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Freitag.

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6 Millionen Deutsche arbeitslos!

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Nr. 18 67. Mrs. Marburg o.2nlm

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0berchMsche Zeitung

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Anzeiger für (bas frühere kur-hessische) Oberhesse»

Anzeiger der amtlichen «ekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Aber Frankreich fordert Fortsetzung der Tributzahlungen und droht mit Zwangsmaßnahmen

Wochenend-Reise Lavals nach Landon?

ft Paris, 22. Jan. In den späten Abendstunden des Donnerstag verbreitete sich in gntnnterrichteten und politischen «reisen das Gerücht, daß Ministerpräsi­dent Laval von Macdonald rin­gel a d e n worden sei. das Wochen­ende in London zu verbringen, da sich »er englische Ministerpräsident gezwun­gen sehe, seine ursprünglich beabsichtigte Reise nach Paris auszugeben. Laval soll angeblich noch leinen festen Entschlich gefaßt haben.

DerQuai d'Orsay" hat am Don­nerstag die englische Mitteilung von der Vertagung der Tributkonferenz bestätigt und hinzugefügt, daß dieser Beschluß i n voller Uebereinstimmung mit der französischen Regierung gefaßt worden sei. Man sei sich darüber Har geworden, daß die zwischen den ein­zelnen Regierungen geführten Bespre­chungen bis zum 25. ds. Mts. noch nicht beendet sein könnten.

Asiatin" über Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland.

DerMatin" macht heute Vorschläge für wirtschaftliche und finanzielle Druck­mittel, die Frankreich anwenden muffe, wenn Deutschland die Reparationszah­lungen einstelle.

1. müsie die Boni von Frankreich sich weiger», den Anfang Februar fälli­gen 25 Millionen Dollar-Kredit an die Reichsbank zu erneuern. Was gehe Frankreich das künf­tige Schicksal der Mark an?

2. müsse Frankreich sofort den deutsch- französischen Handelsvertrag vom Jahre 1927 kündigen.

Zrankreich könne und müsie gegenüber Deutschland, das sich weigere, seine Ver­träge einzuhalten, Verfahren ernschlagen, wie sie in allen Ländern die Gläubiger ge­genüber böswilligen Bankerot­teuren anwenden. In den gegenwärtigen Zeiten könne dieses Druckmittel seine Wirkung nicht verfehlen.

Die Revisionsfrage und die parlamen­tarische Lage in Frankreich.

st. Paris, 22. Jan. In der bisheri­gen Kammerdebatte haben nach der etwas verworrenen Rede des Abgeordneten Marin und den nicht mehr ganz neuen Reparationsvorschlägen Blums und F o r g e o t s die Ausführungen H e r r i o ts die größte Aufmerksamkeit gesunden. Herriot hat sich in der Reparationsfrage aus den gleichen Standpunkt gestellt, wie ihn die französische Regierung bis jetzt in allen ihren Verhandlungen eingenommen hat. Es besteht kaum ein Unterschied wischen seiner Haltung und der eines Angehörigen einer Rechtspartei, es ser denn in der Tonart, in der die Stellung­nahme vorgebracht wird. So konnte es Sr nicht wundernehmen, daß Herriot am hlusie seiner Ausführungen die einstim­mige, geradezu begeisterte Zustim­mung der Regierungsmehrheit gefunden hat. Die Rede Herriots hat Laval seine heutige Aufgabe, den Stand­punkt der französischen Regierung klar zu legen, wesentlich erleichtert. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß die Mehr­heit, die der französischen Regierung das Vertrauen ausspricht, sehr ftarf sein wird.

Erregter Zwischenfall während der Jnter- peNationsdebatt« in der fanzösischen Kamm«.

Die Nachtsitzung der Kammer, die um 9 Uhr begann, mutzte nach kurzer Zeit wegen eines Zwischenfalles unterbrochen werden. Als Interpellant sprach der Abgeordnete De,lsol von der Fraktion M a g r n o t. Deli-ol lagte, die Erklärung des Reichskanzlers bedeute

nicht, Deutschland könne nicht mehr zahlen, sondern Deutschland wolle nicht mehr zahlen. Es sei also unnütz, die Verhandlungen fort­zusetzen.

Man müsse Deutschland gegenüb« die stark« Faust zeigen und dürfe nicht nach­geben. Namentlich in d« Abrüstimgs-

Furchtbare Zahlen

Berlin, 21. Jan. Am 15. Januar 1932 waren bei den Arbeitsämtern rund 5966000 Arbeitslose gemeldet. Die Znnahme seit dem Jahresende belief sich auf annähernd 300 000. Seit dem Tief­stand des vergangenen Sommers ist die Arbeitslosenzahl nm mnb 2012 000 ge­stiegen. Gegenüber dem letzten Stichtage hat Me Zahl der Arbeitslosen in den Sai-

Lbrigen Berufsgruppen nm 5,9 v.H. zu- genommen. In der Arbeitslosenverfiche- rung stieg die Zahl der Hauptunter- stützungsempfänger nm rund 136 000 auf rund 1778 000 (35,9 v.H. der unterstütz­ten Arbeitslosen), in der Kriseufürsorge um rund 41000 auf rund 1547 000 (31,3 v. H.). Die Zahl der Wohlfahrtserwerbs­losen erhöhte sich Mitte Januar um rund 63 000 auf rund 102S M. .

