Anzeiger für die Sfabf und den Kreis Aulda. Amtliches Kreisblakk.
Nr. 181.
Erscheint sechsmal wöchentlich- Wochenbeilagen: Illustrierte Beilage" und .BuchenblStter" Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret In Hulda, ssernkdrecher Nr. 9. ornnotlicher Beiiiaevrels- 1.S0 lwk.
Sonntag, S. Kugust 1926,
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Zahrg. 53
Die Vertretung des Reiches in Genf.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Nach der Rückkehr des Reichsaußenministers wird das Reichskabinett sich alsbald wegen der Vertretung des Reiches in Genf schlüssig machen müssen. Die Vorbereitungen hierfür sind allerdings schon getroffen worden, als der Reichstag noch nicht in die Sommerpause gegangen war. Wir betrachten es als selbstverständlich, daß das Reich auch diesmal durch den Reichskanzler und den Reichsaußenminister als Führer der Delegation in Genf vertreten ist.
Diese letztere Feststellung ist besonders notwen- dig, nachdem schon wieder in einer gewissen Presse es so dargestellt jnirb, als sei nur der Außenminister in Genf notwendig, und als bedürfe es der Anwesenheit des Kanzlers nicht. Es ist dasselbe Spiel, wie es auch seinerzeit gehandhabt wurde, als es sich um die Vertretung der Reichsregierung bet der Konferenz in London handelte. Auch damals hat diese Presse dafür Stimmung machen wollen, daß lediglich Stresemann sich nach London begibt und Marx sich zurückhalten solle. Wie aber damals Marx den richtigen Entschluß getroffen hat, so haben wir auch das Zutrauen, daß das jetzt der Fall ist.
Zur Tagung in Genf hat die Reichsregierung eine offizielle Mitteilung bis jetzt noch nicht erhalten. Eine Einladung im engeren Sinne kommt ja noch nicht für Deutschland in Frage, da es noch nicht Mitglied des Bundes ist. Das Ersuchen, an der Konferenz teilzunehmen, wird in derselben formalen Weise vor sich gehen, wie das bei der Märztagung der Fall war.
Die Tagesordnung der diesjährigen Völkerbundsversammlung sieht nicht weniger als 22 Punkte vor und erst als 12. ist die Aussprache über den Bericht der Aufnahmekommission vorgesehen. Dieser Bericht schließt den Vorschlag der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund in sich. Wir möchten unserer Auffassung dahin Ausdruck geben, daß
es für Deutschland und die deutschen Vertreter in Genf sachlich untragbar wäre, erst wieder die Debatte über 11 Punkte verstreichen zu lassen, und tagelang vor den Türen des Völkerbundes in Genf zu warten. Wir sind vielmehr der Meinung, daß das Aufnahmegesuch Deutschlands an erster Stelle zur Entscheidung kommen muß, und daß dann Deutschland in den Stand gesetzt wird, auch seinerseits schon bei den diesjährigen Arbeiten des Völkerbundes mitzuwirken. Von englischer Seite ist man offenbar auch bemüht, in diesem Sinne zu verfahren, aber auch die Widerstände, die sich von anderer Seite geltend machen, sind immer noch so groß, daß man auch jetzt noch nicht mit voller Sicherheit einen völlig glatten Verlauf der diesmaligen Genfer Verhandlungen voraussagen kann. Der diplomatische Gedankenaustausch zwischen Deutschland und den übrigen Mächten ist gegenwärtig in vollem Gang, und von dem Ergebnis der Sondierungen wird es abhängen, welche Stellungnahme Deutschland schließlich einnimmt. Es handelt sich ja nicht allein um die formalen Dinge, sondern auch um große politische Vrobleme, namentlich im Zusammenhang mit der Situation, die nach Aufnahme Deutschlands in ded Völkerbund in den besetzten Gebieten eintreten soll.
vesatzungserleichterungen?
