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IL Tahrgang

Schlüchtern / INärZ-Mpril l?f?

Hummer 3/4

/N) du, vor dem die Stürme schweigen,

Vor dem das Meer versinkt in Ruh: Das wilde Herz nimm hin zu eigen, And führ' es deinem Frieden zu. E. Geibel.

T\er große Mann geht seiner Zeit voraus, Der Kluge geht mit ihr aus allen wegen.

Der Schlechte deutet sie gehörig aus, Der Dummkopf stellt sich ihr entgegen.

Ostern

Oflerglut, du heilige Siegerin, ströme du in unser wankend Leben! Du mußt allem dumpfen «Lrdenstnn deiner Prüfe Lstmmelsstammen geben. Tills mit deiner neuen Schöpf er macht, daß wir alles Unglück niederringen, Die (Duelle".

daß wir, die uns würgen will, die Nacht mit der Sonne Morgenkraft bezwingen.

Traufe, rüttle, fahre scharf darein; denn wir müssen tiefe Ostern halten - Daß wir wahrhaft fluferstandne fein, woll' der große Gott in Gnaden walten!

Gustav Schüler.

Geduld l

Tsen großen Schicksalschlägen gegenüber hilft Ungeduld gar nichts. Ob wir zittern, zagen, klagen oder zürnen, ob wir uns und andere quälen, so hat die Verworrenheit der Dinge ihre eigenen Entwicklungsgesetze, die uns verborgen sind wie die Bodengestaltung eines Landes, in dem noch keiner von uns je­mals gewesen ist. Was wissen wir von der Zukunft unseres Volkes, was wissen wir über­haupt? Unser eigenes kleines Leben ist ver- woben in tausendfältiges unglaubliches Ringen. Weniger als jemals gilt das Wort, daß jeder seines Glückes Schmied ist. Wie der Soldat in den Gräben, wartet die ganze Bevölkerung auf das Unerhörte und lauscht aufmerksam, aber fast hilfslos auf jedes einzelne Geräusch

in der langen Nacht. Mit dem Propheten fra­gen wir: Hüter, ist die Nacht bald hin? Das sind Prüfungszeiten der Seelen. Wer ist stark genug, im Allerinnersten ruhig zu bleiben? Nur derjenige kann es sein, der auch jetzt, um mit Schleiermacher zu reden, das Gefühl der unbedingten Abhängigkeit nicht verloren hat, jenes Vertrauen zu Gott, das auch im Un­glück noch Licht sieht und ewige Ziele vermutet, wo kein Verstand sie erkennt. Das Zutrauen zum Unerkannten ist nichts, worüber man dis­putieren kann, aber es enthält eine Kraft der Lebenserhaltung, die von unbezahlbarem Werte ist. Aus diesem Vertrauen erwächst die Ge­duld, das stille Abwarten ohne Verzweiflung. Geduld! Naumann.