Casseler Abendzeitung
2. Jahrgang
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Mittwoch, 14. Fssbrnar 1912
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die Menschlichkeit war's auch, die die t Forderung erhob, die letzten Konsequenzen die- - er eigenartigen Soldatentragödie tunlichst zu ■ verhüten. <
Daß dies nun durch kaiserlichen Entschluß : geschehen, wird überall mit aufrichtiger Freude begrüßt werden; die andre Frage allerdings, wie einer etwaigen Wiederholung dieser eltsamcn Selbstopferung eines überreizten Schwärmers vorgebeugt werden kann, ist dadurch noch nicht gelöst. Eine Ausnahmestellung kann den Adventisten im Heer nicht eingeräumt werden; ebensowenig, wie den übrigen Religionsgemeinschaften hinsichtlich der speziellen Forderungen des Bekenntnisses Konzessionen gemacht werden können. Die Weigerung Naumanns, am Sonnabend irdisches Werk zu verrichten, entsprang offenbar einer starken Ueberspannung des religiösen Prinzips, die ihrerseits wieder in der psychischen Eigenart des Mannes wurzelte, so daß der Tatbestand einer zum mindesten anormalen, und stark einseitigen Empfindungsrichtung bei dem Advenfisten im bunten Rock zweifelfrei nachzuweifen war. Daß diese Tatsache in der strafrechtlichen Beurteilung des Falles nicht ausreichend gewürdigt worden ist, dünkt uns das bedauerlichste Moment in der Geschichte dieser Soldaten- und Menschentragödie. Der .Märtyrer" Naumann war als Soldat stets eine Gefahrsürdas Heer, und dies (in Verbindung mit den religiösen Extravaganzen des Mannes) hätte hinreichenderAnlaß sein dürfen, den „Märtyrer" aus dem Psiichtkreis militärischer Disziplin zu entfernen, ohne dadurch das Prinzip de Autorität zu beeinträchfigen. Der Adventi Naumann war als Sold.at stets nur ein krank-
„Sand am Meer."
Trotzdem bäumte sich das menschliche Empfinden gegen die tragische Möglichkeit auf, daß ein Menschenleben für seines ganzen Daseins Dauer hinter Kcrkermauern vergraben bleiben sollte, lediglich, weil die religiöse Ueberzeugung einen Unglücklichen in einen verhängnisvollen Konflikt mit Gesetz und Pflicht hineingetrieben hatte. Der Soldat Raumann war und ist sicher kein Verbrecher, büßte aber eine Tat, die vor seinem Gewiflen als Pflicht galt, mit der harten Strafe des Verbrechens, und hätte, wenn nicht des Kaisers Gnade die Tragödie endete, die furchtbare Schwere des Gesetzes für seines Lebens ganze Dauer spüren müssen. Tas war ja eben das Tragische des Falles, daß der Mann nicht zu bekehren war, sondem die Strafe offenbar als .des Himmels Prüfung geduldig auf sich nahm, in dem sichern Bewußtsein, damit eine Pflicht zu erfüllen, die ihm die Religion als kategorischen Imperativ in die Seele einprägte. Und da das Vergehen in Erfüllung dieser vermeintlichen Pflicht immer wieder aufs neue begangen ward, wären also gesetzlich durchaus die Voraussetzungen gegeben gewesen, den Mann dauernd in der Zelle des Strafgefängnisses sestzuhalten, falls er es nicht vorzog, schließlich doch seines Daieins Schicksal vom religiösen Prinzip zu trennen. Die Menschlichkeit freilich sträubte sich bei dem Gedanken an diese furchtbrre Möglichkeit, und
Depeschen aus Peking berichten, daß das gestern veröfientlichte Edikt der Anerkennung der Republik überall einen guten Eindruck gemacht hat. Ausländer und Chinesen glauben, daß das Edikt alle Parteien befriedigen werde. Die Mehrzahl der Republikaner hat folgenden Bedingungen zugestimmt: Der Kaiser behält seinen Titel und erhält eine Jahresrente von v i e r Mi llio ne n
Nummer 59
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Zm-seichen der Verwirrung
Die Präsidentenkrise im Reichstag. (Telegraphische Meldungen.)