wtb. Mainz, 7. Aug. (Eigene Funkm.) Wie WagnerS Südwestdeutscher Nachrichtendienst aus unterrichteter Quelle erfähit, beabsichtigt die französische Regierung, demnächst einen großen Teil der verheirateten Besahungsangebörigen durch unverheiratete abzulösen. Die Maßnahme wurde auf die neue Ersparnispolitik in Frankreich zurückgeführt, da man in Paris eine Sondervorlage für verheiratete Offiziere und Beamte abgelehnt habe. Die Verwirklichung dieser Anordnung würde zweifellos die starke Wohnungsnot im besetzten Gebiet mildern.
W Ratifizierung der sranröfiichell SchOtliMonMN
wtb. Paris, 7. Aug. (Eig. Funkm.). Die Stellung der Regierung zur Frage der Ratifizierung der Schuldenregelungsabkommen mit England und Amerika ist immer noch nicht endgültig bestimmt. Innerhalb des Kabinetts bestehen scheinbar Meinungsverschiedenheiten. „Petit Pari- sien" glaubt, daß Briand und Painlevö sich für die Ratifizierung einsetzen, jedoch bei ihren Kollegen, namentlich bei Louis Marin von der demokratisch- republikanischen Vereinigung auf heftigen Widerstand stoßen. Das Kabinett scheint sich jedoch vorher über die Stimmung im Parlament unterrichten zu wollen. Von hauptamtlick)er Seite wurde gestern nacht eine Darstellung verbreitet, die auf eine Vertagung der Beratung bis zur Oktober- Session schließen läßt. Die endgültige Entscheidung bleibt dem am Montag stattfindenden Mmister- rat Vorbehalten.
Die Handelsdelegation der Sowjetrepublik hat gegen die Beschlagnahme
(Eine unmögliche Partei.
Von parlamentarischer Seite wird uns geschrieben:
Vor kurzem hat in Görlitz der Parteitag der Wirtschaftspartei stattgefunden. Dieser Parteitag ist ein Schulbeweis dafür, wie unmöglich auf die Dauer eine Partei auf berufsständi- scher Grundlage und dem Zwang, Politik großen Stils zu betreiben. Alle Theorien wurden immer wieder durchbrochen vom Zwang der Tatsachen, und so empfängt man von diesen Verhandlungen das Bild eines geradezu unleidlichen inneren Zwiespaltes, der den Führern sicherlich bewußt unbehaglich gewesen ist und den die Delegierten, wenn auch nicht so deutlich, mitempfunden haben müssen. Der beste Beweis für diese Inkrepanz ist wohl die Tatsache, daß man die neu aufgestellten Richtlinien, die so etwas wie ein Parteiprogramm darstellen, einfach en bloc anahm, offenbar weil man einsah, daß die Besprechung selbst im kleinen Kreise den inneren Widerspruch nur allzu deutlich machen werde.
Mit welchen Hoffnungen ist seinerzeit diese Par- teigrünbung in Mittelstandskreisen begrüßt worden! Heute muß man schon den Boden des reinen gewerblichen Mittelstandes verlassen und auch den „geistigen" Mittelstand dazu ziehen, also z. B. Riesengruppen von Beamten aller Art, die rein berufsständisch gar nicht zu den Mittelständlern gehören und deren wirtschaftliche Wünsche denen des gewerblichen Mittelstandes schnurstracks entgegenlaufen. Aus der reinen berufsftändischen Gruppe ist bereits eine regelrechte politische Partei geworden, also gerade das, was eigentlich die eigentlichen Befürworter unter den Mittelständlern gar nicht wollten, die immer an eine reine Standes- Vertretung gedacht haben. Das Programm ist ein wildes Gemisch aus Teilen des Volksparteilichen und Zentrumsprogramms. Aber mehr das erstere. Man fragt sich tatsächlich: Warum diese Mittelständler sich nicht einfach der Vo l ks p a r t e i wieder- verschreiben. Sie haben, wie das Görlitzer Programm klar erweist, eben einen Riesenumweg gemacht. Sie zogen wider die bürgerlichen Parteien, deren Art sie auf das schärffte kritisierten, und nun sind sie nach fünf Jahren wieder zu einem bürgerlichen Wechselbalg geworden, dessen Erscheinen lediglich dazu aebient bat das bürgerliche Parteiwesen in
ihrerGut haben bei PariserBanken, die auf Antrag einer französischen Ausstellungsqeseil- schaft für Moskau erfolgt war, vor Gericht Einspruch erhoben. Dieser Einspruch wurde vom Gericht verworfen. Es stellte sich auf den Standpunkt, daß die exterritorialen Rechte hier nicht in Frage kämen.