^onanßenberuf«« «m 4,4 P.H., in den

Phantastische Schwierigkeiten

Der .'ieichsrat fordert Hilfe für Länder und Gemeinden

Berlin, 21. Jan. Der Reichsrat faßte heute einstimmig eine Entschließung, tn der es heißt:

Infolge des Rückganges der lleber- weisungen und der eigenen Steuern er­geben sich bei den Ländern trotz strengster Ein­schränkungen noch große Fehlbeträge sowobl für 1931 als auch tm Entwurf für 1932, und keine Möglichkeiten, 1932 Tilgung schiebender Schulden einzusetzen, während das Reich den Haushalt für 1931 und den Entwurf für 1932 vorläufig gedeckt und dabei für 1932 eine von 420 auf 870 Millionen erhöhte Tilgung schwe­bender Schulden vorgesehen hat.

Infolge Steigerung der Zahl der Er­werbslosen sowie tn Verbindung nut der Kürzung der Steuerüberweisungen behalten auch viele Eemeindebaushalte für 1931 und 1932 große Fehlbeträge, deren Deckung nicht möglich ist. Die zusätzliche Ueberweisung des Rekches an die Gemeinden von 230 Millionen für Wohlsahrtslasten reicht demgegenüber nicht aus Trotzdem hat das Reich im nächsten Jahre nur noch eine Überweisung von 50 Millionen vorgesehen.

Der Reichsrat ersucht die Reichsregierung, anstelle der für 1932 für das Reich allem vor­gesehenen erhöhten Schuldentilgung in den Reichshaushalt/ von 1932 für das Reich nur die bereits sehr hohe gesetzliche außerordent­liche Schuldentilgung von zusätzlich 420 Mil­lionen einstellen und die darüber hmaus- gehenden Beträge den Ländern und Gemein­den zur Vermeidung oder Deckung von Schul- den zuzuweisen, um zu verhindern, dag Zander oder Gemeinden zusammenbrechen, oder daß eine wirtschaftlich untragbare und im Gegen­satz zur Preissenkungspolitik stehende An­spannung weiterer Steuern in Ländern und Gemeinden erforderlich wird, noch bevor sich der Erfolg der bisherigen Aktionen auswirken kann.

Vorher machte der Berichterstatter, Mi- nisterialoirektor B r e ch t, u. a. folgende Aus­führungen:

Man hat es als Vorteil für Deutschland dargestellt, daß Deutschlands gesamte innere Staatsschuld jetzt nur zehn Milliarden Mark gegen 46 Milliarden in Frankreich und 130 Milliarden in England beträgt. Aber man hat vergesien, hinzuzufügen, daß Deutschlands innere Schuld infolge der eigenen Kriegskosten ursprünglich mehr als 136 Milliarden Eold- mark betrug, und daß wir gezwungen waren, diese Schuld bis auf 10 Milliarden deshalb zu streichen, weil wir, im Gegensatz zu England und Frankreich, nicht in der Lage waren, aus

Steuern jährlich sechs Milliarden oder drei Milliarden unseren inneren Gläubigeren ytt Verfügung zu stellen. Die Folge ist eine fühl­bare Verarmung, Kapitälnot und damit Ent­wertung aller Anlagen. Deutschland hat tn den letzten zehn Jahren an Reparationen ans Ausland allein in barem Gelds sechs- bis acht­mal soviel gezahlt, wie an feine inneren Kriegsgläubiger und viermal soviel wie für den gesamten staatlichen normalen Cchulden- dienst im Innern einschließlich der Nachkriegs­folgen.'

Der Redner erläuterte dann dis Ent­schließung mit weiteren Zahlen und fuhr fort:

Die Sesamtlage Deutschlands ist danach «och erheblich schlechter, als der Reichshaushalt sie zeigt. Auch ohne Reparationen steht Deutsch­land «och phantastischen Schwierigkeiten gegen­über. Keine der bisherige« Maßnahme« hat insbesondere die Zahl der Erwerbslosen ver­mindert. Sie ist immer toeiter gestiegen, von 4,4 Millionen Ende 1930 auf 5,7 Millionen Ende 1931.

