umfang abge- lehnt. Anstatt die Wiederherstellung de: Abmachungen von Peking und Muk- den zu bringen, sanktioniert die chinesisch? Note die einseitige Ausführung dieser Abmachungen und zerstört dadurch die Möglichkeit normaler Beziehungen zwischen

beiden Staaten. Anstatt der Aufhebung der gegen die Oftchinabahn getroffenen ungesetzlichen Maßnahmen sanktioniert we chinesische Rote diese Maßnahmen und billigt somit die Besetzung der ostchinesi­schen Bahn. Ebenso sanktioniert die Rote der chinesischen Regierung die unrechtmä­ßigen Repressalien gegen Sowjetbürger und Sowjetinstituatronen und sucht sie in heuchlerischer Weise durch einen den Tat­sachen nicht entsprechenden Hinweis auf angebliche Massenrepressalien. gegen chine­sische Staatsbürger in der Sowjetunion z« rechtfertigen, obwohl hinreichend be­kannt ist, daß in der Sowjetunion Zwangsmaßnahmen nur gegen eine kleine Anzahl von Spionen, Opium­schmugglern, Spelunkenbe­sitzern und sonstige kriminelle Elemente unter den chinesischen Bür­gern angewendet werden. Die chinesische Rote übergeht die Frage der unverzügli­chen Einberufung einer Konferenz, weist damit den dahingehenden Vorschlag der Sowjetregierung zurück und zerstört damit

die Möglichkeit einer Regelung des Kon­fliktes durch eine Verständgung der Par­teien. Wenn die Rote der chinesischen Re­gierung russische Propaganda als Ursache der unrechtmäßigen Schritte der chinesi­schen Behörden bezeichnet, so ist das erlo­gen und heuchlerisch, denn die chinesischen Behörden verfügen über hinreichende Büt­tel, um eine derartige Tätigkeit nicht zu­zulassen und ihre Einstellung zu erzwin­gen, wenn sie wirklich vorhanden wäre, ohne sich der Oftchinabahn zu bemächtigen und die zwischen China und der Sowjet­union bestehenden vertraglichen Beziehun­gen abzubrechen. Die wirklichen Hinter­gründe des gewaltsamen Vorgehens an der Oftchinabahn erhellen besonders aus einer in der Presse veröffentlichten offi­ziellen Erklärung Tschiangkaischeks. Tschi- angkaischek rechtfertigt durch das unrecht­mäßige Vorgehen an der Oftchinabahn und erklärt direkt:

Untere Schritte, die darauf gerichtet sind, die Ostchinabahn in unsere Hände nehme«, enthalte« nichts

MONK5OLE1

Muk

Peking

Sibirische Bahn, «w Cstchinesische Bdhnen----Übrige

Bannen, wmQrenze Chinas,---Grd.Mandxh.

Die.

)stcbfoesl Bahn.

Chabärcwskl-

:a

\Chdrbin

l I

« i

t

Außergewöhnliches. Wir wolle« zu­nächst die Oftchinabahn m unsere Hände nehmen «nd sodann zur Erör­terung anderer Fragen schreiten.

Diese Aeußerungen Tschiangkaischeks lasten hinsichtlich der wahren Hintergründe der chinesischen Rote vom 17. Juli keinem Zweifel Raum. Auf diese Begründung folgt dann die bereits bekannte Ankündi­gung der von russischer Seite beschlossenen Maßnahmen.

Kellogg glaubt nicht an eine« chinesisch, russischen Krieg.

fk. London, 19. Juli. Der frühe« ame­rikanische Staaissekretär Kellogg befaßte sicht am Donnerstag in einer Rede in Sankt Paul im Staate Minnesota mit de« russisch- chinesischen Streit.Ich glaube nicht", so sagte er,daß diese beiden großen Na­tionen durch den Abbruch der divlomatischen Beziehungen, durch den die Lage gewiß ver­schärft wurde, sich kriegerisch auseinandersetzen werden.. Sollten sich die beiden Mächte dazu entschließen, den Weltfrieden $u brechen, so bin ich sicher, daß die anderen großen Mächte in der Lage sei» werden, dies zu verhindern.

Neutralität 3«®«ws.

Tokio, 18. Juli. Wie aus Peking gemel­det wird, bat die javanische Regierung dem chinesischen Botschafter mitgeteilt, daß sie »um Abschluß des chincstsch-javanischen Freund- schaitsvertrages bereit sei, falls die Nanking- Regierung den Status quo für die süd- mandschurische Eisenbahn hcrstelle. Die java­nische Presse veröffentlicht Mitteilungen des Außenministeriums, in denen es beißt, daß Japan im russisch-chinesischen Streit d i e strengste Neutralität wahren werde.

In der Sitzung des javanischen Kabinetts erklärte der Kriegsmini st er, daß nach zuverlässigen Mittertungen die Sowjet*

regierung an der chinesischen ©tengc 80 000 Mann gut bewaffneter «usuppen zur Verfügung 6abe. Die a)tnejtf$e Regierung verfüge gegeu- wartig an der Ostbahn über 150 000 kampf­bereiter Truppen. Der Kriegsminister nannte die Lage in der Nordmandschurei als sehr be­droht und erklärte, daß nunmehr Japan vor die Notwendigkeit gestellt werden könnte, zum ruhrsch-chmsstschen Streit Stellung zu nehmen.

*

Rußlands «mttärifche Vorbereitungen.

