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Marburg, Mittwoch, 2. August 1876.
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Stifte «hre.
Sine Erzählung aus dem Leben von Ernst v. Walds«.
(Fortsetzung.)
Eine unendliche Sehnsucht nach der Mutter erfaßt sein Herz, ein banger Seufzer hebt die Brust, es ist ihm, als mäste er die Arme auSbrciten und die theure Gestalt, deren Bild so klar vor seiner Seele steht, umfangen in inniger Umarmung.
Da vernimmt er einen Ruf, wie aus weiter, weiter Ferne an sein Ohr dringen. Er erbebt — rS war die Stimme der Mutter, o, er kannte ste nur zu wohl, sie kies.Elmar!"
.Elmar!" Jet hat eS deutlich vernommen, eS ist keine Täuschung seiner Sinne. Entsetzlich, wenn ste ihn hier !tye — in diesem Augenblick bei dem Borhaben!
Zitternd wendet er das Haupt, scheu blickt er um sich. Das Zimmer ist leer — ganz leer.
Da ersaßt eine abergläubische Furcht seine Seele. Die galtet hatte nicht selbst in sein Gefängniß bringen können, b’tmn hatte sie ihn gerufen in banger Sehnsucht, ihr Geist »»schwebte ihn — ihr Geist — .Herr Gott."
Ein schrecklicher Gedanke durchzuckte sein Hirn — die i»rte Frau ist vielleicht dem Schlage erlegen, der sie so "worbereitet getroffen — gewiß, sie ist tobt — unb ber welcher wie Geisteswehen zu ihm gebrungen, er ist *** letzte Gruß — ihr Lebewohl gewesen, baS sie sterbenb
Sohne — ihrem Mörder gesandt.
E« wird Nacht vor Elmars Augen, er schwankt. Mit 2® Instinkte der Selbsterhallung sucht er einen Halt — ""gebens, der Stuhl geräth in's Wanken und fällt, er uukzt mit ihm herab.
Der aufsteigende Tag beleuchtet mit falbem Scheine 'Ilmar« schönes, bleiche- Gesicht. Die Augen sinh ge*
in Berlin, Frankfurt a. M. re.
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^Dietrich in Frankfurt a. M.;
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•x- dem deutschen Reiche, England und Oesterr.ich gegen« 111 Uu 6bn Rußland gebtldtt habe. Das .Msmortal diploma-
Co.
tique" behauptet, daS deutsche Kabinet sei von Rußland und Oesterreich ersucht worden, im Einklänge mit England ein Mediationsprojekt aufzustellen. Die letztere Angabe hat den Anschein größerer Wahrscheinlichkeit für sich.
ringt »ßeit. igti [1808 lieft, nüber.
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Iller Lage-bertcht.
1 ES kann keinen Zweifeln mehr unterliegen, daß Fürst et" ttnl Kj-marck gegenwärtig mit der Ausstellung eines Programms mDtr ~ hiichäftigt ist, welches die Beendigung deS Kriege« aus der Palkanhaibinsel zur Absicht hat. Die Sacke hat indeß stk den Moment sehr bedeutende Schwierigkeiten. Die Pforte hat erklärt, die Vorschläge der Mächte aahören zu wollen, jedoch will sie den Verhandlungen keinen sofortigen Kirfluß auf den Gang der Kriegsoperationen einräumen Außerdem sollen die auSzuarbeitenden Vorschläge auf die Erfolge der beiden kriegsührenden Partei.» Rücksicht nehmen, so daß also ein entscheidender Sieg der türkischen Truppen die an die Psorte zu stellenden Forderungen modifiziren würde, ebenso wie ein großer Erfolg ber Slaven die letz- ttren günstiger stellen würde. Hieraus ergibt sich, daß eine Aktion der Mächte sür die allernächste Zeit nicht zu «warten steht. Dunkel ist e» noch, von welcher Seile ,uS das deutsche'Kabinet die Anregung zu seinen biplo- r,ß0- malischen Arbeiten erhallen hat. Die „Correfpondance ' 1^5' universelle" bleibt dabei, daß sich eine Konstellation zwischen
in Mir- •t’schei ng.
ongTM zu da en Auf- aatt.
