Kasseler Neueste Nachrichten
Casseler Abendzeitung
1 Hessische Abendzeitung
Nummer 296
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, 19. November 1911
Fernsprecher 951 und 952.
1» Jahrgang
b°n j-d-r Beschreib u n g s p o i t en
Zeiten der Brutalität,
^yPr>5-
Bismarcks Bhigonen.
Unsere Diplomaten und ihre Kollegen.
wöchmwch sechsmal und zwar abends. Der b^rügt MMEch 60 Pfg. bei frei« Znstell-mg ins HauS. Bestellungen w«d«jed«zeU voa d««efchastsftelle od«dea Baten entgegengenommen. Druck«ei. B«laa und bredaUion: Echlachchofstrabe 28,*30 Sprechstunden der Redaktion von 1—3 Uhr na*? sprech stunden für unsere Abonnenten Mitwochs und Sonnabends von S-S Uhr abends. Berlin« Lertretung: SW„ Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.
von Inhaftierten vollgepfropft.
Sträflinge und Untersuchungsgefangene sind kaum mehr getrennt, an eine Vernehmung aller
JnserttonSpreise: Die sechSgespaltene Zeile für einheimisch« SeschLste 15 Pfg., für aus- 2n!-rate LS Pf Rell-mezeile für einheimische Geschäfte 40 Pf, für auswärtige Geschäft« w Pf. Beilagen für die Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend be- Wegen ihrer Lichten B«bre!tung in der Restdenz und der Umgebung stnd die Tasseler Neuesten Nachrichten em vorzügliches JnsertionLorgan. Geschäftsstelle- Köln'sche Straße L. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV 676.
bott feiten Deutschlands gewohnt war. Trotz- dcm ich als Mensch dem Kaiser gebe, was des Kauers ist, empfinde ich es als eine Schmach LUJ-^fc^c Zeit (schließt Bernstein), daß, * b»r Lotest der Oeffentlichkeit nicht aus- Whte, es erst der Dazwischenkunft von Monarchen bedurft hat, um die Gefahr eines Welt- ”5 e9es (denn ein solcher wäre es geworden wenden" Erleuchtetsten Völkern der Welt abzu-
«iderlen-WSchters Triumph?
Gin Privat-Telegramm meldet uns aus Berlin: Wie aus parlamentarischen Krei- wn verlautet, haben die vertraulichen Mitteilungen des Staatssekretärs von Kldcrlen-Wacchter in der Budget-Kommission des Reichstags die Haltung der deutschen Regierung gegenüber der englischen während der deutsch-französischen Verhandlungen behandelt, wodurch auch diejenigen Mitglieder der Budget-Kommission vollkommen zufri cd en gestellt worden seien, die bis dahin der Meinung gewesen waren, daß cs unsre Regierung in diesem Falle an der nötigen Festigkeit habe fehlen lassen. Diese Auffassung soll auch in der vertraulichen Ausspracqc, die sich an die Mittteilungen I des Staatssekretärs anschloß, zgm Ausdruck gekommen sein.
lens. Friedrich Naumann hat nicht unrecht, wenn er unsrer Diplomatie das kluge Verständnis für die Dinge und Forderungen des modernen Lebens abspricht, wenn er ihr Weltfremdheit vorwirft und an ihrem bürokratischen Schema-Betrieb unbarmherzige Kritik übt; aber er hätte doch noch tiefer graben müssen, um des Uebels Wurzel zu erreichen. Der Kardinalfehler liegt offenbar weniger in den politischen Schwächen unsrer Diplomatie, als an den M ä n g e l n d e s S h - st e m s im Wertverhältnis zu der Diplomatenarbeit andrer Nationen, kurz: In den charakteristischen psychologischen Merkmalen unsrer Zunft des grünen Tisch's.