London, 18. IM. Nach englschen Mel­dungen aus Riga werden der chinesische Geschäftsträger m Moskau und die Mitglieder der chinesischen Gesandt­schaft am heutigen Donnerstag aus der sovqetrussischen Hauptstadt abreisen. Gene- rat B u d j e n n y ist von seinem Urlaub zu- ruckgerufen und von der Sowietregierung be­auftragt worden:

ein starkes Luftgeschwader an der mandschurischen Grenze zusammenzuziehen,

2. die Infanterie-, Kavallerie- und Tank-Abteilungen in denEreuz- getneten zu verstärken. Für diesen Zweck ist alles verfügbare Eifenbahnmaterial beschlag­nahmt worden.

3. die Garnisonen in Leningrad wb Mos­kau bedeutend zs verstärken.

Trotz dieser Maßnahmen wrd jedoch der Sowietregierung der Wunsch zugesprochen, die Feindseligkeiten untr allen Umständen zu vermeiden.

Wbreise des russischen Generalkonsuls in Peking fk. London. 19. Juli.Daily Mail" berichtet aus Peking: Der russische Ge­neralkonsul in Peking wird voraus- sichtllch heute nach Moskau abfahren. Der deutsche Gesandte wird dann die rns- jisihen Interessen wahrnchmen. .

KaMnglW Mr nW?

3n Moskau ist man zu der Ueberzew» gung gekommen, daß die chinesische Ant­wortnote auf das russische Ultimatum nicht so befriedigend ausgefallen fei, wie die SolvjetS ertvartet hätten. Und des» halb hat man dort kurz entschlossen den Schritt getan. Man hat die Regierung mit der Aanking-Regierung abgebrochen, man hat alle Sowjetdiplomaten und Äon* sulatsvertreter aus China abberufen, man hat die diplomatischen .Vertreter Chinas aufgefordert, Ruhland zu verlassen, man hat schließlich nm den Ernst der Lage rich* ttg zu dokumentieren, die Grenze Sowjet* rußlands gegen die Manschurei gesperrt und den Eisenbahnverkehr nach China un­terbrochen. Damit haben die Sowjets in Moskau einen Zustand proklamiert, der zwischen Krieg und Frieden liegt und der in dem üblichen Verkehr der Völ­ker als der .Vorbote einer tatsächlichen Kriegserklärung angesehen werden mühte. Bevor wir uns einer Bewertung der durch diesen Ausbruch der diplomattschen Be* ziehungen gewordenen neuen Lage zu- wenden, forschen wir.einmal nach den Wo* ttven, die Moskau zu seinem weittragenden Schnitt führten.

Die Ranking-Regiettrng Hot in ihrer Antwortnote an die Sowjets die Behaup­tung aufgestellt, daß der chinesische Pro­vinzgouverneur in der Mandschurei z« sei­nem Vorgehen gegen die russischen Be­amten der mandschurischen Bahn durchaus berechtigt gewesen fei, da eine starke bol­schewistische Propaganda in dieser Gegend sowie gewisse Vertragsverletzungen Der Sowjetbeamten ein Eingreifen notwendig gemacht hätten. Daß eine solche Behaup­tung in Moskau wenig Freundlichkeit be­gegnen würde, war anzunehmen, aber man beurteilte die Rote Bankings in der West* öffenttichkeit doch nicht so kraß, weil ja das Wesentlichste der Rote in der Mittei­lung lag, daß sich der ordentliche chinesische Geschäftsträger mit allen Vollmachten der Aanking-Regierung versehen, zur Ver­handlung nach Moskau begeben würde. 3n dieser Zusicherung Chinas lag ein ge­wisses Entgegenkommen auf die Haupt­forderung der Sowjets, nämlich den gan­zen «Streitfall einer gütlichen Aussprache zu übermitteln. Kemlzeichnenderweise hat Moskau dieses Entgegenkommen nicht so bewertet, wie es für die Beilegung eines so ernsthaften Konfliktes unbedingt not­wendig gewesen wäre. Es sah in der chi­nesischen Rote nur die Anklage. Sei es nun, daß diese Anklage den Sowjets auf die Rerven ging, oder sei es, daß sie in dieser Anklage einen von chnen gewüHch- ten Vorwand fanden, rett der Faust auf den Tisch zu schlagen jedenfalls genügte er den Sowjets, um den Abruch der Be­ziehungen za verkünden. ,

Die wichtigste Frage, die sich auf ®nm£> der neuen Situation erhebt: Ist es den Russen wirklich ernst mit einem Waffengang nach China? Läßt der drohende Don der russischen Abbruche- note auf die ernste Absicht Moskaus schlie­ßen, den Streitfall um die mandschurische Bahn durch eine blutige Kriegs Handlung zur Lösung zu bringen? Würde man sich an den Ton der letzten russischen Rote und auch an die Auslassungen der Sowjet­presse halten, so müßte man diese Fragen mit einem Ja beantworten. Zum Glück ist aber nicht immer der Wille ausschlag­gebend zur Kriegssührung. Man muß also nachforschen, ob auch die Russen tatsächlich in der Lage sind, heute einen größeren Krieg führen zu können. Man wird da feftftellen, daß im Augenblick in Rußland fast alle Voraussetzungen für einen solchen Krieg fehlen. Zunächst fehtt es den Rus­sen an Geld. Zu dieser Geldkalamität tritt eine sich von Monat zu Monat stei­gernde Industriekrise, die noch besonders durch die große Spannung zwischen den Sowjetbehörden und der Bauernschaft des Landes verschärft wird. Auch rein außen­politisch gesehen kann ein Krieg den Rus­sen im Augenblick nicht gelegen jein. In