Einzelbild herunterladen
 

Nr. 14.

Schlüchtern

April 1911.

Wenn sie dich schmähten und wenn sie dich schalten,

Widersprich nicht mit hitzigem Blut. Schweig' und schaffe, was schön und gut, So wirst du zuletzt doch recht behalten.

Geibel

Scheu dich nicht, auch das zu schonen und zu schirmen, was viele Klugen Torheit, Vorurteil, Aberglauben schelten, wenn es nur Glaube, Liebe, Hoffnung auf Erden nährt und lebendig erhält.

E. M. Arndt.

wag's!

Nun ist er endlich kommen doch In grünem Knospenschuh;

Er kam, er kam ja immer noch", Die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaM Nun treiben sie Schuß auf Schuß;

Im Garten der alte Apfelbaum: Er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz

Und atmet noch nicht frei, Es bangt und sorgt:Es ist erst März" Und März ist noch nicht Mai.

O, schüttle ab den schweren Traum Und die lange Winterruh, Es wagt's der alte Apfelbaum, Herz, wag's auch du!

Theodor Fontäne.

Alte Linden.

Von Helene Brehm.

Habt Ihr schon einmal unter einer alten Linde gesessen an einem milden Sommerabend, wenn die Sonne der Erde den Gutenachtkuß gab? Wenn die Blätter des Baumes in eifrigem Getuschel noch vor dem Einschlafen vom Erleben des Tages flüstern? Wenn in den grünweißen Blüten noch geschäftige Bienen herumschwirren und summen und sich nicht Ruhe gönnen, obwohl es längst Feierabend für ihren Fleiß wäre? Der Dust der unscheinbaren Lindenblüten schwebt durchs Geäst des Baumes und umkost dich schmeichelnd mit der lauen Sommerluft. Und wenn's dann so heimelichstill geworden ist, dann beginnt solch eine alte Linde manchmal zu erzählen, denn schwatzhaft ist sie, wie alle Frauen von dem, was sie erschaut und erlebt hat, und manche von ihnen weiß wunder­same Mären zu berichten, dem, der sie gern wissen mag und auch gut zuzuhören versteht.

Ich kenne vier Linden, die stehen auf einem Hügel in einem Garten. Unter ihnen dehnt sich eine Latten-