Unsre Diplomaten stnd in erster Linie Amtmänner; Beamte, die eine beträchtliche Zahl schematisch geordneter Prüfungen glimpflich bestanden, ordnungsmäßig eine „Karriere" durchliefen, und auf diesem graben und sorglich reglementierten Wege allmählich zur Höhe der Exzellenz emporstiegen. Es ist in der Berliner Wilhelmstraße offnes (und gern beplau- dertes) Geheimnis, daß unter den Vertretern des Deutschen Reichs auf wichtigen Auslandposten ein halbes Dutzend Leute sich befinden, die persönlich außerordentliche Wertschätzung verdienen, als Diplomaten indessen mit der Zensur „vier" weit über Gebühr gewettet werden. Man weiß das auch an verantwortlicher Stelle und sucht den Mange! an diplomatischer Qualität beim Chef der Mission durch die Beiordnung eines erprobt-tüchtigen G e h ü l f e n zu paralysieren.Datz damit indessen nicht allen Eventualitäten vorgebeugt werden kann, liegt auf der Hand, und" cs ist sicher auch nur rin schwacher Trost für die Herren Bethmann und Kiderlen, daß sie sich voll ' schöner Ueberzeugung sagen dürfen: Im Reich ' der Blinden darf schon der Einäugige König . sein; mit andern Worten: Bei dem seit Bis- ' marck's Exilierung chronisch gewordncn Mangel an Männern und Talenten muß man auch das
I trotzdem von feiten der Verteidigung I er e Angriffe gegen den Ange
klagten Schmitt erfolgt feien. Dieser verdiene mik^AMl'ch ln"" Aussagen volle Glaub- j" jur feine Handlungen verantwortlich zu machen, wäh- l'",,“11 bej den Angeklagten Schmitt und ’ .,n lebeiti einzelnen Falle nachzuprüfen
!c toett fte an den strafbaren Handluu- W' beteiligt gewesen seien. Alle großen ,rlnanzgeichafte seien von O h m a l l e i n aus- ^btt worden. Die Geschäfte mit der ^irma (’,Ebrüder Alexander und andere habe Ohm mir S*"- weil er große Summen "" Depots hcrcinbekommen wollte, nicht etwa wegen des geringen Diskontsatzes. Ohm habe gemutzt, datz seine Bank schon r'l- n bankerott war, und er habe lediglich versuchen wollen, sich „och einiac Jahre über Wasser zu halten. Wäre cs ihm ni*tnnCI* ble Bank zu halten, dann sätzc er jetzt nicht auch auf der Anklagebank. Sein Plan fei unb j" bade er die Depots un- .,?aS Urteil im Prozeß dürste heute nachmittag gefällt werden. ' -er.
Der Vulkan im Süden.
Das Schrcckcnsregimcnt in Lissabon.
(Von unserm Korrefpondcnten.) Lissabon, Mitte November.
! pofiugiesischen Behörden die
! eingehenden Zeitungen auf-
” trotzdem sie kaum eine
nMtCTer"- die Nicht die Spuren der «S0 01“”ß«*en 3 cn f it r aufweist, ist ihr ebne jeden positiven Erfolg.
Sn daß die Presse des hal-
oen. Europa für die wahren Verhält-
1 eJ1 V.r-* •“ 0 ?J-6Iinb 3« fein sich Mühe .^as hat icine Uriachc wohl zumeist bar, druck vcrtt-a ^gemein der Ueberzeugung Aus- ^^berlieh, die vor der republikanischen Gi-- lehr un,hellvollen Zustände würden sich ?.ePcrn- ^etzt nun und nachdem man sich durch Q^-..^derfautcn Pbantasteversprechungen des ?nkänali^0^Ä^ fohlt es an Mut, die anfängliche Hoffnung und Meinung zu rcvi- b‘eren. selbst der eingefleischteste Republikaner N « Fremder ist und sich ein
Als der Weltkrieg drohte...!
