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Schlächtern, Julf/0eptembcr 1^32

nr. 43/45

24. Jahrgang

Der verborgene Gott

von Georg Flemmig

s ist der 3. Juni 1932. Nach Regentagen lacht die strahlende Sonne Dom Himmel. In der Nähe von Nirchberg bei Fritzlar sind vier Stauen emsig bei der Feldarbeit. Es arbeitet sich gut im sonnigen Frieden da draußen auch in dieser Notzeit. Linde Luft streicht über die blühenden Wiesen und sprießen­den Kecker. Die Vögel singen, als gäbe es keinen Feind des gefiederten Völkchens Und keine Winter- sorgen. Die Bienen summen und tragen ein. Ninder spielen und wetteifern mit allem, was sich dort im Naturpark des Ewigen tummelt, heute in Zorglösig- keit und Freude. In den Nachmittagsstunden zieht ein Wetter heraus. Wer wirb1 gleich heimlaufen, wenn der Himmel einmal dunkle Vorhänge DOrye^t! Es geht vielleicht vorüber. Also suchen die vier Frauen Schutz vor dem Regen unterm frisch belaubten alten Birnbaum in der Nähe. Da ein Blitz und ein Nrachen! Zersplittert raucht der Baum, und die vier Frauen liegen bewußtlos am Boden. Zwei sind tot, zwei mit Brandwunden bedeckt und schwer verletzt. Nun ist alles dunkel und viel Weinens. Und sie ist wieder da, die alte, schwere Frage:Warum?" Kuch manchem, der unberührt seines Weges geht oder diese Nunde nur liest, drängt sie sich! auf. Eine

Kntwort aber gibt es nicht. Wenn eine zu geben wäre, müßte sie in dem alten Buche zu finden sein, das durch Iahrtausende Wegweisung und Deutung geschenkt denen, die nach ihm vertrauend fragen. Aber es antwortet:Gott ist ein verborgener Gott, der Heiland. Wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer will ihn unterweisen? Er macht es, wie Er will. Es ist auch den Heiligen nie gegeben, daß sie alle feine Wunder aussprechen könnten. Sein Sinn ist reicher als das Meer und tiefer als ein Kbgrund. Was ich tue, das weißt du jetzt nicht, du wirst es aber hernach erfahren!" Nicht wahr, wir warten auf gar manche Antwort auf Nätselfragen in unserem kurzen, armen Leben und sind gewiß, daß wir sie daheim erhalten werden? Wir haben gelernt, das Leben nicht zu überwerten und mit Eli an der Bahre seiner Söhne zu sprechen:Es ist der Herr, Er tue, was ihm gefällt!" Es ziemt uns Ergebung in sei­nen Willen, wenn unser Wille am Ende ist. Und wir wissen, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen. Mögen andere in gefährlichem Stola murren, sie kommen nicht weiter als wir. Aller Wege enden im Rätsel oder beim Vater.