verfassungsmäßigen Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte der Reichsbeamten, Erweiterung des Koali- tionsrechtes, reichsgesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter und des Gesindes, Erschwerung der Neubildung von Fi d e i k o m m i s s e n, Abschaffung des Scheckstempcls und der Zündholz st euer, Erhöhung der Pensionen der Altpensiouäre, Errichtung eines Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich und Schaffung eines Minr- terverantwortlichkeitsgesetzes.
Martyrium erlöst Hüfte.
Hinzu kam, daß der .Bekenner" im Festungsgefängnis . auch alle Disziplinarstrafen durch- !osten mußte, da die Arbeitsweigerung während der Strafzeit ebenfalls nicht ungesühnt bleiben konnte: Ein .Märtyrer seines Glaubens" also in des Wortes schmerzlichster Bedeutung! Das Schicksal des Mannes weckte Mitleid, wenn auch anderseits die Notwendigkeit strafrechtlicher Zwangsmaßregeln nicht zu verkennen war. Der Sonnabendheflige Naumann ist sicherlich nicht der einzige Adventist im deutschen Heer; aber er ist bisher der einzige gewesen, der ohne Furcht vor den Konsequenzen die Forderungen seiner religiösen Ueberzeugung auch als Soldat gewissenhaft erfüllt bat, und es entspricht deshalb durchaus dem Menschlichkeit-Empfinden, daß des Kaisers Gnade die Härte der unerbittlichen Gerechtigkeit nun gemildert hat. Denn hier war offenbar nicht Abneigung oder starrer Trotz das Motiv der Uebeltat, sondem die tief in Gemüt und Gewissen wurzelnde Ueberzeugung von der Pflicht des Gläubigen gegenüber seinem Gott, der er die irdische Pflicht und die leidliche Sorge unterordnete. Dessenungeachtet mußte natürlich auf der andem Seite die militärische Disziplin auch in diesem Falle aufrechter- baltcn werden, denn es ist nicht angängig, das " Dienstreglement den verschieden gearteten religiösen Stimmungen anzupaflen, da sonst sicher mit der WahrscheinlitPeit zu rechnen wäre, daß die .antimilitaristischen" Sekten wie Pilze aus der Erde schießen, und ihre Anhänger sich mehren würden, wie der berühmte
Die jüngste Republik der Welt. China ist amtlich zur Republik erflärt! Run hat das Schicksal also doch seinen Laus vollendet. Das Kaisertum China hat zu existieren aufgehört und an seiner Stelle ist gestern amtlich die neue Republik China proklamiert worden. In dem gestern veröffentlichten kaiserlichen Edikt, das die Anerkennung der Republik ausspricht, heißt es:
Die überwältigende Mehrheit des Bolles ist für die Republik. Es 4ft unmöglich, sich den Wünschen von Millio- j neu zu widersetzen für den Ruhm einer einzigen Familie. Darum übertragen die Kaiserinwitwe und der Kaiser dieSou- veränität auf das Boll und beauftragen Auanschikai, eine provisorische r e - publikaNische Regierung zu organisieren und mit den Republikanem wegen der Gründung einer Union zu verhandeln. die den Frieden des Reiches sichern soll und zwar in Gestalt einer großen Republik, die Mandschus, Chinesen, Mongolen, Mohammedaner und Tibetaner vereinigt.
Die kaiserlichen Verwandten, Handschus, Mohammedaner Und Tibetaner werden jtch (wie cs in dem Edikt weiter heißt) bemühen,
Freisinnige Anträge im Reichstag.