, Eduard Bernstein setzt in der Preffe seine ,-n. sattonellen Mitteilungen über die Ursachen der deutsch- englrschen Verstimmung fort Was er sagt, spricht f^r.JU9“nben Englands, ohne zugleich an Glaub- Würdigkeit emzubüßen. daß di-Deutsche Regierung b^ um threr Selbstachtung willen schon zu einer Er-
"ung und Klarstellung der Ag-dirtonstikts -ntschließen sollte. Bernstein, wem man natürlich alle SSÄS b-r seine Mitteilung überlasten mußt, fcgreiDt unter anderem:
Friedrich Naumann har soeben in seiner .Hilfe" die Ursachen ui.srcr Niedett'age im Ma- rokkospiel politisch-psychologisch untersucht und ist dabei zu Schlüssen gelangt, die zwar von der parteipolitischen Auffassung des liberalen Tribunen nicht ganz unbeeinflußt geblieben sind, dessenungeachtet aber dem Kern der Dinge im wesentlichen nahekommen: Naumann erblickt das Uebel in der Rückständigkeit unsrer Diplomatie überhaupt, die in der längst vergreisten Tradition des .grünen Tisch's" vollkommen aufgehe, mit dem Leben und der Welt gar keine engern Berührungspunkte habe und die Weltgeschichte gewissermaßen noch aus der Perspektive der Allonge-Perücke betrachte. Der Parteipolittker Naumann verlangt deshalb auch vor allen Dingen eine Befreiung der Diplomatie von der Tradition der .alten Schule", eine Verjüngung der Zunft und die Ablösung der Kastenwirtschast durch die Herrschaft des wirklichen Volks Wil-
ntcht nachgeprufter Denunziationen ver- wft£t-. Die bestehenden Gesetzesvorschriften
L bte Vernehmung der Inhaftierten und die Verhandlung vor Gericht sind seit Monaten ausgeichaltet und jede Reklamation der Gefan- | penen oder deren Angehörigen ist wirkungslos Seit sich im Norden eine royalistische Erhebung vorbereitet hat, ist die Regierung dieses .modernen" Staatswesens vom Verfolgungswahn befallen. Jeder Carbonario hat heute das Recht, irgend einen Menschen, der ihm .hinreichend verdächtig" erscheint, e i n s p e r r e n zu lassen Von diesem Recht in der Hand eines Menschen, der oft kaum lesen und schreiben kann, mitunter sogar Analphabet ist, wird denn auch weitestgehend Gebrauch gemacht. Soll man iich da noch wundern, daß man die arors Sterblichkeit in den Gefängnissen erklärlich zu machen sucht durch Anwendung von Mitteln, mit denen man im Mittelalter .Luft" in den Gefängnissen machte? Warum weiger: sich die Regierung, die Leichen der
In des Reichstags Budget-Kommission ist Zurzeit Herr Alfred von Kiderlen bemüht, das tief unterm Scheffel schmälende Lichtchen des Marokko-Geschäfts zum hellen Auf- flackcrn zu bringen, und da die Verhand!uuge,l der Kommission in der Hauptsache hinter dicht verfchlossnen Türen stattsinden, soll man dem Partner Jules Cambons neidlos die Freude gönnen, die Väter des Reichsbudgets durch .vertrauliche Mitteilungen" über den im Schweiß des Angesichts erftiittnen Siegespreis beglücken zu dürfen. Wer dies Glück empfindet, mag's wonnig genießen: Die still-verschwiegne Apotheose im Kämmerlein der Budgetleute mindett sicher nicht die bittem Gefüble, die nach dem faden Aktschluß im Marokko-Theater sich der großen Masse des deutschen Volks bemächtigt haben, und die auf das Nationalempfinden umso deprimierender einwirken, als bis heut das Rätsel noch ungelöst ist, welche seltsamen Umstände die kümmerliche Bilanz der Aktion verursacht haben. Daß die Sorge um des Bttten .Bruderherz« unsre Wege weit ab vom ursprünglich erstrebten Ziel geführt hat, darf unterdessen als dem Reich des Zweifels und der Dementis abgerungne Tatfache gewürdigt werden; ebenso das andre Faktum, daß die Politik Kiderlen-Wacchters durch starke Einflüsse gebietender Mächte in ihrer anfänglichen Impulsivität gehemmt worden ist: Aber selbst angesichts dieser Wegerschwerungen hätten starke Entschlossenheit und rüstige Tatkraft noch ein Ziel erringen können, das in seinen ideellen und materiellen Werten die Kümmernis vom vietten Rovembertag himmelweit überragte. Wem danken wir also das Fiasko?
