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15. Jahrgang

Schlüchtern / Mai 1^23

Nummer 1

T\ne einzige Mittel, um die Welt zu erneuern oder zu verdessern, ist die Erfüllung der

Nächstliegenden Pflichten, nicht die Jagb nach grasten, in der ferne gesuchten Zielen. Kingnleg.

Sitte,

Freie, in dieser Zeit Gewog, Da die Stürme rastlos schnauben, wahr', o wahre uns den Glauben, Der noch nimmer mich betrog.

Der noch sieht in Nacht und fluch Eine Spur von deinem Lichte, Ohne den die Weltgeschichte wüster Greuel nur ein Guch.

Daß, wo trostlos unbeschränkt Dunkle Willkür scheint zu spielen, Liebe doch nach ew'gen Zielen Die verborgnen faden lenkt,-

Daß, ob wir nur Einsturz schau'n, Trümmer, schwarzgeraucht vom Grande, Doch schon leise durch die Lande wallet ein geheimes Gau'n;

Daß auch in der Völker Gang Wehen deuten auf Gebären, Und wo Tausend weinten Zähren Einst Millionen singen Dank;

Ja, daß blind und unbewußt Deiner Gnade heil'gen Schlüssen Selbst die Teusel dienen müssen, wenn ste tun nach ihrer Lust.

Herr, der Erdball wankt und kreist;

Laß, o laß mir diesen Glauben, Diesen starken Frort nicht rauben, Gis mein Geist dich schauend preist!

Emonuel Geibel.