24. Jahrgang
Schlächtern, Bpril Junf 1^32
Nr. 40/42
Ein Ende und ein Anfang Zugleich ein Abschiedswort
anken möchte ich Tuch noch einmal, Ihr lieben Spulerinnen und Schüler, Ihr Litern und Rmtsgenossen in der lieben Stadtschule in Schlichtern! So still, wie ich am 1. März 1902 nach einjähriger Tätigkeit in Rodenbach (Kr. Gersfeld) und sieben- einhalbjähriger in Mederzell in der Volksschule meiner Heimatstadt angetreten bin, so unbemerkt bin ich nun auch gegangen. Selbst von Euch,, Ihr lieben Kim der, habe ich nicht einmal „ordentlich" Abschied genommen, weil mir die Ruhe und Kraft dazu fehlte. Ihr könnt Tuch ja noch nicht vorstellen, wie schwer ein solches Scheiden einem Menschen fällt, dessen Denken, Wollen und Tun, dessen Leben so viele Jahre hindurch im Grunde nur der lieben Volksschule gewidmet war, der in der Arbeit und Verbindung mit Tuch seines Lebens Sinn unb Erfüllung fand. Ich selbst habe ja durch, den von mir erteilten Unterricht und in aller Trzieherarbeit für Seele und Geist mehr empfangen, als ich leider geben konnte. Das klingt sonderbar; aber es ist so. Ls war doch meist unbeschreiblich schön in unserer Gemeinsamkeit, wir fühlten uns auch in der Schule daheim und geborgen, und wir haben so viele feine, gute Stauben miteinander erlebt, die ich und gewiß auch nicht wenige unter Tuch nie ganz vergessen werden. Darum waren mir auch die letzten Monate, in denen ich den Rbschied von Tuch vor der Türe sah, so schwer; daß ich mich immer wieder darauf hingewiesen fühlte, wie ich dies und das jetzt zum letzten Male tue, U!m= hüllte alles mit Gedankenqual.
Ich bin von Luch, gegangen, nicht nur deshalb) weil einer, der feit April 1880 ohne Unterbrechung zur
Schule geht, endlich, einmal ausgelernt haben könnte^ sondern deshalb, weil körperliche Beschwerden, die nicht mehr zu beheben sind, unb ärztlicher Rat es empfahlen, zumal ungeschwächte, jüngere Kräfte: den durch die Zeitläufte sich, immer noch steigernden An- forberungen an die in der Schule lehrend Tätigen bessex gewachsen sind, und Tausende von jungen unbe- fpäftigten Lehrern nach, Arbeit ausschauen. Ls ist auch besser, man scheidet aus dem Amte, solange es die Freunde bedauern und bevor sie es wünschen. Laßt uns aber nicht „geschiedene £euf" sein! Mein heim steht Luch stets offen und mein Wille, Luch zu helfen, immer bereit
Nun aber möchte ich, da es mir unmöglich ist, an allen Lebenslagen, die mir noch geschenkt werden,, nur das Steigen und Fallen des Wetterglases zu beobachten ober die Zeit der Pen—sionierung nur zum „Pennen" zu benutzen, dadurch mit (Eup in Verbindung bleiben, daß ich hier im Heimatblatte Luch im Rnschluß an mein eigenes Trieben ganz schlicht und eingehend die Geschichte unserer Heimat und unserer Schule von 1880—1932 erzähle. .Ich denke, das wirb nicht nur Luch Freude machen, wenn die Väter und Großväter, die längst von uns gegangen und für Luch schon Ungenannte finb, einmal an uns vorüberziehen. Ls kommen mir dabei Rufzeichnungen zustatten, die ich seit 1893 an jedem Sonnabend gemacht habe Und aus denen mir heute die alten Bürgermeister und Stab träte, Pfarrer und Lehrer, Richter und Postbeamten, Bürger und Bauern, Arbeiter und Waschfrauen, Handwerker und Kaufleute ganz fröhlich zunicken und sagen: „Tu's nur! Das