Ministerialdirektor Zarden vom Reichs­finanzministerium gab darauf folgende Er­klärung ab:

Die Reichsregierung verkennt die Bedeut««« des Problems der Wohlfahrtserwerbslosen- lasten, um die es sich, wenigstens zum Teil, in der Entschließung handelt, nicht. Sie tarnt aber im Hinblick insbesondere auf die uage- klärten außenpolitischen Berhältnisie im Au­genblick eine Erweiterung der bisherige« Maßnahme« «icht i« Ansficht stelle«. Sobald hier eine gewisse Klärung erfolgt ist, ist sie gern bereit, das Problem der Wohlfahrts­erwerbslosen zum Gegenstand weiterer Ver­handlungen im Rsichsrat zu machen.

Darauf wurde die Entschließung ohne wei­tere Aussprache einstimmig angenommen.

Die Erklärung der Reichsregierung ist allen Reichsratsmitgliedern vollkommen über­raschend gekommen. Obwohl nach der Er­klärung des Regierungsvertreters niemand das Wort ergriff, wird sich der Reichsrat doch keineswegs mit dieser Mitteilung zufrieden geben. Es ist vielmehr damit zu rechnen, dag sich der Reichsrat in einer seiner nächsten Voll­sitzungen noch einmal mit dieser Frage ve- schästigen wird.

frag« heiß« es, festbleiben. D« Friede nm jeden Preis bedeute den mtoermeid- lichen Krieg.

Zum Schluß gab Delsol der Hoffnung Aus­druck, daß in der französischen Kammer nut Abgeordnete säßen, die als Vertreter Frank- reichs, nicht aber als Vertreter Deutschlands zu gelten hätten. Diese Aeußerung bezogen die Sozialisten auf sich. Sie verlangten eure Rektifizierung. Delsol verweigerte diese. Es setzte em Pultdeckelkonzert em. . Unter allge­meinem Lärmen zeigte der sozialistrsche Ab- C" ute (5rumbad) dem Ministerpräsidenten eine Zeitung mit einer Karikatur. Hierauf entstand ungeheure Erregung. Der Kammerpräsident mußte die Sitzung unter­brechen.

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Frankreich brüskiert die Welt

Ein Teil der Presse beschäftigt sich mit den Auswirkungen der unnachgiebigen Haltung Frankreichs in der Aeparations- frage auf die gesamte wirtschaftliche Lage der Welt. DieGermania", die von Frankreichs Katastrophenpolitik spricht, be­zeichnet die Gründe der französischen Re­gierung für ihre Tlnnachgiebigkeit als kei­neswegs stichhaltig. Am allerwenigsten sei es der Hinweis auf die Erklärungen des 2öeichSkanzlerS, die lediglich durch In­terpretation des Baseler Gutachtens die Arbeit der Lausanner Konferenz vorberei­ten und klären sollten. Gerade wenn sich die französische Regierung immer wieder auf den Wortlaut des You-ngplanes be­rufe, könne sie nach dem Abschluß der Baseler Beratungen die Konferenz mit keinerlei Dorwänden sabotieren. Frank­reich würde sonst in der ganzen Kulturwelt als bewußter Friedensstörer angesehen werden.

D« ^Deutsche Allgemeine Wer­tung" nennt die Torpedierung der Konfe­renz von Lausanne nicht mir «neu Schlag gegen Deutschland. Sie bedeute auch eine Brüskierung und Herausforderung der ehemaligen Alliierten Frankreichs, das die englische Einladung nicht einmal beant­worte und den englischen Man zuschanden schlag«. Frankreich denke auch nicht daran, die Vereinbarung mit Amerika zu hallen, die zunächst eine europäische Onitiative vorscch, sondern es zerstöre die Einleitung einer solchen Initiative und erlaube sich sogar, im vollen Widerspruch zu dem 2a- val-Abkommey, bei Amerika wegen einer vorherigen Festlegung in der Frage der Hchlldenstreichung vorstellig zu werden. Den Forderungen des italienischen Regie- rungschefs begegne.es mit offenem Hohn. Das Erstaunlichste sei, daß sich die Welt, die unter den Folgen des französischen Machtwahnsinns leide, diese französische Haltung ruhig Mallen lasse.

(Sortiere della Sera gegen die unver­söhnliche Politik Frankreichs.

Ausgehend von den außenpolitischen Kammererklärungen des französischen Mi­nisterpräsidenten wendet sich derCo r- riere della Sera" gegen die akute Intransigenz Frankreichs. Laval, der wahrscheinlich von den besten Absichten be­seelt sei, müßte ein ganz großer Staats­mann sein, wenn er gegen den Willen der militaristischen Parteien eine wirklich un­abhängige und erleichterte Politik führen wollte. Statt besten übernehme er die in- transigenteften Thesen. Diese Politik sei eine Art von Verblendung, von der Frank­reich vielleicht allzu spät genesen werde, wenn nämlich das von ihm verursachte Uebel zum größten Teil über Frankreich selbst hereinbrechen werde. Weder Italien noch England könnten sich für eine franzö­sische Politik einsetzen, die durch die Jahr«