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Das französische Finanzministerium erklärt zu der im „New Pork Herald", Pariser Ausgabe, erschienenen Nachricht, daß unter der Voraussetzung der Ratifizierung des Mellon-Berenger-Abkommens die Auflegung einer 250 Mi lli onen Dollar an l e i h e in Amerika geplant sei, daß sie jeder Begründung entbehre.
Der französische Minister für öffentliche Arbeiten, Tardier, hat eine Abordnung der Eisenbahner empfangen, die ihm ihre Forderungen betreffend Lohnerhöhung und des Achtstundentages unterbreiteten.
Deutschland durch eine zweifelhafte Neuschöpfung zu vergrößern.
K u l t u r e l l ist das Programm ein sonderbarer Mischmasch aus liberalen und orthodoxen Ideen. W i r t s ch a f t l ich auffällig r e a k t i o n är, so reaktionär, daß keine der großen Parteien es wagen würde, ihren Wählern so etwas zu bieten. Hier zeigt sich eben die völlig einseitige Gruppierung, das Klassenkämpferische. Was sie bei den Sozialdemokraten aufs schärffte tadeln, das tun sie selbst. Sie sind m i t t e l st ä n d l e r i s ch e Klassenkämpfer, kennen nur ihr Klasseninteresse und sehen kein anderes. Hier wird wieder die Wurzel der' Partei sichtbar, die ursprünglich aus kleinen Mittelstandsgruppen sich entwickelte und dann vor die Aufgabe gestellt wurde, nationale Politik treiben zu müssen. Sie ist eben eine ausgesprochene „Klassen"-, aber nicht Volkspartei.
Daß sie den Bürgerblock erstrebt, ist nicht verwunderlich. Ja sie sieht mit einer gewissen Naivität sich sogar als die Trägerin dieses Gedankens (den sie übrigens gar nicht ausführen könnte) an und meint, daß sie das Sammelbecken für alle solche Bestrebungen sei! Man kann ihr diesen „Gedanken" übrigens ruhig lassen. Politisch kann man sie unbedenklich als Rechtspartei kennzeichnen. Zur Mitte gehört sie nicht.
Und ihre Zukunft? U .E. ist das eine Frage der Hauszinssteuer! Das klingt sonderbar, aber es steckt viel Wahres darin. Träger ist der gewerbliche Mittelstand, der durch bestimmte schikanöse Steuern außerordentlich gereizt ist und noch gereizt wird. Wenn sie einmal bei ruhiger Entwicklung gefallen fein werden, wird erst die Feuerprobe dieser nur aus der Revolution verständlichen „Partei" kommen. Freilich ohne das gegenwärtige Wahlsystem würde sie ebenfalls n i e existieren. Eine kleine Aenderung, die übrigens gar nicht einmclZweidrittelmehrheit erforderte, könnte ihr den Garaus machen, da sie nur in einem ein- z! gen Wahlkreise ein Mandat aus sich aus- bringt. Sie ist nicht bodenständig, kann es nie werden, und ist und bleibt ein unmögliches Gebilde!