Abzit- der Sk- [1864
könna rlernea.
[1865
«Oft be- gungS-, ItSstoh in en> rge au4 en be»
Die offiziöse „Corresponbance Universelle" schreibt: In unfern politischen Kreisen behauptet man, baß Englanb die Absicht bezeugt habe, eine europäische Konferenz für die unmittelbare Intervention in bie orientalischen Angelegenheiten in Vorschlag zu bringen, falls etwa bie von dem Fürsten BiSmarck eingeleiteten Verhandlungen nicht vor 8 ober 10 Tagen beenbigt wären. Dieser Entschluß des englischen Robinett ist beu beteiligten Mächten mit- geteilt worben.
In ben diplomatischen Beziehungen der Staaten untereinander, scheint sich ein ganz patriarchalisches Verhältniß einbürgern zu wollen! Erst soll der Kaiser von Rußland dem Vertreter der Türkei in St. Petersburg und dann der Kaiser von Oesterreich dem türkischen Botschafter in Wien ein Kapitel an- den Leviten gelesen haben. Run kommt die Nachricht, daß der Herzog DecazeS stch gegenüber dem diplomatischen Agenten Rumänien'« in Paris — vielleicht al« flehe de consolation für die Pforte — einer so rückhaltSlofen Sprache bedient haben soll, daß letzterer völlig erstaunt war, einen solchen Verweis zu erhalten, »ährend früheren Gunstbezeugungen zu urteilen, die »ärmste Unterstützung zu finden hoffte. I
Entgegen den Gerüchten, welche über den Zustand der Gesundheit ja sogar den Tod deS Sultans Murad in Umlauf sind, ist zu bemerken, daß auf der kaiserlich otto- manischen Botschaft in Berlin Depeschen eingelaufen sind, welche allerdings eine schwere Erkrankung be« Sultans konstatiren. Derselbe befindet stch jedoch bereits wieder auf dem Wege der Befferung.
Man Hai sich in der letzten Zeit viel mit den von Abdul Aziz hinterlassenen Diamanten beschäftigt. Nach den Angaben von Wiener Blättern, welche sich anscheinend auf die „Correfpondance orientale" stützen, wären die Diamanten auf dem „Mont de Pi«:ö" zu Paris für eine Summe von 12 Millionen Franken versetzt worden. Dies ist jedoch — wie wir erfahren — ein Jrrthum. Der „Mont be Pi« e* wäre — ohne gegen sein Statut zu verstoßen, nicht in ber Sage, auf ein einziges Pfand eine so hohe Summe vorzustrecken. Die Sache ist einfach die, daß Sultan Murad besagte Diamanten zu bei taufen und durch andere Edelsteine zu ersetzen wünscht. Zu diesem Behufe sind die Diamanten nach Paris geschickt worben. Wie wir weiter vernehmen, ist ba« Geschäft bem Abschluffe nahe.
Die Parteilichkeit gewiffer Wiener unb Pester Journale in ber Kriegsberichterstattung muß ernstlich bebauet! werben, weil burch sie fortwährend verwirrende und unepakte Nachrichten verbreitet werden, die von der Sachlage eine total falsche Anschauung geben. So wird uns von unparteiischer Seite aus Belgrad mitgetheilt, daß eS mit Serb en nicht so verzweifelt sieht, als es manche Wiener Blätter gerne sehen würden. ES hat kein Treffen stattgefunden, deffen Verluste oder Resultate so bedeutend wären, um irgend eine Wirkung auf die Macht irgend eines der Kämpfer zur Verlängerung deS Krieges auSzuüben.
Der Wiener Korrespondet des „Daily Telegraph" will wiffen, daß die Behauptung des türkischen Blatte« „Bastiret", der österreichische Botschafter in Constantinopel hätte erklärt, daß seine Regierung Serbien besetzen würde, wenn der Krieg nicht binnen 14 Tag n sein Ende erreicht habe, ungenau sei, richtig aber sei e«, daß et der Pforte den dringenden Rath erthellte, hinreichende Kräfte anzuwenden, um den Kamps, deffen Verlängerung die politische Situation mit jedem Tage mehr erschwere» so rasch al« möglich zu beendigen.
