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Wer feine Heimat liebt, muß sie auch verstehen; wer sie aber verstehen will. muß überall in ihre Geschichte zu dringen ------------suchen,------------ Jakob Grünm
Mitteiluilgen des Heimatbundes, Verein für Heimatkunde u. Heimatpflege im Kreise $d)lüd)tern.
Nr. 1.
Schlüchtern
April 1908.
Mensch, du hast ein Vaterland, ein heiliges Land, ein geliebtes Land, eine Erde, wonach deine Sehnsucht ewig dichtet und trachtet.
Wo dir Gottes Sonne zuerst schien, wo dir die Sterne des Himmels zuerst leuchteten, wo seine Blitze dir zuerst seine Allmacht offenbarten und seine Sturmwinde dir mit heiligem Schrecken durch die Seele brausten, da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland.
Wo das erste Menschenaug' sich liebend über deine Wiege neigte, wo deine Mutter dich zuerst mit Freuden auf dem Schoße trug und dein Vater dir die Lehren der Weisheit und des Christentums ins Herz grub, da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland,
Und seien es kahle Felsen und öde Inseln, und wohnte Armut und Mühe dort mit dir, du mußt das Land ewig lieb haben; denn du bist ein Mensch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in deinem Herzen.
Das
(Ein zierlich Haus, umrankt von wildem Wein, Die Sonne glänzt auf blanken Fensterscheiben, Das war das neue Heim. Sie zogen ein, Sie wollten hier im Städtchen wohnen bleiben.
„Weldf Glück! Nun ruh'n wir von der Arbeit aus Sie sagten's oft — und lächelten so eigen, „Wie schön es ist, das neue schmucke Haus!" Und keines wollte feine Tränen zeigen.
Doch Nacht für Nacht an ihrem Lager stand Das Heimweh mit den trauerblasten Wangen Und leitete mit weicher Uinderhand Zum fernen Heimatdorfe ihr Verlangen.
E. M. Arndt.
Heimweh.
Und dann versank das zierlich neue Haus, (Ein altes tauchte auf mit weiten Räumen, Gin großer Garten breitete sich aus, (Es rauschte in der Heimat Lindenbäumen.
Im Winbe wogt das gelbe Aehrenmeer Drin blau und rote Blumenhäupter leuchten, Und Sommerdüfte wehen drüber her llnb steigen aus bem Wiefengrunb, dem feuchten.
Wie dann sie, von einander ungefeh'n, Die Häupter schluchzend in die Rissen pressen, Und keines will's bem Ander'n eingesteh'n: Sie konnten ihre Heimat nicht vergessen!
Luise von M e n tz.