* Der Aermelkanal von einer Amerikaneri" durchschwommen. Miß Ederle, eine junge Amerikanerin, hat am Freitag in 151/* Stunden den Aermelkanal durchschwommen. Sie war Freitag früh von Kap GriSnez abgsschwommen.
Handelsverträge.
Zu dem Teilabkommen zwischen Deutschland und Frankrei ch schreibt der „Temps", dieses Abkommen bilde ein Vorspiel für eine Gesamtregelung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Es sei ein Anfang, von dem man eine günstige Entwicklung des Warenaustausches zwischen den beiden Ländern erwarten könne, ein Ausgangspunkt für die Politik der Angleichung der wirtschaftlichen Interessen zwischen Frankreich und Deutschland, von dem man hüben wie drüben die besten «Ergebnisse für die Konsolidierung des Friedens im Westen erhoffe. Briand habe in dem dem Vertreter der „Neuen Freien Presse" gewährten Interview ganz besonders auf die deutsch-französische wirtschaftliche Annäherung als eines der wesentlichen Ziele seiner Politik der Entspannung und Verständigung hingewiesen. Es sei notwendig, daß auch Deutschland mit der gleichen Aufrichtigkeit, die Briand an den Tag lege, antworte unl> nicht etwa die Politik von Locarno zur Erlangung von sofortigen Vorteilen zu benutzen suche. Frankreich habe Deutschland gegenüber so viel guten Willen bekundet wie nur möglich und jetzt sei es an Deutschland, seinerseits den Beweis seines versöhnlichen Geistes und seines aufrichtigen Willens zum Frieden und zur Verständigung zu erbringen.
Die Ratifikationsurkunden des am 9. April 1926 von Ungarn mit Oesterreich abgeschlossenen Handelszusoitzabkommens sind in B u d a p e st im Ministerium des Aeußeren ausgetauscht worden. Im Sinne des Abkommens tritt der Vertrag acht Tage nach bgm Austausch der Ratifikationsurkunden, d. h. am 14. August d. Is. in Kraft. Am gleichen Tage tritt auch das am 10. Mai mit Oesterreich abgeschlossene Veterinärabkommen in Kraft.
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InParis sind im Außenministerium die Verhandlungen zwischen Jugoslawien und Frankrei ch zwecks Abschlusses eines Handelsvertrages eröffnet worden.
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Das am 24. März 1926 unterzeichnete Handelsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und Honduras ist ratifiziert worden. Das Abkommen tritt am 8. August 1926 in Kraft.
polen.
wtb. Warschau, 7. Aug. (Eig. Funkm.). Die Verordnung des Staatspräsidenten, die die Neuord- nung der obersten Kommandostellen hn polnischen Heere regelt, ist gestern erschienen. Oberster Kriegsrat der polnischen Republik ist erfahrungsgemäß der Staatspräsident. Oberbefehlshaber der Armee im Kriege ist der neu zu ernennende Generalinspektor des Heeres. Im Frieden sind drm Generalinspektor, der gleichzestfig stellvertretender Kriegsminister ist, unmittelbar unterstellt: der Generalstab mit dem Chef des Generalstabes an der Spike und die Armeeinsvektoren mit den ihnen zu- getciften Offizieren. Dem Generalinspektor des Heeres liegt die Aufarbeitung und Kontrolle aller Mobilmachungs- und Dperationsarbeiten sowie die Verleidigungserweiterung im Falle eines kriegerischen Zusammenstoßes ob. Die Ernennung des Marschalls P i l s u d s k i zum Generalinspektor des Heeres soll in den nächsten Tagen erfolgen.