Nach den neuesten Depeschen vom Kriegsschauplätze kann man annehmen, daß die Depesche des Fürsten Nikolaus von Montenegro, wonach Mukhtar Pascha vollständig bei Vrblza von ihm vernichtet worden fein soll, eine Ente oder
übertrieben ist. Es scheint, als ob bie Montenegriner nach ihrer Niederlage bei Nevestnje sich sehr weit nach Süden rückwärts concenttirt hatten, und von Mukhtar Pascha verfolgt und südlich von Gaczko — der Ort Vrblza ist auf den Karten nicht zu finden — von ihm und zwar im Rücken angegriffen wurden. Der Sieg muß ein glänzender gewesen sein. Der gefangene Osman Pascha Ist wahrscheln- lich nur ein Brigadier. Zugleich hat die süd-montenegrinische Armee unter Petrovicz einen Sieg errungen, worüber letzterer an die Fürstin Milena, wie bereits mitgetheilt, berichtete : Gott hals un«, wie niemals früher. Die türkische Macht u> ternahm gestern, 27., Nachts und heute, den 28., früh einen fürchterlichen Angriff auf die Äuccianer bei Medun. Die Unserigen, 2500 Äuccianer unb Montenegriner, sammelten sich unb griffen alsbann ihrerseits den F ind an, schlugen benfelben auf'« Haupt unb nahmen ihm Kanonen, Munition unb viele Waffen ab. Die Bestürzung bet Türken ist groß. Hoch lebe ber Fürst, Eure Hoheit mit dem Erbprinzen unb unsere helbenmüthigeir Truppen l"
Im Osten bei Saitschar ist gleichfalls — wie schon lange — bie Action im Gange; am 27. soll Osman Pascha in Folge be« serbischen »rtilleriefeuer« seine Positionen bei Beliki-Jzvor verlassen unb sein Hauptquartier vier Kilometer rückwärts verlegt haben. Da« war jeden- falls nur die Einleitung zum Kampfe; am 29. wurde die Schlacht fortgesetzt; au« Kalasat, 29 Juli, telegraphirt man dem „N. W. T.": Abdul Rerim Pascha trifft heute hier ein. Die große Action soll morgen beginnen. Heute wurden 5 eroberte Kanonen, 3000 serbische Gewehre, die am Dienstag bei Zajcar erbeutet »orten waren, heruntergesandt. Den ganzen Tag wird heute bei Bregovo gekämpft. Von Widdln trafen gestern und heute 2530 Konstan- tincpeler Freiwillige, ferner 1800 Egyptier ein. Hier sind fast 20,000 Mann, inclusive der Truppen in Adlie. Unter denselben befindet stch eine Christenlegion, gebildet von Emir Pascha, mit grünen Fahnen, auf welchen der Halbmond mit Stern und Kreuz angebracht ist. Soeben beginnen die PositlonSgeschütze von Jzvor gegen Zajcar zu spielen. Ueber den Ausgang diese« Gefechtes wurde gemeldet, daß die Türken noch keinerlei Erfolg erzielt, daß die Serben vielmehr alle ihre Angriffe zurückgeschlagen haben.
Deutsche, «eich.
** ©erlitt, 31. Juli. Die Presse der Fortschrittspartei hat längere Zeit gebraucht, um sich zur Abwehr der auf thatsächliche Angaben begründeten Anklageschrisrist ber „Prov.-Corresp " zu rüsten, doch ist eS ihr nicht gelungen, mit stichhaltigen Waffen bie wohlgezielte treffenbe Polemik bes halbamtlichen Blattes zurückzuweisen. Wa« den Argumenten bei fortschrittlichen Blätter an überzeugender Kraft
schloffen, bie langen, dunklen Wimpern liegen auf den eingesunkenen Wangen, die blaffen Lippen bewegt kein Hauch.