Wie uns aus dem Reichstag geschrieben wird, hat die Fortschrittliche Volkspart et im Reichstag eine Reihe von Initiativanträgen eingebraeht, die sich auf folgende Materien beziehen: Ausreichende Sicherung der
haft veranlagtes Opfer vermeintlicher .höherer Pflichten", ohne dem militärischen Zweck je genutzt zu haben, und deshalb darf man's begrüßen, daß seine Tragödie geendet wurde, ehe sie zum Verhängnis sich verdüsterte. F. H.
den Erfolg seiner Reise befriedigt aussprach. I „Stellte speziellen Resultate!" (Privat-Telegram m.)
Paris, 13. Februar.
Wie der „Matin" versichert, sind die leitenden Stellen in Paris noch nicht von dem Ergebnis der Berliner Reise des englischen i Kriegsministers Haldane in Kenntnis gesetzt wovden. Das Blatt erklärt dagegen, aus | privater Quelle erfahren zu haben, daß im Laufe der Besprechungen, die Lord Haldane mit dem Kaiser, dem Reichskanzler Herrn von Kiderlen-Waechter und anderen hohen Persönlichkeiten hatte, die F r a g e der Abrüstung nicht berührt worden fei. In den Verhandlungen seien feiner weder die BaKdadbahn-Anzelegenheit, noch die Ab. tretung der Walfdschbai gestreift worden. Hal- dane erklärte, sein Besuch in Berlin habe keine speziellen Resultate gezeitigt.
Auch ei» Symptom: Dir Edward Grey, der englische Staatssekretär für Aus- wärttge Angelegenheiten, hat (wie uns ein Privat-Telegramm aus London xntl« bet) vom König den Hosenbandorden verliehen bekommen. Diese hohe Auszeichnung dürste wohl alle Gerüchte verstummen lassen, die in letzter Zeit wiederholt davon zu berichten wußten, daß der König mit der von Grey getriebenen Politik nicht einverstanden wäre. Es ist dieses seit fast zweihundert Jahren das erste Mal. daß einem Mitglied des Unterhauses ein so hoher Orden verliehen wird.
Mörthrer von heute.
Die Begnadigung des Adventisten Naumann.
Ein Gnadenakt des Kaisers har soeben einem Unglücklichen die Pforten des Kerkers zum Wiedereintritt in das Leben der Frecheit geöffnet, dessen Schicksal sich fast wie die Geschichte eines alten Märtyrers liest: Der Adventist Naumann, der vier Jahre hinter Festungsmauern verbracht hat, weil feine religiöse Ueberzeugung int Widerspruch stand mtt dem ehernen Gesetz militärischer Disziplin, ist aus der Strafhast entlassen worden, nachdem die Erkenntnis der Kindes- und Soldatenpflicht die seltsame Gewalt religiöser Zwangsvorstellung im Empfinden dieses Schwärmers überwunden. Das Schicksal des Adventisten im bunten Rock beschäftigte vor Jahressrist die Oesfentlichkeit sehr lebhaft, als das Reichsmilitärgericht die gegen Naumann verhängten Strafen wegen fortgesetzter Dienst- und Gehorsamsverweigerung als zu Recht ergangen be- stäfigte, weil das religiöse Motiv das militärische Vergehen zwar mildern, aber nicht entschulden könne. Lediglich die Ehrenstrafe der Degradation (auf die die Vorinstanz erkannt hatte) wurde vom obersten militärischen Ge- richt ausgehoben, da der Gerichtshof in den Straftaten Naumanns nicht an sich ehrlose Handlungen zu erblicken vermochte, die die Degradierung hätte rechtferttgen können. Da der Verurteilte indessen bei seiner Dienswerweige- rung beharrte, und auch im Festungsgefängnis nicht zu bewegen war, am Sabath-Tag seines konfessionellen Bekenntnisses irgendwelche Arbeit zu verrichten, so würde der Mann vermutlich die Freiheit niemals wisdergesehen haben, wenn nicht ein Gnadenart des obersten Kriegsherr» ihn von seinem selbstgewählten
Der Brand in der Lytbauda Grube.
