Erfchein 1 ------------ in ------------ $ K zwangloser Folge, t *
Wer seine Heimat liebt, muß sie auch verstehen; wer sie aber verstehen will, muß überall in ihre Geschichte zu dringen -----------suchen,-----------
Jakob Grimm
eimat
Mitteilungen des Heimatbundes, Herein für Heimatkunde u. Heimatpflege im Kreise Zchliichtern
KerreUer Kummer, Sonderausgabe für das Jahr 1912,
Die Herrn von Worte gen Böhm und ihr Wohnsitz Uerzell.
Von Medizinalrat Dr. Cane r.
Etwa 1 Wegstunde von Steinern, an der vom Kin- zigtal in den Vogelsberg führenden Landstraße, liegt, eingebettet indas vom Uerzeller Wasser durchflossene enge Tal, das alte Dorf Uerzell. **) Mit dem eine Viertel
*) Wappen der von Mörle gen. Böhin. Der Schild ist geteilt und halb gespalten. In der Mitte zeigt er eine Rose. Der Helm mit Decke trägt als Kleinod zwei Büffelhörner und die Rose des Schildes. Die Tinkturen (Farben) des Wappens sind nicht bekannt.
**) Der Name Uerzell tritt uns urkundlich zuerst in einer Markbe- schreibung aus dein Jahre 886, und zwar als Bachnamen entgegen. Es.wird da ein die Mark der Kirche zn Salmünster begrenzender Bach Urcelnaha (Urcellun-aha) genannt. Bon Pros. Haas Fulda (Siehe Fuldaer Geschichtsblätter X Nr. 7 Seite 110) wird dieser Bachnamen als der durch Uerzell, althochdeutsch Uri- cclla, Zelle des Mönchs Uro, fließende Bach gedeutet. Ist diese Deutung richtig, wofür die Tatsache, daß der Name Uro in den frühsten Totenregistern des Klosters Fulda mebrfach vorkommt, zu sprechen scheint, so wird man wohl anzunehmen haben, daß die Zelle des Uro nicht allzulange nach der Gründung des Klosters Fulda von diesem aus erfolgt ist.
stunde entfernten, hoch am Fuße der Kaupe gelegenen Weiler Klesberg und einer etwas weiter talabwärts nach Steinau zu liegenden Häusergruppe, der sog. Schmidtmühle, bildet es heutzutage eine Gemeinde, deren Bürgermeister seinen Sitz in Uerzell hat. Ein kleines Glockentürmchen auf dem Hause zeigt, wo er zur Zeit seines Amtes waltet. Das letzte Haus an der von Uerzell nach Klesberg und weiterhin nach Hinter- steinau führenden Straße birgt die Schule, in der die zur Gemeinde Uerzell gehörenden Kinder das Wissen für ihren nicht immer leichten Kampf ums Dasein schöpfen. Die 312 Einwohner der Gemeinde Uerzell, von denen 134 auf Uerzell selbst, 72 auf Klesberg und 106 auf die Schmidtmühle mit Walters- und Dicl- mühle, dem Dielhof und Wannhöfen entfallen, treiben fast sämtlich Landwirtschaft. In harter und beschwerlicher Arbeit mühen sie sich, dem vielfach kargen Boden abzugewinnen, was Mensch und Vieh zur Nahrung bedürfen und gar mancher Schweißtropfen muß vergossen werden, bis Scheune und Keller alles das birgt, was der gütige Gott in Feld und Garten und auf den saftigen Wiesen hat wachsen und gedeihen lassen.
Ruht aber int Winter die Arbeit auf Feld und Wiese, dann läßt noch manche der Bauersfrauen in Uerzell beim knisternden Feuer des Kachelofens ihr Spinnrad surren, damit es dem über den Baum des alten Webstuhls gebeugten Manne nicht an dem nötigen Garn für Kette und Einschlag gebricht.
Schwere' Arbeit von Jugend an ist das Los der Bewohner Uerzells. Doch auf saure Tagen und Wochen folgen auch in Uerzell zuweilen frohe Feste.
In früheren Zeiten mag, wie überall aus dem Lande, auch in Uerzell die Jugend ihre Tänze auf dem grünen Anger oder unter dem schattigen Dach der
*) Bürgermeister ist znr Zeit der Landwirt Wilhelm Schleich.