Zur Bedeutung historischer Kochbücher

Eine Einleitung von Dr. Anna Wolanska und Ingo Köller

Kochbuch

Kochbücher sind thematisch strukturierte Textsammlungen, deren Basis Kochrezepte bilden. Neben Kochrezepten können Kochbücher auch Texte anderer Typen enthalten, z. B. Kochregeln, Speisezettel, Hinweise zur Küchenausstattung, zum Einkauf, zur Aufbewahrung von Lebensmitteln und Speisen, Beschreibungen von Lebensmitteln und Küchengeräten, Umrechnungen von Maßen, Gewichten und Kalorien, Grundlagen der Küchenkalkulation, Erklärungen von Küchenausdrücken, ebenso persönliche Einträge der Besitzerinnen und Besitzer zu diversen Themen.

Funktional gesehen sind Kochbücher in erster Linie Gebrauchsgegenstände. Sie stellen aber auch ein wertvolles Kulturgut dar, in dem kulturhistorische, ethnographische, linguistische, paläographische, bibliographische und andere Daten zusammenfließen. Als Zeitzeugen spiegeln sie nicht nur die Geschmackspräferenzen und Essgewohnheiten von Zeitgenossen, sondern auch gesellschaftliche, politische, (küchen)technische und ernährungswissenschaftliche Entwicklungen sowie Tendenzen der jeweiligen Zeit wieder. Handgeschriebene Kochbücher tragen zudem Informationen über die schriftsprachliche Kompetenz und die sprachlichen Gepflogenheiten der Schreiberinnen und Schreiber, häufig auch über die Schreibmotivationen und -anlässe, die Formen der Aufzeichnung und der Nutzung von Kochbüchern und Kochrezepten sowie die Verbreitungswege der letzteren.

Aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind Kochbücher sowohl in gedruckter Form als auch in Form von handgeschriebenen Unikaten überliefert, die in privaten Haushalten, Großküchen sowie Kochkursen für den eigenen Gebrauch der Schreiberinnen und Schreiber oder den Gebrauch anderer Personen aus ihrem Umkreis verfasst wurden. Nur ein kleiner Teil der erhalten gebliebenen Exemplare gehört heute zum Bestand von öffentlichen Bibliotheken. Eine Vielzahl gedruckter Kochbücher und ein Großteil der Manuskripte befinden sich als Familienerbstücke oder Sammlerexemplare in Privatbesitz, wo sie für die Forschung äußerst selten, für die Öffentlichkeit überhaupt nicht zugänglich sind.

Bei der Sammlung Wolanska und Köller handelt es sich um eine Privatsammlung. Die Sammlung entstand im Zusammenhang mit dem Dissertationsprojekt „Funktionaler Aufbau und sprachliche Mittel in Kochrezepten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ (Wolanska-Köller 2010), das unter den wissenschaftlichen Fittichen von Prof. Dr. Thomas Gloning (Erstgutachter) und Prof. Dr. Gerd Fritz (Zweitgutachter) an der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt wurde. Sie umfasst insgesamt 250 handgeschriebene und gedruckte Koch- und Backbücher, Rezeptbroschüren und Küchenlexika im Original sowie 65 Nachdrucke von Kochbüchern aus vergangenen Jahrhunderten, wobei der Schwerpunkt auf dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert liegt. Viele Originalexemplare sind aufgrund ihres Alters und Gebrauchscharakters, einer schlechten Papier- und Tintenqualität mittlerweile in einem sicherungsbedürftigen Zustand.

Dieses empfindliche kulturhistorische Material wurde mit Unterstützung von Prof. Dr. Thomas Gloning in der Universitätsbibliothek Gießen durch Digitalisierung gesichert und die Digitalisate der Forschung sowie der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Mögen sie als Grundlage für weitere Forschungsprojekte sowie allen Kochbuchfreunden dienen.

Mit freundlichem Dank an den Direktor der Universitätsbibliothek Gießen Dr. Peter Reuter und seine Mitarbeiter Dr. Thomas Buchkamp, Florian Ruckelshausen, Dr. Olaf Schneider und Barbara Zimmermann.

Zur Sammmlung Dr. Anna Wolanska u. Ingo Köller

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