Verbrecher oder Märtyrer?
Bor dem Urteilsspruch im Ohm-Prozctz.
. Psi Dortmunder Sensationsprozeß gegen den Direktor Ohm von der verkrachten N i e - “1 ’$ert SB ant unb seine beiden Mit-
EÄÄ wird voraussichtlich heute nachmit- ag das U r t e t l gefallt werden. Wie wir bat der Vertreter der öffentlichen Anklage sowohl gegen Ohm, wie 9^»tte0re$rCn Mitschuldigen Schmidt und Benner lange Gefängnisstrafen beantragt, da er 'bre schuld als erwiesen betrachtet. Der v»n^M'°LMeichnew es in seinem Plai- b?r Angeklagten sich in
aiI Verhandlung gegen,ertig belastet und sich L^L"gn/r hingestellt hätten. Rechtsanwalt jährte m feiner Verteidigungsrede aus,
6 ^ur’etrt.en Klienten Qbm die Haupt-1 „„J' ;"~;7 "*"•*. “ i,i uno gey ein
Verhandlung als eine wahre Erlösung nach I parteiisches Urteil gewahrt hat, ohne Ein- anderthalbiahri0er Untersuchung, die doppelt fch'ankung zugeben, daß die Zustande in Lissa- ewer 0^?^°ll war, weil Ohm unter led e r Besch r e i b u n g sp o t t e n, und die er in allen w'esent- W, Portugal unter seinem König derartige lichen Punkten als ungerecht empfinden -^ettCtt ^er
Crt -®Cbonfe«9art9 der Anklage, wo- "“^b ~6m für generelle Depotunterschlagung (angeblich begangen auf feine Anordnung, ans hafteblrrfoIt0Efe6ten Handlung hafte, so tvett eine besondere Tätigkeit nicht nachgewiesen werden kann, sei juristisch und tatsächlich verfehlt. Die Anklagl v"?llFartu, 0.t ^ be.r fortgesetzten Handlung b°ll,g verkannt. Der Angeklagte ^bm bAe Depotverfendungen überhaupt ntdit gekummett. er hatte den Kopf voll hoch-
S 3 <»runb von Blankozefsionen unterstehe im um^einerCt”-■*ei’«-0efe6, eS bandele sich “”L etne ftduztartiche Elgentumsübettragung: aenomA^ ^^.ba"en die Angeklagten bas an« : ®‘e .batten sich also schlimmsten-1 hpn’ hrt e,?cnt Pvilrechtlichen Irrtum bcsun- den.sbcr aber strafrechtlich nicht zu ahn-
Gesctzlostgkcit, Willkür und Diktatur
I f^tbLlat.s .f#ctr,ie^n bie Regierung eingesehen Kl Täuschung rst, die Bevölkerung 1i»er^l^0CnbeL Mehrheit republikanisch
I bitten, hat man ganz aufgehött,
^»r0nCA ,nr Sa"le.3u überzeugen. Man sieht es vielmehr für richtig an, sie mit allen unerlaubten Mittel durch Gewalt aus dem W e~a LVai?-m.en^Un^'bocb ist bis in hohe Staats- -te^tt btnetn der Anhang an der alten Staats- mitt nt^t geschwunden. Es gibt zahlreiche Wurdenttager, die Royalisten (wenn auch nicht Anhänger Manuels) sind, und die das Amt unter dem republikanischen Regime nur ange- nommen haben, um nicht als staatsfeindlich au- dem Weg geräumt zu werden. Für eine ©tabt tote Lissabon will cs sicher viel sagen, beiden Monaten September und a 6ttr[en6 f i eb 5 i g Haussuchun-
g e n abgehalten und über sechshundert P etf onen unter irgend einem Verdacht, der den Getroffenen nie ausgedrückt wird, hinter schloß und Riegel gebracht wurden. Alle staatsgefangniffe und ein Teil der Festungen sind unter Zuhilfenahme der Korridore °
