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15, Jahrgang

Schlächtern / September 1^23

Hummer 2

TYSillft du dir ein gut Leben zimmern, mußt ums Vergangene dich nicht bekümmern,

Und wäre dir auch was verloren, erweise d ch wie neugeboren!

TTSos jeder Tag will, sollst du fragen, was jeder Tag will, wird er sagen, Goethe.

Ich hab's gewagt?

Ü2 ^3

Nachdem ich meinen großen Wurf getan, Da hub der Vater mich zu schelten an: Du trittst mit Rom in Fehde? Bist du toll? Mich wundert's, Ulrich, rote das enden soll! Ront war schlimm und klingt erbärmlich schon, Doch Ketzer ist noch weit ein schlimmeren Ton! Erlebt' ich'ö nicht! Ein Sohn in Bann und Acht, Der meinen grauen Haaren Schande macht! So, Ulrich, mehrst du deines Stammes Glanz? Jetzt gehst du halb zerlumpt bald bist du's ganz! Was kümmert dich, ob unser Haus zerfällt? Was kümmert irgend dich noch auf der Welt? Wenn nur in Holzschnitt du und Kupferstich Den Lorbeer trägst was anders kümmert dich? Du lächelst? du verziehst den Mund zum Scherz? Ich wußt es nicht: Du hast ein böses Herz." Der Vater sprach's und blickte finster drein, Mit Tränen bat das fromme Mütterlein: Mein süßer Ulrich, laß das böse Spiel!" Ich gab zur Antwort: Nein! Der Würfel fiel. Mein Mütterlein behalt mich lieb und gern! Bleib du mir milde wie der Abendstern.

Du kränkst mich, Vater, nicht, so herb du bist! Hier schlägt ein Herz, das guter Meinung ist. Beleidigt mich mein abgebraucht Gewand, So laß mich treten aus des Hauses Band! Ich sei ein Fremdling dir! D" bleibst in Ruh, Mein Gut, du teilst es meinen Brüdern zu. Und ärgre, Vater dich am Lorbeer nicht, Der nur im Bildnis mir die Stirn umflicht! Ich selber trage ohne Prunk und Glanz Im Leben einen schlichten Dornenkranz.

Wozu der Lorbeer? Das hat keinen Sinn, Ein jeder weiß, daß ich den Hütten bin, Den weder Zeit noch Tod, noch Acht, noch Gram, Vom Herzen seines Volkes scheiden kann! Burg Steckelberg, die von der Höhe schaut, Von Frankens schönen Hügeln rings umbaut, Die Brücke nieder! öffne mir dein Tor! Ich reit aus dir zum Letzten mal hervor. Blas Türmer, blas mir noch ein tapfer Stück! Ick fahr in Kampf und kehre nicht zurück.

Künrad Ferdinand Meyer. v (AusHuttens letzte Tage.")