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Marburg a. Lal>n
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen Mr Stadt und Kreis Marburg
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«/,1—1 Uhr.
Sbechessische
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Die Bedeutung des Vorschlages
Rach Hoover interes-
Etaaten ergeben, der die Kreditstabilität vieler ausländischer Länder vermindert.
Diese und andere Schwierigkeiten im Auslande verringern die Kaufkraft für unsere Exporte und find in einem gewissen Mähe die Ursache für unsere dauernde Arbeitslosigkeit und die dauernde Senkung der Preise für unsere Landwirte.
Weises und zeitlich richtig angebrachtes Handeln sollte dazu beitragen, den Druck von diesen ungünstig wirkenden Kräften in ausländischen Ländern zu erleichtern und sollte zur Wiederherstellung des Per-
Wirtschaftliche Besinnung?
Ex occidente lux! Diesmal soll also Las Heil aus dem Westen kommen. Wir brachten bereits in der Sonnabend-Nummer die allgemein gehaltenen Erklärun> gen des Präsidenten von Amerika, Hoover, denen man nichts anderes entnehmen konnte, als den Wunsch Amerikas, Deutschland in seiner schwierigen Situation zu Helsen, was für Amerika wenrg-
oder zum Wiederaufbau gegebene Vorschüsse zustehen, wurden auf einer Grundlage geregelt, die weder in einem bestimmten Verhältnis, zu den deutschen Reparationen oder ihnen überhaupt in irgendeiner Beziehung steht. Daher find deren Rückzahlungen notwendigerweise ein rein europäisches Problem, mit dem wir nichts zu tun haben.
Ich sümme auch nicht im entferntesten Sinne einer Streichung der an Amerika fälligen Schulden bei. Das Vertrauen in der Welt würde durch eine solche Handlungsweise, die auch von keinem unserer (Fortsetzung siehe Seite 2>
stens eine Aenderung seiner ganzen bisherigem Politik in dem Problem der Schulden und Reparationen bedeutet.
Was die Botschaft im einzelnen bedeutete, wußte man nicht, alle angeblichen Meldungen waren vage Kombinationen.
Der jetzt vorliegende Text der Hoover- schen Erklärungen besagt nur, daß Amerika für Deutschland einen einjährigen Zahlungsaufschub für alle Kriegsschulden und Reparationen erreichen will.
Zunächst ist festzustellen, daß der Hoo- versche Vorschlag über das hinausgeht, was auf Grund des Youngplanes von uns zu erreichen wäre und es dürfte auch keinem Zweifel unterliegen, däß ein Feier-Jahr in der Tributpolitik für die deutsche innere Lage sowohl wie für die Devisenpolitik der Reichsbank eine Entlastung bedeutet, die nicht zu unterschätzen ist. Aber es darf nicht verkannt werden, daß diese Entlastung in Aussicht gestellt wird sozusagen 5 Minuten vor Zwölf. Es wäre völlig abwegig, hochherzige Gesten von Staat zu Staat zu erwarten. Amerika ist selbst in schwieriger Lage, hat trotz allen privaten Reichtums als Land nichts zu verschenken und will nichts verschenken. Wenn es jetzt ein- qreift und vorerst — vorsichtig ausgedrückt — das Problem der Weltwirtschaft — das ist das der Reparationen — ein Stück vorwärts treiben will, so liegen gewiß ureigen st e amerika nische Interessen vor, die es da- zu veranlassen. .
Die verständigen Leute tn Deutschland wissen, daß uns niemand helfen will wir appellieren auch nur an die wirtschaftliche Einsicht der Welt. Wenn der eherne Mantel, der diese eingeschlum-
trauens helfen und auf diese Weise den politischen Trieben und die wirtschaftliche Stabilität in der Welt fördern.
Der Kernpunkt dieses Vorschlages liegt darin, Zeit zu geben, um den Schuldnern- regierungen es zu gestatten, ihre Prosperität wieder zu erlangen. Ich schlage daher dem amerikanischen Volke vor, daß es in seinem eigenen Interesse ein m ®11 ® r Gläubiger und ein guter Nachbar sein soll.