Elmar v. Weffenhagen ist tobt.
Sein Haupt ruht auf Hildegards Blumen. DaS Bouquet war bei feinem Sturze zuerst auf ben Boden geglitten und Elmars Kepf bann gerade auf den metallenen Halter beleihen gefallen, bie Spitzen, welche besten Rand verzierten, waren tief in feine rechte Schläfe gedrungen und mußten den augenblicklichen Tod zur Folge gehabt haben. Nur wenige Tropfen geronnenen Blutes färbten die zerdrückten weißen Rosen, das feine Laub der Erika.
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Schlagen wir schnell die letzten Blätter unserer trau rigen Geschichte um.
Eine Stunde nach Elmars räthselhaftem Verschwinden au» dem Ballsaale hatte ein Beamter des Gerichtes dem Grafen S. den ganzen Sachverhalt mitgetheilt und ihm zugleich den Brief zur Durchsicht gegeben, in welchem Elmar da« Bekenntniß seiner Schuld niecergelegt hatte. Fer ner stellte der Beamte da« Ersuchen an den Grafen, ber Mutter be« jungen unglücklichen Mannes bie nöthigen Mittheilungen zu machen.
Graf S. war wie gelähmt, ber Schlag traf ihn zu unvorbereitet; er war einer Ohnmacht nahe unb im ersten Augenblicke weder fähig zu sprechen, noch die geringste Bewegung zu machen.
Endlich erholte er sich so weit, daß er seinen Kammer diener mit der Meldung, daß ein plötzliche« Unwohlsein e« ihm unmöglich mache, bei den Gästen zu erscheinen, zu der Gesellschaft senden konnte, welche stch eben anschickte, zur Tafel zu gehen.
Die Nachricht erregte große Bestürzung. Hildegard eilte erschrocken in da« Zimmer des Vater«, den ste mit bleichen verstörten Zügen im Lehnstuhle sitzend sand. Bei ihrem
Anblicke rollte eine Thräne über sein gefurchte« Antlitz unb er drückte die Tochter in unaussprechlicher Bewegung an fein Herz. Auch Frau v. Westenhagen hatte bie Gesellschaft Verlusten, um Hildegard beizustehen. WaS die Gäste betraf, so unterhielten sie sich noch einige Zeit leise, Gruppen bildend, in der Hoffnung, das unterbrochene Fest respektive einladende Souper würde noch stattfinden.
Da aber die Gastgeber nicht wieder erschienen, und nur Hildegard für einen Augenblick mit besorgter Miene unb verweinten Augen zurückkehrte, um eine ihrer näheren Bekannten zu bitten, bei bem Mahle bie Honneurs zu machen, fanb man es angemessen, sich zu entfernen, was auch unter augenscheinlicher Theilnahme, unb nicht ohne leise geflüsterte Bemerkungen über bie Feste im S.'schen Hause unb deren fast immer tragische« Ende geschah.
Hätte die Gesellschaft eine Ahnung gehabt, sie würde ihr Anathema gleich jetzt ausgesprochen haben, wie sie e« später nicht ermangelte, zu thun.
Graf S. hatte Hildegard gesagt (welche stch vorher schon, über Elmar« Abwesenheit beunruhigt, erkundigt, und von bem alten Kammerdiener erfahren hatte, baß ein fremder Herr den Verlobten in dringender Angelegenheit zu sprechen verlangt, woraus Beide sich entfernt hätten), daß SeveringS stattgehabte Verhaftung die sofortige Anwesenheit seine« ehemaligen Freundes auf bem Gerichte nöthig gemacht habe.
Hildegard verstand von derlei Sachen zu wenig, um darüber erstaunt zu sein; ste war nur tief betrübt, daß der schöne Festabend so traurig endete.
Der Vater bat ste jetzt, da er sich bester befinde, stch ruhig zu Bette begeben, unb ersuchte Frau von Westetrhagen, ihm noch eine halbe Stunbe Gesellschaft zu leisten.
I Fortsetzung folgt )