Wer feine Heimat liebt, muß sie auch verstehen; wer sie aber verstehen will, muß überall in ihre Geschichte zu dringen ------------suchen,------------
Jakob Grimm
—Erscheint — ------------ in ------------
8 8 zwangloser Folge. H £
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Mitteilungen des Heimatbundes, Verein für Heimatkunde u. Heimatpflege im Kreise Schlächtern
Nr. 11
Schlächtern
Juli 1910
Die „HtrsDaMM" m HHlüHt^M.
(Nach alten Akten.)
Im Jahre 1850 hatte die hessische Volksvertretung bem Kurfürsten die Bewilligung der Steuern verweigert, worauf dieser die Forterhebung befahl. Als die Landstände dagegen protestierten, verhängte der Kurfürst über das ganze Land den Kriegszustand, da in seinen Augen dies Vorgehen des Volkes Rebellion war. Der norddeutsche (deutsche) Bund, dessen Hilfe die hessische Regierung angerufen hatte, beschloß am 27. Oktober 1850 die sogen. Bundesexekution durch preußische und bayrische Truppen. „Wenn man auch", so erzählt der Kasseler Arzt Dr. Schmarzkopf, „von dieser Soldateska auch nicht gerade Raub, Mord und Plünderung befürchten mußte, so hatte man doch allen Grund, den kommenden Ereignissen recht sorgenvoll entgegenzusehen und sich zu vergegenwärtigen, daß die Bataillone zur Bestrafung widerspenstiger Bürger und Beamten gekommen waren. Gegen die Person des Landesherrn, gegen die Autorität des Bundes und der Staatsregierung war sehr gearbeitet worden. Besonders stark hatte die Zeitschrift „Die Hornisse" in flam- menden Artikeln gehetzt, dem Hochverrat und Majestätsbeleidigungen weit ihre Spalten geöffnet, und von
vielen fanatischen Republikanern konnte man ständig den Schlachtgesang hören:
„Vivat hoch die Republik!
Unsern Kurfürst hab'n wir dick.
Weil er sich so schlecht betragen,
Wolln' wir ihn zum Teufel jagen!"
Am 1. November, einem Freitag und zugleich dem Buß- Bet- und Danktag des Jahres, ließ die Ortsbehörde zu Schlüchtern folgendes bekannt geben:
„Da es wahrscheinlich ist, daß noch heute eine bedeutende Truppenzahl hier eintreffen wird, so werden die hiesigen Einwohner hiermit aufgefordert, sich sowohl mit den nötigen Lebensmitteln zu versehen, als auch für nötige Stallungen zu sorgen."
Schlüchtern, den 1. Nov. 1850. Denhard.
Für Bürgermeister Hafner, seinen Stellvertreter Adam Denhard, Gastwirt im „Deutschen Haus", und den Stadtrat begann mit dem Einrücken der Truppen eine arbeits- und ärgerreiche Zeit. Bis spät in die Nacht hinein war man auf dem Rathause tätig. Obwohl dem Bürgermeister von dem Kurfürstlichen Verwaltungsamte eröffnet worden war, daß „höherer Bestimmung zufolge den Behörden derjenigen Gemeinden, welche mit Bundestruppen belegt werden, keine selbständige Bestimmung der Quartiere überlassen werde",