Ich wünsche diese Eelegenheit ,« ergreifen, am offen meine Ansichten Aber unsere
Präsident Hoover, ff. Rewyork, 22. Juni. Washingtoner Berichten, wird energisch etwaige Gegenvorschläge fierter Mächte ablehnen.
Rewyork, 21. Juni. Präsident Hoover hat, wie das Weiße Haus Sonnabend spätabends bekannt gab, den europäischen Nationen eine einjährige Suspendierung aller Schulten staaten an die Bereinigten staaten sowie eine einjährige Suspendierung der Reparationszahlung an die Alliierten »o«geschlagen, um Deutschland vor dem Chaos zu retten.
Die Erklärung ist das Ergebnis der Besprechungen Hoovers mit den Kongreß- führern.
Die Erklärung Hoovers.
Die Erklärung Hoovers hat folgenden
Wortlaut:
Die amerikanische Regierung schlägt sür die Dauer von einem Jahr eine Zahlungseinstellung auf alle Zahlungen, sowohl Kapital wie Zinsen, hinsichtlich aller Schulden zwischen den Negierungen, der Reparationen und der Reliefschulden (Wiederaufbanschulden) vor. Hierin sind aber Verpflichtungen der Negierungen gegenüber Privaten nicht enthalten.
Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Kongreß wird die amerikanische Regierung einen Aufschub auf alle Zahlungen von den Schulden der ausländischen Regierungen an die amerikanische Regierung gewähren, die während des am 1. Juli beginnenden fiskalischen Jahres zahlbar sind, jedoch unter der Bedingung eines gleichartigen einjährigen Moratoriums auf alle zwischen den Regierungen bestehenden Schulden, die den wichtigsten Eläubigerländern geschuldet werden.
Diese Methode des Handelns haben bie folgenden Senatoren (es folgt eine Liste von 21 Senatoren, unter denen sich Ashurft, Bingham. Borah. Morrow, Moses, Davis und Reed befindenl und die folgenden Mitglieder des Repräsentantenhauses (es folgt eine Liste von 18 Namen) zugestimmt. Sie ist auch von M. Charles, G. Dawes, dem amerikanischen Botschafter in Großbritannien und Mr. Owen Young gutgeheißen worden.
Der Zweck dieser Hnndlungsweise besteht darin, das kommende Jahr der wirtschaftlichen Erholung der Welt zu widmen und dazu beizutragcn, die Kräfte der Wiederherstellung, die sich in den Vereinigten Staaten bereits bemerkbar machten und in Bewegung sind, von den herrschenden Einflüssen, die vom Ausland Herkommen, zu befreien.
Die Weltdepression ist viel härter als unsere eigene betroffen. Einige von diesen Ländern fühlen in einem ernsten Ausmaß den schwächenden Einfluß dieser Depression auf die Wirtschaft des Landes. Das Gefüge der regierungsseitigen Schulden, das sich in normalen Zeiten tragbar gestaltet, wiegt schwerer inmitten dieser Depression.
Aus einer Mannigfaltigkeit von Ursachen, die sich aus der Depression ergeben, wie der Sturz in ausländischen Produkten und der Mangel an Zutraueni in die Wirtschaft und politische Stabilität des Auslandes hat sich ein normaler Zukluß von Gold nach den Vereinigten
Beziehungen zu den deutschen Reparationen und zu den Kriegsschulden der alliierten Regierungen kundzutun. Unsere Regierung hat an der Festsetzung der Reparationsverpflichtungen keinen Anteil genommen und hat auch hierzu von seiner Stimme keinen Gebrauch gemacht. Wir haben absichtlich weder an den allgemeinen Reparationen, noch an der Verteilung der Kolonien oder Eigentums teilgenommen.