Siebenundzwanzig Eingeschloffene gerettet, sechs Tote und sechs Vermißte!
lieber den Grubenbrand, der sich (wie wir gestern bereits eingehend berichtet haben) auf der L ht b anda-Grube in Oberschlesien ereignet hat, wird amtlich mitgeteilt, daß sechs Mann zu Tode gekommen sind. Die Verunglückten sind ein Steiger, ein Ober- Häuer, ein Maschinenwärter und drei Mann. Heber die eigentliche Ursache der Katastrophe wird uns gemeldet:
Beuchen (O:-Schl.), 13. Februar. (Privat-Telegramm.)
Der Brand in der Lytband a-Grube entstand dadurch, daß man zum Auftauen der eingefrorene» Waffer-Absührrohre, am Sonntag um die Rohre ein Feuer aus Oel-Ueber- reftert und Holz entzündete. Nachdem die Rohre aufgetaut waren, wurde das Feuer wieder gelöscht. Hierbei sind nun die Mannschaften nicht mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen. Als man bann schließlich den Brand bemerkte, war es bereits zu spät. Die Belegmannschasten von siebenundzwanzig Mann konnten, zum Teil von Rauch betäubt, nach harter Rettungsarbeit, vollständig in Sicherheit gebracht werden, dagegen kamen die fünf zu Hilfe eilenden Bergleute zu Tode. Ein Maschinenwärter wagte sich, obgleich ihm abgeraten wurde, zu weit vor. Er fiel etwa zwölf Meter von den übrigen entfernt durch Rauch und GaS erstickt um und starb aus dem Transport nach dem Krankenhaus. Auch ein Steiger erstickte. Seine Leiche ist gleichfalls geborgen. Sechs Mann einer Rettungskolonne wurden durch den Qualm und das Feuer abgeschnitten. Sie werden als verloren betrachtet. *
Ein weiteres Gruben-Unglü'ck hat sich gestern im Saar-Revier ereignet: ^m Westschacht der Grube Rede (in der Nähe der Bahnstation Reden und Friedrichstal bei Neunkirchen a. Saar) der neu abgeteuft wird, riß gestern mittag während der Förderung das Führungsseil, wodurch die Förderkübel aneinander getrieben wurden und sich überschlugen. Der Bergeinhalt entleerte sich auf die untenstehenden Arbeiter. Drei von diesen wurden getötet, drei schwer und zwei leicht verletzt. Tie Schwerverletzten dürsten kaum mit dem Leben davonkommen.
bin Deutscher Staatsgerichtshof?
sich mit den Chinesen zu verschmelzen und alle Rasfenunterschiede und. Rafseuvorur- teile zu beseitigen. Das von Manschikai erzielte Kompromiß ist für alle eine Erlösung. Dem Kaiser verbleibt die erbliche Fortführung seines Titels.
Die kaiserliche Republik.
Die Haldane-Fahrt ein Fiasko?
r ?o l ? aeenbet su haben Diese Er- Sommerpalast in der Nähe von Peking refidie- ^nwis Vommt auch in der englischen reu. Die Nnleiheverhanblungen werden w.e- Presse offen zum Ausdruck. Es heißt dort der aufgenommen. Nach einer Meldung a>: zwar daß .nach ausdrücklicher Vereinbarung Tientsin haben die M° n£o l enif ur, die Klottenrüstung zwischen Lord Hal-Ist en dort eine Versammlung abgehalten, in dane und den deuLen^Staatsmännern in kei- der beschlossen wurde, an Sunya f en nn ner Form besprochen wurde." Wir verzeich- Telegramm zu senden daß sie daraus bestehen E^ZusEmenhang hiermit noch folgende mußten,^ ^^a^i f a i^zum P
u ‘ London, 13. Februar. Andernfalls müßten die Mongolenfürsten ge-
/Privat-Telegramm.) eignete Maßnahme» ergreifen, um die Durch-
Der Kriegsminister Lord Haldane fnhrung der Republik unmöglich zu machen, hatte gestern nachmittag mit dem ersten Lord * . . „■ s .