wtb Warschau, 7. Aug. (Eig. Funkm.). Handelsund Jndustrieminister Kwiatkowski gab auf einer Konferenz mit der polnischen Landespresse einige Erklärungen über aktuelle Wirtschaftsfragen des polnischen Staates ab. Der Minister hebt hervor, daß sich die Wirtschaftslage des polnischen Staates in den letzten Wochen gebessert habe, insbesondere in der Gruden- und Textil-Industrie. Das Vertrauen zur Stabilisierung der Wirtschaftsverhältnisse in Polen äußert sich in einer Zunahme der Spar-Einlagen. Im Vergleich zu den Mannigfaltigkeiten der polnischen Produktion sei es aber mit dem Handelin Polen noch schlecht bestellt. In der anschließemden Erörterung kam der Handelsminister noch auf die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen zu sprechen. Er betonte, er sei ein Anhänger des Wirtschaftsfriedens in Europa, weil er wisse, daß durch einen Zollkrieg nichts aufgebaut werden könne.
Die Valkan-Handel.
Aus Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, wird gemeldet: Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten bezeichnet die von der „Belgrader Ztg." veröffenllichke Meldung als falsch, nach der die nach Sofia geschickte Note über den Einiall von Kom- milatschis einen ultimativen Charakter habe. Da? Ministerium erklärt fernerhin, daß die von der „Morning Post" gebrachte Meldung, nach der die Absendung der Note aufgrund von Vorstellungen der Großmächte verschoben wurde, jeder Grundlage entbehre.
Die Bulgarische Telegraphenagentur meldet au8 Sofia: Die Reutermeldung über einen freundschaftlichen Schritt der britischen Regierung in Sofia bestätigt sich. Aehnliche Schritte wurden auch von Frankreich undJtalien unternommen.
* Schließung ausländischer Handelskammern in Konstantinopel. Wie Reuter aus Konstantinopel meldet, geht dort das Gerücht, daß die örtlichen Behörden die Anweisung von Angora erhalten haben, die ausländischen Handelskammern zu schließen, insbesondere die britische, ftanzösffche, amerikanische und italienische.
Der Kampf gegen die Kirche.
Offeroafore Romano über den Kulturkampf in Mexiko.
wtb Rom, 7. Aug. (Eig. Funkm.). Das amtliche Organ des Hl. Vaters, der „Osseroaiore Romano", weist gegenüber der Versicherung des sozialistischen Präsidenten von Mexiko, daß seine Regierung nichts weiter tun werde, als das Gesetz von 1917 anzuwenden, das den Staat von Kirche trennt, auf den Artikel 130 der Konstitution desselben Jahres hier, nach der die P r o v in z ä m t e r das Recht haben, die H ö ch st z a h l der Priester festzusetzen und die ferner die Priester verpflichtet, sich einzutragen, damit die Zivilbehörden bescheinigen können, wer von ihnen zur Ausübung des Gottesdienstes zugelaffen wird. Osseroaiore Romano ersieht daraus, daß es nicht um eine Trennung von Kirche und Staat, nicht darum, den Staat von einer unzulässigen Einmischung der Kirche zu befreien, handele, sondern um eine Ersetzung der Kirche durch Zivilgewalt.
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Aus Washington wird gemeldet: Das Staats. Departement hat auf die Entschließung des „Kolumbus-Ritter", einer führenden katholischen Gesellschaft in Amerika, die das Senatsdepartement um ein Eingreifen zum Schutze der Rechte amerikanischer Bürger in Mexiko ersuchte, wiederholt erklärt, daß die Regierung für persönliche oder Eigentumsrechte amerikanischen Bürger in Mexiko eingegriffen habe und dies auch fernerhin tun werde, daß die Vereinigten Staaten jedoch nicht in Fragen lokalen politischen Interessen in Mexiko eingreifen könnten.