Die Zahlungen der Schulden, die uns von den Alliierten für im Kriege gemachte
Es haben somit die Vertreter beider Pm- teien Hoover zugestrmmt, so daß man honen darf daß auch der Kongreß auch nn Plenum die große Aktion Hoovers billigt
Welche Mächte der amerikanischen ^Aktion zustimmen werden, ist zur Zeit noch nicht endgültig bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, daß sowohl England wie auch Italien den amerikanischen Plan billigen. Welche Stellung Fran frei ch entnehmen wird, ift in Berlin noch nicht bekannt. Man verkennt keineswegs, daß eine Annahme des Hooverschen Planes Frankreich gewisse Opfer auferlegen würde, hofft aber, daß es den Vereinigten Staaten gelingen wird die stan- zösische Regierung und die französische öffentliche Meinung davon zu überzeugen, daß. der Plan im Eesamtinteresse aller Staaten liegt. Besonders wird hervorgehoben, daß die Rot- wendigkeit einer Zusammenarbeit mit Frankreich allgemein gewürdigt werde und daß man hierauf auch ganz besonders m Berlin Wert lege.
Endlich wsid hervorgehoben, daß die letzte Ursache für den Schritt Hoovers in der Verschärfung der Wirtschaftskrise zu suchen sei. Es sei das.besondere Verdienst des amerikanischen Botschiffters m Berlin. Sackett, daß er das Weiße Haus über die großen Gefahren der Krise m Deutschland aufgellärt habe. Ihm sei es jedenfalls zuzuschreiben, wenn sich die Erkenntnis von der wahren Lage Deutschlands endlich durchgesetzt habe.
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Deutschland hat bereits zugestimmt.
Berlin, 21. Juni. Die Reichsregierung ist über de» Vorschlag des amerikanischen Präsidenten ebenso wie die anderen Hauptmächte auf dem Wege über ihre Botschaft in Washington am Freitag abend unterrichtet worden. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat ste der amerikanischen Regierung bereits ihre Zustimmung zu dem Vorschlag mitgeteilt.
Berlin, 21. Juni. An den Berliner amtlichen Stellen wird bet Schritt des amerikanischen Präsidenten Hoover, wie schon aus der Zustimmung der deutschen Regierung hervorgeht, auf das lebhafteste begrüßt. Man erwartet, daß der Schritt nicht nur eine Erleichterung der deutschen Lage zur Folge haben wird, sondern daß auch die Einschaltung der USA. in di« Weltkrise und der heroische Entschluß der amerikanischen Regierung, das Rad noch einmal herumzuwerfen, von günstigstem Einfluß sein werden.
Man weist darauf hin, daß Hoovers Erklärungen das Kernproblem, das für Deutschland von Bedeutung ist, nämlich die Entstellung der Zahlungen auf ein Iahr an die Spitze stellt und begrüßt es besonders, daß Hoovers Anerbieten an die Bedingung geknüpft ist, daß die Gläubigerstaaten alle ihnen geschuldeten Zahlungen für em Jahr aufschieben. Eine Annahme der Hooverschen Vorschläge würde somit nach deutscher Auffassung bedeuten, daß auch die Zahlungen für den ungeschützten Teil aufgeschoben werden würden.
Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß Deutschland trotz dieses Zahlungsaufschubes «ine Reche von Zinszahlungen weiter zu leisten haben würde, würde der Hooversche Plan in der Zett vom 1. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 eine Erleichterung i« Höhe von 1500 Millionen mit sich bringen, von denen etwa 800 Mil- ,tonen dem Reichshaushalt und 660 Millionen der Reichsbahn zugute kämen.
Besonders hervorzuheben ist nach deutscher Auffassung, daß Hoovers Aktion wohl- vorbereitet ist. Dies geht u. a. daraus hervor, daß nicht weniger als 23 Senatoren und 18 Mitglieder des Repräsentantenhauses dem Plan des amerikanischen Präsi-. deuten zugestimmt haben, unter ihnen vor allen Dingen auch Young und Dawes.
Ein Jahr Atempause