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n Jahrgang Schlüchtern / INai-^uni 1?]? Hummer 5/6

(ßlfick heißt niemalsW, Glück heißt immerDu", Wer feinTd, imDu" nicht findet, dem wird keine Kuh'.

Uebelacker.

/Qs gibt im sehen nur ein einziges sicheres Glück: für andere zu leben!

Tolstoi.

flut und Ebbe.

Sprich, bist du gewandert am Meeresstrand, wo so mächtig schwoll die wogende Flut, Bis endlich der ganze Dünenrand still lag vom schimmernden Spiegel umruht?

Nun kam die Ebbe: es wich der Schwall. Da lag der Strand so trocken und bloß, Da lagen verschmachtend die Wesen all', die das Meer gebiert in dem tiefen Schoß.

Ein Tor wohl spräche zur Stund':Der Strand ist trocken und g'hört nun mir, Ich will ihn bebauen, den Dünengrund, ich will ihn beackern mit Pflug und Stier."

O Tor, der von Wind und Welle nicht weiß, laß ab vom kindisch' törichten Traum, Schau drunten auf's Meer, wie kocht es so weiß, wie säumt die Wogen schon wieder der Schaum!

Hallo die Flut! Schon keh't sie im Schuß und rächend schießt sie im Bogen daher, Sein altes Recht mit stürmendem Gruß erobert sich wieder das grollende Meer.

Und was verzweifeln im Sande gemußt und meinte zu sterben in Sonnenglut, Saugt neues Leben und neue Lust u -d fühlt sich erlöst von der heiligen Flut.

Du Tor, der das Meer schon bezwungen geglaubt und der es gehindert und niedergedämmt, Schon bist im Spiele du hingeraubt und wälzend hinab ins Verderben geschwemmt! So stehst du, Freund, an dem Meeresstrand, und wieder schwoll die wogende Flut, Bis endlich der ganze Dünenrand still lag, vom schimmernden Spiegel umruht. Das sei, mein Freund, ein Bild dir der Zeit, daß nie du an unserem Siege verzagst Und daß du immer im Geisterstreit den Würfel b»r Freiheit zu werfen wagst.

Die Märzflut kennst du, den VUKerdrang, kein Wall noch Damm bot gegen sie Schutz, Jetzt ist die Ebbe in vollem Gang, ein Tor auch bietet dem Fluten Trutz,

Er baut sein Haus auf den Dünen empor, er stellt auf den Strand den goldenen Thron, Und lacht, ein übermütiger Tor, den still abrinnenden Fluten Hohn.

Wir sind die Korallen auf dürrem Sand, wir sind des Meeres verzweifelnde Brüt, Wir schmachten gefangen im fremden Land, wir harren der teuren, belebenden Flut, Doch bleiben wir stark und vertrau'n dem Gebot, das die Erde lenkt und des Menschen Geist: Je dürrer die Welt, je größer die Not, je näher heran schon die Rettung kreist.

Schon seh' ich den Volkssturm wieder erwacht, schon stürzt in Trümmer, was Toren gebaut Du glaub' an Geistes heilige Macht, im Gleichnis des Meeres, das du geschaut! Glaub' mir, wir stehen schon wieder am Strand und wieder schwillt die wogende Flut, Bis endlich der ganze Dünenrand still liegt, vom schimmernden Spiegel umruht.

Gottfried Kinkel.