Edw^LErr Volff-Metternich bei Sir Edwarb Grey war unb eine Szene auffufjrte, fdjreibt auch Macdonalb. Es «oll allo unbestritten bleiben, obwohl es für bas Deutichc Reich keine ehrenvolle Tatsache ist, baß der deutsche Botichafter in Downing Street rezitierte, Peroriette, aus deutsch gesagt: schricl Der Vertteter eines großen Gemeinwesens hat das nicht nötig. Ueber das pe'tere icboch weicht die.englisch- Lesart von der deutschen ab. Nach ihr hat Sir Edward Grey dem erhitzten Grafen erklärt, er könne sich von einer tn lolchem Ton geführten Unterhaltung kein crfpneßliches Resultat versprechen. Er breche ;te daher ab u#b erfuche den Herrn Botschafter, auf den Gegenstand erst wie- ,er zuruckzukommen, wenn seine Aufregung *4 gelegt habe. In feiner Erhitzthcit soll Herr Wolff-Mettemich geradezu unglaubliche Zumutungen gestellt haben. Da cs nicht die Aufgabe dieses Artikels ist, die gegenseitige Verstimmung zu steigern, unterlasse ich es, mehr über diesen Punkt zu sagen. Im möchte im Gegenteil dem Herrn Botschafter mildernde Umstände zubilligen. Man versteht feine Erhitzung, wenn man sich überlegt, in was für eine fchiese Position et von feiner Regierung gebracht worden war. Zwei oder drei Tage nach der unerquicklichen Szene hatte die englische Regierung bas in Händen, was sie zunächst verlangt hatte (nach der ersten Anfrage der englischen Regierung sollen siebzehn Tage verstrichen sein, ehe Lloyd George die Ettlä- rung im Mansion House abgab, behauptet Bernstein), eine in anständigem Tone gehaltene achgemäße Antwort von Berlin. Sie war, agt man, höflich abgefaßt, wie man es in England lange nicht im divlomatiichen Verkehr
in den Gefängnissen Verstorbenen
(meist Unabgeurteiltei den Familien zur Beerdigung freizugeben, uns warum setzt sie die Familien von dem Ableben ihrer Angeböriaen nicht in Kenntnis? Unter Carlos und Manuel durfte das Volk wenigstens 'noch protestieren und m den Zeitungen von seinem Leid sprechen Heute würde jeder Schriftsteller seine Ettstenz
Vertrauensseligkeit oder Raffinement?
m 3" der gestrigen Verhandlung stellte der Vettetdiger Ohms außerdem den Antrag, noch- 'n die Beweisaufnahme einzutre- cin»n führte aus: Ich habe heute morgen z e m e i e"r^erhalten ^dem^V^rützenden «rV I t“u-n ^Irennt- an eine Vernehmung aller sichtsrates der Niederdeutschen Bank *hi? h-^^.^^aftterten ist natürlich einstweilen gar s-m Briefe betont I« die-, mcht z» denken, denn Hunderte sind auf Grund
ausgesprochene Feindseligkeit gc- flettuber Ohm unb bebt hervor^ daß er es gerade deshalb für seine Pflicht halte darauf hmzuweisen, daß Ohm unb bie beiden ?"bf'en Angeklagten bezüglich der Depotver- fugungen durchaus tn gutem Glauben g c h a n b c 11 hatten. Kurz vor bem Sufam« SB«* b?r Niederdeutschen Bank am zwan- ,.abe- c'ne Besprechung in der - ,ei<b®banf stattgefunden und er habe mit s~fim über die Verhältnisse gesprochen^ Er sei noch heute der Ansicht, daß Ohm durchaus in gn- 6»?^^I5ubctt Sehandelt habe. Das Gericht veichloß, dem neuen Beweis-Antrag stattzugc- " "nd es wurde infolgedessen bei wegen des flachs der Niederdeutschen Bank ebenfalls feit lanaercr 3eit in Untersuchungshaft befindliche •öUjturat Huchzcmcier aus bem Gefängnis int Vernehmung vorgcfühtt. Huchzcmcier b e - ' a 11 g t c vor Gericht bie in dem Schreiben I ?" Rechtsanwalt Frank gemachten Angaben I m vollem Umfang. Sodann plaidierte Justiz- rat Wallach-Essen für den Angeklagten ^chssntt. führte ans: Schmitt sei wegen eines Nebendelikts zu einem Hauptdelikt auge- klagt. Es werde daher seine Freisprechung erfolgen müssen, wenn der Gerichtshof zu einer rvretjbiedjung des Angeklagten Ohm komme.