der Admiralität, Winston Churchill, eine Rach einem gestern abend in Londo ne In
längere Unterredung. Während sich Haldane getroffenen Telegramm aus Peking ist in dann m Asquith begab und mit dem Mi- Weiheiwei die Revolution auSgebro nisterpräsidenten über anderthalb Stunden kon-I ch e n. Der britische Gesandte in Peking, Mr. feuerte, hatten Churchill und der Finanzmini-1 Jordan, hat seine Regierung sofort von dem ster Lloyd George eine längere Be- Aufruhr verständigt. Eine Kompagnie engli- sprechung. Um fünf Uhr nachmittags fand ein scher Soldaten wird »ach Weiheiwei abgehen. Ministerrat statt, der über zwei Stunden Nähere Einzelheiten über den Aufftand fehlen währte. Haldane erstattete feinen Kollegen^ über seinen Berliner Besuch einen längeren ausführlichen Bericht. Eine Mitteilung an die Presse über diesen Ministerrat wurde nicht aus- gegeben, doch verlautet, daß Haldane sich über
CMer NM Nachrichten
Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Die heutige Sitzung des Reichstags wird voraussichtlich sofort nach Beginn vertagt werden, nm den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zur Neuregelung der Präsidentschaftssrage Stellung zu nehmen. Die auf der Tagesordnung stehenden Interpellationen werden von der Regierung erst später beantwortet werden. Der Beginn der Etatsberatungen wird um zwei Tage hinausgeschoben und wohl erst am Donnerstag auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die parlamentarische Situation hat sich weiter zugespitzt und es ist wahrscheinlich, daß der morgige Tag dem Reichstag ein ausgesprochenes Präsidium bet Linken bringen wirb, boch dürste vermutlich noch ein hes- tiger Kampf vorangehen. Nachdem die nationalliberale Reichstagspartei nach langen Debatten beschlossen hat, daß Dr. Paasche von seinem Posten als zweiter Vizepräsident zurücktreten soll, und daß die Fraktion sich an der Präsidentenwahl nicht mehr beteiligen wird, hat Prinz Schönaich-Carolatj) naturgemäß die etwaige Uebernahme des Präsi- deutenstuhles ebenfalls abgelehnt. Des weiteren dürste auch ein reines Geschäftspräsidium durch die Weigerung des Zentrums unmöglich geworden fein. Da man nicht weiß, was sich bis morgen noch im Schoße der einzelnen Fraktionen und hinter den Kulissen abspielen ! wird, so ist die Frage der Besetzung der drei Prästdentenposten, auf dem zunächst allein der Abgeordnete Scheidemann verbleibt, reichlich unklar.
viue uatioualliberale Erklärung.
Die nationalliberale Reichstagsfraktion Hai in ihrer gestrigen Sitzung folgende Erklärung befchloffen: Die nationalliberale Fraktion ist bei der Frage des Reichstagspräsidiums von vornherein davon ausgegangen, daß sie weder ausschließlich mit der Rechten, noch ausschließlich mit der Linken ein Präsidium bilden könne. Diesem Standpunkt entsprechend ist am neunten Februar ein Präsidium gewählt worden, das nach Ansicht der Fraktion als ein reines Geschäftspräsidium deswegen am ehesten arbeitsfähig war, weil in ihm die beiden stärksten Parteien des Reichstages vertreten werden. Der Enffchlutz bei I Herrn Dr. Spahn, aus diesem Präsidium auszuscheiden, hat bie Sachlage so verändert, daß die nationalliberale Partei sich nunmehi außerstande steht, sich an diesem Präsidium i weiter zu beteiligen. Darum hat Prinz Schönaich-Carolath abgelehnt, für den freigewordenen Posten des ersten Präsidenten zu kandidieren, und die Fraktion hat Herrn Dr. Paasche ersucht, das Amt des zweiten Vizepräsidenten niederzulegeu.
Nationalliberaler Rückzug?
Die Haltung der nationalliberalen Partei in der Pr ä s rd e n t en s r a g e scheint auf dem rechten nationalliberalen Flügel starke Verst i m m u ng berborgerufeit zu haben, bk in | folgender Erklärung der nationalliberalen Ver->