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Kurz und nüchtern melden die Telegraphen-Büros: „Nach Blattermeldungen aus Mexiko ist der kürzlich verhaftete Bischof von Huejutla im Gefängnis von Vera-Cruz tot aufgefunden wor.den." Bischof Zarate von Huejutla im Gefängnis von Vera-Cru; tot aufgefunden! Eine traurige Kunde vom Schauplatz des mexikanischen Kutlurkampses, denn Bischof Zarate war eine der markantesten Persönlichkeiten des mexikanischen Episkopates, ein Mann von außerordentlichem Mut, den die Jakobinerregierung am 16. Mai wie ein Schwerverbrecher ins Gefängnis werfen ließ. Sie hatte Anklage gegen ihn erhoben auf „Erregung von Aufruhr" und „Ungehor- fam gegen die Verfassung, begangen durch Der- öfsentlichung eines Hirtenbriefes." Dieser Hirten- b r i e f, der s. Zt in Tausenden von Flugblättern in Geheimdruckereien hergestellt wurde, trug die Ueberschrist: „Es lebe Christus der König!" „Es mag vielleicht einer denken", schrieb Bischof Zarate, „daß wir uns unklug den Zornesausbrüchen der Tyrannen aussetzen. Aber besser ist es, die Empörung der Menschen zu erregen, als die Empörung Gottes. Wir fürchten nicht die Gefängnisse und die mörderischen Gewehre. Wir fürchten nur das Urteil Gottes. Wir verwerfen, verabscheuen und verurteilen feierlich alle und jedes einzelne der Attentate, die von der mexikanischen Regierung gegen die Kirche begangen worden sind . . . Der Herr Präsident möge wissen, daß in diesem Lande ein Mann lebt, der mit der Gnade Gottes den Mut hat, wenn notwendig, das Martyrium zu erleiden für die Sache Christi in der Kirche. Nur eine Gnade erbitte ich vom Jakobinertum, wenn überhaupt das Jakobinertum Gnade kennt, daß man mich nicht meuchlings ermordet."
Hat der Bischof von Zarate vorausgeahnt, daß man ihn -eines Tages im Gefängnis von Vera- Cruz „tot a u f f i n b e n" werde? — Sicherlich hat er die Kampfmethoden der Calles-Regierung gekannt und gewußt, daß sie vor keinem Mittel zu- rückfchrecken wird, um mannhafte Gegner zu befestigen. Nun hat er für ferne Kirche, für fein Land und fein Volk den Märtyrertod erlitten.
Die Lage in Marokko.
wtb. Paris, 7. August. (Eig. Funkm.) Wie dem „Journal" aus Rabat gemeldet wird, zeigen sich die Eingeborenen der französischen Zone, die noch als Dissidenten zu bezeichnen sind, nämlich die Diichas, immer angriffslustiger. Sie griffen bereits zwei Stämme an. Die Meldung besagt ferner, daß in Fez wegen des eingetretenen Wasser- mangels große Erregung herrsche. Der eingeborene Stob trat habe gedroht, zurückzutreten. Es sei bereits zu Kundgebungen und Zusammenstößen g«v kommen.
Der 6lufstand in Goa.
Nach einer vom „Temps" wiedergegebenen Meldung aus Lissabon teilt die portugiesische Regierung mit, daß einige portugiesische Offiziere in der Kolonie Goa, um ihre Unzufriedenheit mit den Beschlüssen der Regierung, militärische Pensionen herabzusetzen, zu bekunden, den Gouverneur der Kolonie abgesetzt und ein au8 zwei Obersten und einem Major gebildetes Triumvirat eingesetzt hätten. Die Regierung habe sich geweigert, die Absetzung des Gouverneurs anzuerkennen und habe die Mitglieder des Triumvirats nach Lissabon abberufen.
* Eine Antikriegskundgebung der Kommunistei in Dresden verboten. Wie das Presseamt des Polizeipräsidiums mitteilt, ist die für Sonntag von der kommunistischen Partei Deutschlands, dem Roten Frontkämpferbund usw. geplante sogenannte Anti- kriegskundgebung vom Polizeipräsidium mit Rücksicht auf den anläßlich des 43. Bundesfestes des BundeSDeutscherRadfahrerfürden gleichen Tag angemeldeten großen g^ug verboten worden.