T^ Verteidiger erklärte, nicht auf die einzelnen Phasen der Verhandlung cingehen zu wol-!
weniger Gute nehmen, wo man's findet. Es gibt (wie kundige Thebaner seufzend versichern) deutsche Botschaften und Gesandtschafts-Stationen im Ausland, die lediglich von der Intelligenz des ersten oder zweiten Legations- Sekretärs getragen werden, und man braucht fid) also nicht zu Wundern, wenn Leute von hohem Rang und erprobter Sachkenntnis kla- ?f”b ..auLbic Tatsache Hinweisen, daß das nach- blsmärckische Deutschland von neunzehnhundert- els nur noch einen einzigen wirklichen Diplomaten aufzuweisen habe: Marschall von Biberstein, den die Regie im Reichsthcater am Goldnen Gorn „fern vom Schüsse« hält
Daß das diplomatische Geschäft nicht nach dem Schema der Amtsstube gehandhabt werden kann, haben wir in den beiden letzten Jahrzehnten hinlänglich unb peinlich genug erfah- ren, und wer noch daran zweifeln möchte, Ichaue hinaus über die dreifarbnen Grcnzpiähle und richte seinen Blick (schon um des „aktuellen Interesse" willen) nach Frankreich, wo Börsenmakler, Advokaten, Journalisten und Handelsleute die Geschicke des Vaterlandes for- ?CrtmU?b^d’ !m Pölkerhandel die Interessen der Republik mit Geschick unb Verständnis ver- rret!n‘-t^ran.,rci^ verfügt zurzeit neben Eng- land über die vorzüglichsten und befähigtsten diplomatischen Talente; seine Anslandpolitik ;at ungeachtet der raschen und häufigen Mechel im Regierungskörper wertvolle und dau- ernde Erfol0e errungen, und die Stellung der Republik tm Rat der Völker ist heut (trotz der mancherlei Wirren im Jnnersi) gefestigter als e. -'.iefen Aufstieg zur Höbe politischer Macht lerdankt Frankreich in erster Linie der intern men, zielbewußten und konsequenten Arbeit einer Diplomatie, die sich weder ans der Hierarchie der Amtsstube, noch aus einer ciit- jelnen, sozial bevorzugten Kaste rekrutiert, sondern ihre starke Kraft aus der Gesarnt- ? ,e/X b £J nationalen Intelligenz fthobft, ohne sich durch vermorschte Tcadliio- nen und engherzigen Schematismus in der Rutzoarmachung der Talente behindern zu lasen. Darin unterscheidet sich auch die Qualität der geleisteten Arbeit: Die Leichtigkeit, Be- veglichkcit und natürliche Lebcnsklugheit r.anzö fisch er Diplomatie überragt im politischen Geschäft die „korrekte" Schwerfälligkeit unsrer diplomatischen Amtmänner um eilt ganj Beträchtliches, und wenn man in der 93er« ««« »rthefaiftrafce für ernste Selbstkritik emp- fanglich ist, wird man sich der Erkenntnis nicht verichlteßen können, daß die Verjüngung unsrer Diplomatie und ihre B lut aus fr i- schung durch Elemente des wirklichen Lebens niemals so zwingend offenbar gewor- ben ist, als grabe jetzt, ba über den tragt-
»Scherz von Agadir« die Zähren später Buße rinnen! F. H